Reiseberichte S. M, Kbt. „Nautilus“
261
König geschenkt. Dabei versprach Joseph Fredericks, dal er, falls das
geschenkte Stück sich nicht als grofs genug zeigen sollte, noch mehr Grund
und Boden zu diesem Zweck hergeben wolle. :
Der Verkehr mit dem Inlande wird durch grofse, ungemein stark gebaute
Wagen von 40 Centner Tragfähigkeit vermittelt, die je von ca 20 Ochsen ge-
zogen werden. Von diesen verwendet Herr Lüderitz zwölf.
Zur Verbindung mit Kapstadt und zum Verkehr an der Küste dient ein
kleiner starker Schoner von geringem Tiefgang (2m), der zur Zeit der An-
wesenheit des „Nautilus“ in Angra Pequena zu Anker lag. Für den Waaren-
transport aus Deutschland sorgen zwei andere der Firma gehörige Schiffe.
3. Das Klima, Vegetation, Thierwelt und Bodenbeschaffenheit.
Das Klima ist ein gutes zu nennen. Der Temperaturwechsel ist nur ein
geringer. Flufsmündungen oder Sümpfe sind nicht vorhanden. Die höchste dort
von den Deutschen beobachtete Wärme betrug 42,5°C. Die Hitze belästigt
wenig, da fast fortwährend ein frischer SW- bis Südwind weht, der, von der
See kommend, kühlend wirkt. Das Wasser hat infolge des kühlen nördlichen
Küstenstromes nur eine Temperatur von 17,5° C.
Als einzige Unaunehmlichkeit ist der durch den Wind aufgetriebene feine
Sandstaub zu erwähnen, der durch alle Fugen dringt.
Die häufigen feuchten Niederschläge erlauben einer Menge von kleinen
Sträuchern zwischen den Steinen und im Sande in den Schluchten der Berge
zu wachsen. Sonst ist das Land absolut kahl, ;
Die Inseln waren, wie ihre Namen besagen, früher nur von Pinguinen
und Robben bewohnt, jetzt befinden sich einige Hütten der Arbeiter auf den-
selben, welche den Guano einsammeln. Verschiedene Arten von Seevögeln
nisten noch in Mengen dort, doch soll die Guano-Entnahme in zwei Jahren
wegen Mangels an Stoff ihr Ende erreichen.
Die Buchten des Hafens enthalten eine Unzahl von Fischen, so dafs man
ınit zweimaligem KEinholen. des Schleppnetzes eine genügende Menge Fische
erhielt, um die ganze Besatzung zu versorgen,
Von wilden Thieren ist nur der Schakal zu erwähnen, der zahlreich vor-
handen ist. Antilopen oder Springböcke kommen nicht so nahe an die Küste.
Schlangen kommen vereinzelt vor, ebenso Skorpione.
Der Boden besteht aus verwittertem vulkanischem Felsgestein und Sand,
Um den Hafen zieht sich in einer Entfernung von 4—10 engl. Meilen ein etwa
20 engl. Meilen breiter Gürtel von Treib- und Flugsand, welcher die Verbindung
mit dem Inneren begreiflicherweise sehr erschwert, Die Zugthiere bleiben bei
diesen Reisen 4—5 Tage ohne Wasser, was sie zum gröfsten Theil ohne Schaden
vertragen können, Beim Herannahen an die Wasserstation sollen sie dann aber
öfters sehr wild werden und, ihr Joch zerbrechend, zur Tränke stürzen.
Angra Pequena hat kein Wasser, und wird dasselbe durch den erwähnten
Schoner („Meta“) in Fässern von Kapstadt geholt, durch welchen Transport
die Tonne Wasser auf 33 sh. engl. zu stehen kommt.
Die Thiere werden deshalb bald nach der Ankunft wieder nach dem
fruchtbaren Hinterland geschickt und müssen, wenn eine Reise von der Küste
ins Innere beabsichtigt wird, erst wieder von dort geholt werden, was 5 bis
7 Tage dauert, Korv.-Kapt. Aschenborn konnte also nicht. daran denken, zu
seiner weiteren Information einen Ausflug dorthin zu unternehmen, ogleich er
gern den Platz gesehen hätte, wo Herr Lüderitz nach Kupfer zu graben be-
absichtigt. Es würde dies mindestens einen Aufenthalt von 16 Tagen ver-
ursacht haben.
Der Mineralreichthum des Landes soll ein grofser sein, und wird in den
im Bereich der Kolonie und nördlich von derselben liegenden Bergen mit Erfolg
nach Kupfer, Silber und Gold gegraben,.
Herr Lüderitz hat eine Sammlung der in der Nähe von Angra Pequena
gefundenen Mineralien angelegt. Unter. ihnen befinden sich verschiedene Erze.
Metallisches Eisen fanden Personen der Besatzung selbst in kleinen Stücken in
der Felsenmasse der Berge eingesprengt, und ‚konnten diese KEisenstückchen
taschenvoll gesammelt werden.