Die Boca von Buenos Aires,
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Boden in die Höhe gerissen worden.) (Uebrigens hat man auch Luftströme
beobachtet, die derartige Bestandttheile mit sich führten.)
Es ist ferner nicht undenkbar, dafs die zu grofßser Höhe aufgestiegenen
Hagelkörner, nachdem sie infolge ihrer erlangten Schwere zu fallen beginnen,
theilweise. wieder in den Bereich des Wirbels gelangen und nun den Weg in
umgekehrter Richtung bis zur Spitze des. Wirbels zurücklegen, wo ihnen dann
Gelegenheit geboten wäre, zu gröfseren Massen sich zusammenzuballen, wie bei
dem schon im Eingang erwähnten grofsen Eisblock.?) Man könnte nun noch
fragen, woher die bedeutende Kälte kommt, die doch zur Bildung solcher zu-
weilen enormer KEismassen, und zwar innerhalb kurzer Zeit, nöthig ist. Diese
Frage ist wohl am leichtesten zu beantworten. Ks existiren mitten im Hoch-
sommer in relativ niedrigen Höhen kalte Luftströme, deren. Temperatur tief
unter Null liegt. Als einziges. sehr gut beglaubigtes Beispiel führe ich die be-
kannte Luftfahrt von Barral und Bixio an, wo man Ende Juli in einer Höhe
von 7000m eine Temperatur von —39,7° C. fand. Leicht erklärlich ist es daher,
in Anbetracht des Entstehungsherdes der Hagelkörner, dafs man solche gefunden,
deren Temperatur kurz nach dem Aufschlagen noch —15° €. betrug, während
auf der Erdoberfläche eine Temperatur von 25°—30° C. herrschte. Diese That-
sache dürfte auch dafür sprechen, dafs der Prozefs der Hagelbildung in grofser
Höhe vor sich gehen muls.
“Schlufs folgt im nächsten Heft.)
Die Boca von Buenos Aires.
Von Lieut. z. See Graf Baudissin.
Mit Skizze (Taf. 1): Die Boca von Buenos Aires, aufgenommen von Lieut, z. See Graf Baudissin,
an Bord S. M. Kbt. „Albatrofs‘“, Korv.-Kapt, von Pawelsz, 1883,
Ungefähr 1'/a Sm südlich von der Mitte der Stadt Buenos Aires mündet
ein Flüfschen, Riachuelo, in den La Plata; die Mündung heißt die „Boca“,
Diese Bezeichnung, obschon eigentlich nur für den .alleräufsersten Theil des
Riachuelo geltend, ist die allgemein übliche geworden für den ganzen Hafen;
welchen der Fluß bildet, und so versteht man heutzutage unter der Boca von
Buenos Aires den eigentlichen Hafen dieser Stadt, deren bedeutender und
lebhafter Handelsverkehr durch den kleinen Riachuelo in hohem Mafse ge-
fördert und gehoben ist und noch gehoben wird. — Bei der immer fort-
schreitenden Versandung des La Plata, welche die überseeischen Dampfer
auf der Rhede jetzt bereits zwingt bis zu 7 und 9Sm von der Stadt entfernt
zu ankern, woraus ein sehr umständliches und gefahrvolles Löschen der
Ladungen resultirt, mufste sich das Augenmerk einer umsichtigen Regierung
bald auf das Flüfschen Riachuelo lenken, welches von der Natur bestimmt
scheint, hier deu rettenden Hafen abzugeben, und es sind von.jener Zeit an,
besonders in den letzten sieben Jahren, die erforderlichen Arbeiten in Angriff
genommen, zum Theil mit grofsen Kosten und grofser Energie, um die Boca
des Riachuelo zu einem guten und geräumigen Hafen umzugestalten. Es arbeiten
zur Zeit vier Bagger, einer im Einsegelungskanal und drei in der Boca, jeder
bei Tag und bei Nacht, um das Fahrwasser auszutiefen und für die anderen
Vervollständigungsarbeiten werden täglich an 400 Arbeiter beschäftigt. —
) Selbst wenn die Angabe, dafs bei einem Hagelfall zu Wiülna@ gleichzeitig Steine bis zu
1 Pfund Gewicht gefallen sein sollen, auf Wahrheit beruhte, so würde ich eben auf Grund der ge-
waltigen aufsaugenden Kraft der intensiven Wirbelbewegung in jenem Fall von Steinmassen nichts
Aufserordentliches und Unerklärbares finden. Nur derjenige, der die bei Wasserwirbeln (die nach
der schon eingangs angeführten Weise erzeugt wurden) stattfindende äufserst heftige und rasche
Aufwärtsbewegung der Aschentheilchen gesehen hat, kann sich eine Vorstellung machen von den
ähnlichen Vorgängen bei Luftwirbeln.
2) In diesem speciellen Falle mufs man annehmen, dafs der Wirbel von sehr kleinem Durch-
messer a so dafs in seinem unteren Theile eine aufserordentlich heftige rotirende Bewegung
stattfand.
Ann, d. Hydr. ete., 1884, Heft I,