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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

An 
Die Katastrophe in der Sunda-Strafse. 
d) Polarlichte. Selten nur sah man die grofsartigen Draperien, welche 
30 viele Reisende aus den arktischen Regionen beschreiben. Etwa die Hälfte 
der Erscheinungen konnte unter die Kategorie der Vega-Bogen, von welchen 
Professor von Nordenskiöld spricht, gebracht werden. Von den 150 Bögen, 
welche gut ausgeprägt waren, befand sich etwa die Hälfte am Nordhorizont in 
einer Maximalhöhe von ca 60° und Mittelhöhe von ca 16,5°. Die Richtung war 
rw. Nord, die Ausdehnung 11 Strich. Die 27 Bögen am Südhorizont hatten 
eine mittlere Höhe von 44° im Scheitel, Richtung S'/4SO. Senkrecht im Zenith 
standen 24 Bögen; die Schnittpunkte mit dem Horizont hatten die Richtung 
rw. Nord. 
Die Katastrophe in der Sunda-Stralse. 
(Fortsetzung.) 
In der vorstehend gegebenen Schilderung der bei Krakatau stattgehabten 
Umformungen der Erdkruste von Seiten des die Oertlichkeit untersucht habenden 
Niederländischen Seeoffiziers scheint angedeutet zu liegen, dafs die entstandenen 
Bodenerhebungen, welche, wie in Heft II dieser Annalen erwähnt, eine Fläche 
von 250 qkm umfassen und deren Volumen Prof. von Lasaulx auf mindestens 
12 700 000 000 ebm !) schätzt, durch Aufschüttung der aus dem Vulkan ge- 
achleuderten Theile entstanden sind. In den „Proceedings“ der Königlich 
geographischen Gesellschaft von London hat sogar die Annahme Vertretung 
gefunden, dafs die neu entstandenen Ioseln in kompakten Massen aus der 
Krateröffnung an ihren jetzigen Platz geschleudert seien. Ob nur Aufschüttung 
oder ob nicht auch vulkanische Hebung mit zur Bildung der umfangreichen 
Bodenanschwellung beigetragen habe, werden die Geologen zu entscheiden 
haben; bemerkt sei nur, dafs gegen Hebung allerdings wohl der Umstand 
sprechen möchte, dafs heftige Erderschütterungen die Katastrophe nicht begleitet 
zu haben scheinen. Nach einer Mittheilung des Direktors des Observatoriums 
in Batavia sollen wenigstens horizontale Stöflse gar nicht konstatirt, vielmehr 
nur vertikale Vibrationen, z. B. an den aufgehängten Magnetnadeln, bemerkt 
worden sein, Allerdings haben in Batavia sowohl, wie in Buitenzorg, ca 150 km 
von Krakatau, zur Zeit der Explosionen des 27. August Fenster und Thüren 
geklirrt, Uhren sind stehen geblieben, Gegenstände umgefallen u. 8. w.; es 
sollen sogar in Palembang, 350 km, und in Pasoeroean, 830 km von Krakatau, 
Mauern infolge der Erschütterung geborsten sein; dennoch wird dies von 
urtheilsfähiger Seite nicht erdbebenartigen Stölßsen, sondern nur den heftigen 
Lufterschütterungen zugeschrieben. 
Andererseits würde gegen das Entstehen der Bodenerhöhungen allein 
durch die aus dem Krater geschleuderten vulkanischen Substanzen, soweit man 
nicht einen Lavaflufs annımmt, vielleicht der Umstand sprechen, dafs die 
erheblichere Erhöhung des Meeresbodens ganz einseitig erfolgt ist, nämlich 
vorzugsweise im Norden. 
‚Es möge hier daran erinnert werden, dafs das Entstehen ähnlicher, wenn 
auch nicht annähernd so bedeutender Bodenerhebungen im Meere mehrfach 
konstatirt ist, namentlich auch bei der Insel Santorin, worüber wir außer 
andern Arbeiten auch eine Aufnahme von Offizieren der Preufsischen Korvette 
„Nymphe“ besitzen, welche die Aenderung Ende März 1866 darstellt, und eine 
1) Nach einer auf den neueren Aufnahmen beruhenden Mittheilung des Herm Verbeek in 
Buitenzorg an die englische Zeitschrift „Nature“ hatte Krakatau früher eine Fläche von 383'/2 qkm, 
wovon 23 qkm untergegangen sind, also ca 2 qkm mehr, als in Heft II der Annalen berechnet; an 
anderer Stelle der Insel soll danach ein Zuwachs von ca 5qkm entstanden sein (gegen 0,70 qkm 
des Heft II); Verlaten-Insel soll sich von 3,7 qkm auf 11,8 qkm vergröfsert haben. Derselbe Bericht- 
erstatter giebt an, dafs die Höhe der gefallenen vulkanischen Substanzen im Umkreise von 15km 
am Krakatau 20 bis 40m betrage, in gröfserer Nähe aber 60 bis 80m, und schätzt das Volumen 
der ausgeworfenen soliden Massen auf mindestens 18 cebkm.
	        
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