Die Katastrophe in der Sunda-Strafse,
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ziemlich hoch gewesen zu sein, und zwar höher als die nach 6 Uhr Abends;
gleichzeitig mit dieser neuen Welle fand starke Detonation statt;
) 8. Nach Mitternacht, um ungefähr 1 Uhr früh, am 27, August entsteht
wiederum eine hohe Fluthwelle. Getöse und Aschenfall nehmen zu,
4. Bald nach 6 Uhr Morgens des 27. August weicht das Wasser in der
Sunda Strafse zurück (negative Welle); darauf erheben sich einige mächtige
Wellen, welche höher sind als die vorangegangenen, Anjer, Telok Betong und
andere Ortschaften zerstörend. (Höhe der Welle auf 10m bei Anjer geschätzt.)
5. Bald nach 10 Uhr Morgens zeigt sich in der Sunda Strafse die
schwerste Welle, begleitet von einer heftigen Explosion; Merak wird zerstört;
c8 erhebt sich dichter Muddregen, der erst Nachmittags 2 Uhr sich in Aschen-
regen verwandelt, und es entsteht totale Finsternifs, welche erst am 28. August
Morgens gegen 8 Uhr aufhört. (Höhe der Welle bei Telok Betong auf 30 bis
40m geschätzt.) Die entstandene Fluthwelle wird in Batavia verspürt.
6. Um 11* 15” a,m. am 27, hört man auf dem „Charles Bal“ cine
schreckliche Explosion.
7. Um 3" p.m. am 27. August erheben sich nochmals einige hohe
Wellen.
8. Zweifelhaft bleibt einstweilen, ob nach 8 Uhr Morgens am 27. eben-
falls noch Explosion und hohe Wellen eintraten oder ob diese nicht etwa
identisch sind mit den sub 4 registrirten Erscheinungen,
Für die Kontrole der obigen, die Zeit der Explosionen bezw. Zeit und Höhe
der Wellen betreffenden Daten liegen jetzt einige sehr werthvolle Untersuchungen
des Herrn Verbeek vor. Die Explosionen mufsten naturgemäfs starke Luft-
erschütterungen erzeugen, welche leider vermittelst Barometerbeobachtungen
in der Nähe des Aktionsortes nicht genau festgestellt worden sind, weil es da-
selbst an selbstregistrirenden Barometern gefehlt hat. Glücklicherweise hat
Herr Verbeek ausfindig gemacht, dafs die entstandenen Luftwellen durch den
selbstregistrirenden Indikator der Gaswerke von Batavia angezeigt worden sind,
welcher die Bestimmung hat, den Gasdruck aufzuzeichnen. Die Kurve dieses
Instruments zeigt am 27. August cinige auffallende, scharf markirte Störungen.
Nimmt man an, dafs die Luftwelle mit der Geschwindigkeit des Schalles fort-
schreitet, so braucht sie 7 Minuten, um von Krakatau nach Batavia zu gelangen.
Auf dieser Grundlage hat Herr Verbeek festgestellt, dafs die heftigsten Ex-
plosionen am 27. August um 5* 35”, 6* 50", 10" 5" und 10" 55" a, m. Batavia
bürgerliche Zeitrechnung stattgefunden haben müssen, und dafs die bei weitem
heftigste der Explosionen die um 10* 5" war.
Es ist gleich hier zu bemerken, dafs diese letztere Zeit nicht ganz in
Uebereinstimmung steht mit den bisher aus den Störungen der Kurven europäischer
selbstregistrirender Barometer von verschiedenen Seiten berechneten Zeitpunkten,
die unter sich übrigens wiederum differiren und worauf wir noch zurückkommen.
Jedenfalls aber ist soviel ersichtlich, dafs die sub 4 der aus den Nachrichten
gezogenen Resultate aufgeführte Welle mit der Indieirung des Gasdruckmessers
um 6* 50”, die grofse Welle sub 5 mit der Indieirung um 10* 5". und vielleicht
die sub 6 erwähnte, an Bord des „Charles Bal“ gehörte Explosion mit der
Indieirung um 10" 55” zusammenfällt. Dals zu dieser letzteren Zeit keine
Fluthwelle mehr von den Küsten der Sunda Strafe aus Konstatirt ist, will
nichts bedeuten, weil, abgeseheu von der herrschenden Finsternifs, die über-
lebenden Menschen aus der Meeresnähe so weit geflohen waren, als es ihnen
möglich war. Freilich ist es merkwürdig, dafs zu der Zeit keine Fluthwelle
von Batavia gemeldet ist, aber dort scheinen ja auch die derjenigen um 10 Uhr
vorangegangenen Wellen nicht eingetreten, oder — was wahrscheinlicher ist —
nicht verzeichnet worden zu sein.
(Schlufs folgt.)