256
Die Karastrophe in der Sunda-Stralse.
‘Centrum /quique) 1877, der Bai von Bengalen 1881 u. A, gelehrt; andererseits
ist aber ebenso sicher, dafs starke Erderschütterungen in Küstengegenden
keineswegs immer grofae Fluthwellen erzeugen (in /quique fand am 23. Januar
1878 ein sehr heftiges Erdbeben statt, bei dem von Abends 8 Uhr bis Morgens
6 Uhr 40 Stöfßse gezählt wurden, während das Meer völlig ruhig blieb), wie
hinwiederum Fluthwellen entstanden, ohne dafs es gelang, einen Ort der Er-
schütterungen ausfindig zu machen (in Callao traten am 27. und 28. Januar 1878
mächtige Fluthwellen auf, die die Insel St. Lorenzo cinige Fufs erniedrigten,
ohne dafs man dort oder in der Umgegend Erdstöfßse verspürt hätte), wie denn
auch die bei der Revolution der Sunda Strafse erzeugten Wellen — wie es
scheint — auf Erderschütterungen nicht zurückgeführt werden können.
Jedenfalls zeigt diese Sachlage, wie wichtig alle auf die bei der letzt-
genannten Katastrophe entstandenen Wellen bezüglichen Beobachtungen sein
müssen, und sie sollen daher mit ihrem Detail, unter Anknüpfung einiger Be-
merkungen, zunächst registrirt werden.
Es ist da vorweg darauf aufmerksam zu machen, dafs die Angaben,
sowohl über die durch heftige Detonationen sich kenntlich machenden Haupt-
phasen der Katastrophe, wie über das Erscheinen der einzelnen Fluthwellen in
unmittelbarer Nähe des Aktionsfeldes, bisher weder hinsichtlich der Zeit, noch
hinsichtlich der Fluthhöhe besonders genau und zuverlässig sind, was sich ja —
auch abgesehen von der dort überall am 27. August von ungefähr 10 Uhr
Morgens ab herrschenden Finsternifs — zum grofsen Theil dadurch erklärt,
Jafs die Mehrzahl der Augenzeugen der Katastrophe in den exponirteren Orten
dieser zum Opfer gefallen ist. Es hat sich gerade in diesem Falle wieder
gezeigt, von wie großer wissenschaftlicher Bedeutung selbstregistrirende
Instrumente sind, welche an den Küsten der niederländischen Kolonien dieser
Gegend leider gefehlt zu haben scheinen, glücklicherweise aber aus weit ent-
fernten Gegenden uns ganz sichere Auskunft geben über die dort eingetroffenen
Fluthwellen,
Obwohl von der Insel Balt starke Detonationen schon am Morgen des
26. August, vom Dampfer „Anesley“, der 400 km südlich von Krakatau stand,
eine Kanonade Vormittags des 26., von der Brigg „Airlie“, welche sich zu der
Zeit auf 0° 32‘ S-Br und 105° 57‘ O-Lg befand, um 3" p. m. des 26. heftige
Detonationen gehört, vom Schiffe „Berbice“ vor dem westlichen KEingange zur
Sunda Strafse drohender Himmel, Donner und Blitz in der Richtung auf
Krakatau und vom Schiffe „Charles Bal“, welches Prinzen-Insel im westlichen
ingang der Strafe um 2 Uhr Morgens des 26. passirt hatte, um 415” dieses
Tages eine Kruption auf Krakatau beobachtet wurde, wird doch die erste
heftige Wellenbewegung, verbunden mit beginnender Verfinsterung des Himmels,
von Anjer erst zwischen 6 und 7 Uhr Abende, von Merak und Katimbang um
7 bis 7'% Uhr Abends berichtet, welche Wasserbewegung sich an diesen Orten
noch in der Nacht wiederholte. Diese Wellen waren aber nicht so hoch, um
über das Land zu fluthen, richteten vielmehr nur unter Schiffen und am Strande
Schaden an. Ganz Aehnliches ereignete sich um 6* 30" p. m. desselben 26.
in Telong Betong (Sumatra), wo die See ganz plötzlich 2m stieg, den Pier
überfluthend.
Von Anjer berichtet man weiter: „hörten nach 7 Uhr Abends schwere
Detonationen, der Boden bebte, Gewittersturm; um 9% Uhr Stille, leichter
Aschenregen, darauf ganz stille See. Nach Mitternacht einige Wellen, aber
nicht sehr heftig.“
In Katimbang (Sumatra) hörte man um 10 Uhr Abends das Getöse der
Wellen, und Europäer und Eingeborene suchten höher gelegene Lokalitäten auf,
Zu derselben Zeit wurden in Telong-Betong einige Fahrzeuge auf den Strand
geworfen (darunter der Regierungsdampfer „Beroww“), Häuser und Menschen
fortgeschwemmt; um Mitternacht war es dort wieder ruhig.
Die Detonationen, welche die Brigg „Airlie“ hörte, schlossen um 10 Uhr
Abends mit einer so heftigen Explosion ab, dafs das ganze Schiff erzitterte.
Nach Bericht sowohl des Kapitän Watson vom Schiffe „Charles Bal“,
welches sich um 4* p. m. südlich von Krakatau befunden hatte, wie des Kapitän
Logan von der „Berbice“ nahm das schreckliche Getöse und der Aschenfall
aach Mitternacht wieder zu. Feuerbänder stiegen zwischen Krakatau und dem