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Reiseberichte S. M. Kbt, „Nautilus“.
Aus den Reiseberichten S. M. Kbt. „Nautilus“,
Korv.-Kapt. Aschenborn.
(Hierzu Tafel 7 und 8.)
S. M. Kbt. „Nautilus“ verlielßs am 15. Oktober v. J. Kiel, um sich auf
die ostasiatische Station zu begeben. Nachdem das Fahrzeug die Häfen von
Laurvig, Plymouth, Funchal und St. Vincent berührt hatte, traf es am 13. Ja-
war d. J. in Kapstadt ein.
Von hier segelte das Kanonenboot am 20, Januar nach Angra Pequena,
verweilte dort am 24., 25. und 26. Januar und langte am 3. Februar wieder in
Kapstadt an.
Den Berichten des Korv,-Kapt. Aschenborn entnehmen wir folgende
Notizen über die Niederlassung des Herrn Lüderitz zu Angra Pequena.
i. Beschreibung des Hafens von Angra Pequena.')
Die Bucht von Angra Pequena besitzt einen sehr guten Hafen. Schiffe
von geringem Tiefgang, wie S. M, Kbt. „Nautilus“, und die hier an der Küste
verkehrenden Schoner können bequem nördlich und südlich von der Penguin-I.
einlaufen und zwischen dieser Insel und der Niederlassung ankern. Gröfsere
Schiffe (Korvetten) müssen etwas südlicher beim Robert-Hafen ankern, wo sie
yegen die hier herrschenden südlichen Winde und die draufsen stehende
Dünung guten Schutz finden.
Die Bucht ist durch die vorliegenden Inseln fast nach allen Richtungen
geschützt, besitzt einen guten Ankergrund und scheint deshalb bei weitem der
beste Hafen an der ganzen südlichen Westküste von Afrika zu sein, vielleicht
mit Ausnahme der Saldanha-Bucht.
Die genannten Inseln schützen, wie gesagt, den Innenhafen auch gegen
die aufserhalb derselben fortwährend stehende Dünung, so dals das Wasser
des Hafens ruhig und glatt und das Landen an den sandigen Stellen leicht
und bequem ist. Im Innenhafen liegt nur ein der Schiffahrt etwas hinderlicher
Felsen, der Tiger-Fels?) an der NO-Seite von Penguin-I.; um denselben ist
aber tiefes Wasser, und mufßs er nur durch eine Bake auch bei Hochwasser,
bei dem er unter der Oberfläche liegt, bemerkbar gemacht werden, um seine
Gefährlichkeit zu verlieren.
2. Beschreibung der Niederlassung des Herrn Lüderitz.
An einem guten Landeplatz, etwas nördlich von der Robert - Hafen
genannten Kinbuchtung, sind zwei hölzerne, mit Wellblech gedeckte, ein Stock-
werk hohe Häuser erbaut, von denen das gröfsere als Vorraths- und Lagerhaus
benutzt wird und das Kontor enthält. Das kleinere enthält drei grofse Räume,
von denen zwei als Wohnzimmer benutzt werden und der gröfsere mittlere als
Efszimmer dient. Die vorhandenen Gelasse genügen jedoch den wachsenden
Ansprüchen nicht mehr, und sind die Materialien zu einem gröfseren eisernen
Wohnhause bereits auf dem Wege dahin.
Ina der Nähe der Niederlassung befinden sich einige Kraale der Kin-
geborenen, von denen. die Männer als Arbeiter, Führer etc. verwandt werden,
während die Frauen durch Sammeln von Feuerholz in dem vertrockneten Flufs-
bett und als Wäscherinnen sich ihre Beköstigung verdienen.
Aufser dieser Faktorei hat Herr Lüderitz auf den Wunsch des „Kapitän“
Joseph Fredericks, des „Königs“ der Eingeborenen, in der Mission Bethanien
sine Verkaufsstelle errichtet. Den Grund und Boden zu derselben konnte sich
Herr Lüderitz aussuchen. Er wählte eine günstig gelegene Stelle mit einem
Quell und gutem Boden. Herr Lüderitz hatte die Absicht ausgesprochen, einen
Laudwirth zu berufen, welcher den Eingeborenen eine sachgemäfßse Bearbeitung
des Bodens lehren sollte, und erhielt zu diesem Zweck aufser der Baustelle
noch sieben erofse Morgen des daneben liegenden guten Bodens von dem
I) Vgl. „Africa Pilot“, Part II, 1875, pag. 201.
3 Vgl. a. a. O. pag. 202 und „Nachr. f. Seef.“ 1884. No. 474