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Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.
d) Polarlichte. Selten nur sah man die grofsartigen Draperien, welche
30 viele Reisende aus den arktischen Regionen beschreiben. Etwa die Hälfte
der Erscheinungen konnte unter die Kategorie der Vega-Bogen, von welchen
Professor von Nordenskiöld spricht, gebracht werden. Von den 150 Bögen,
welche gut ausgeprägt waren, befand sich etwa die Hälfte am Nordhorizont in
einer Maximalhöhe von ca 60° und Mittelhöhe von ca 16,5°. Die Richtung war
rw. Nord, die Ausdehnung 11 Strich. Die 27 Bögen am Südhorizont hatten
eine mittlere Höhe von 44° im Scheitel, Richtung S'/4SO. Senkrecht im Zenith
standen 24 Bögen; die Schnittpunkte mit dem Horizont hatten die Richtung
rw. Nord.
Die Katastrophe in der Sunda-Stralse.
(Fortsetzung.)
In der vorstehend gegebenen Schilderung der bei Krakatau stattgehabten
Umformungen der Erdkruste von Seiten des die Oertlichkeit untersucht habenden
Niederländischen Seeoffiziers scheint angedeutet zu liegen, dafs die entstandenen
Bodenerhebungen, welche, wie in Heft II dieser Annalen erwähnt, eine Fläche
von 250 qkm umfassen und deren Volumen Prof. von Lasaulx auf mindestens
12 700 000 000 ebm !) schätzt, durch Aufschüttung der aus dem Vulkan ge-
achleuderten Theile entstanden sind. In den „Proceedings“ der Königlich
geographischen Gesellschaft von London hat sogar die Annahme Vertretung
gefunden, dafs die neu entstandenen Ioseln in kompakten Massen aus der
Krateröffnung an ihren jetzigen Platz geschleudert seien. Ob nur Aufschüttung
oder ob nicht auch vulkanische Hebung mit zur Bildung der umfangreichen
Bodenanschwellung beigetragen habe, werden die Geologen zu entscheiden
haben; bemerkt sei nur, dafs gegen Hebung allerdings wohl der Umstand
sprechen möchte, dafs heftige Erderschütterungen die Katastrophe nicht begleitet
zu haben scheinen. Nach einer Mittheilung des Direktors des Observatoriums
in Batavia sollen wenigstens horizontale Stöflse gar nicht konstatirt, vielmehr
nur vertikale Vibrationen, z. B. an den aufgehängten Magnetnadeln, bemerkt
worden sein, Allerdings haben in Batavia sowohl, wie in Buitenzorg, ca 150 km
von Krakatau, zur Zeit der Explosionen des 27. August Fenster und Thüren
geklirrt, Uhren sind stehen geblieben, Gegenstände umgefallen u. 8. w.; es
sollen sogar in Palembang, 350 km, und in Pasoeroean, 830 km von Krakatau,
Mauern infolge der Erschütterung geborsten sein; dennoch wird dies von
urtheilsfähiger Seite nicht erdbebenartigen Stölßsen, sondern nur den heftigen
Lufterschütterungen zugeschrieben.
Andererseits würde gegen das Entstehen der Bodenerhöhungen allein
durch die aus dem Krater geschleuderten vulkanischen Substanzen, soweit man
nicht einen Lavaflufs annımmt, vielleicht der Umstand sprechen, dafs die
erheblichere Erhöhung des Meeresbodens ganz einseitig erfolgt ist, nämlich
vorzugsweise im Norden.
‚Es möge hier daran erinnert werden, dafs das Entstehen ähnlicher, wenn
auch nicht annähernd so bedeutender Bodenerhebungen im Meere mehrfach
konstatirt ist, namentlich auch bei der Insel Santorin, worüber wir außer
andern Arbeiten auch eine Aufnahme von Offizieren der Preufsischen Korvette
„Nymphe“ besitzen, welche die Aenderung Ende März 1866 darstellt, und eine
1) Nach einer auf den neueren Aufnahmen beruhenden Mittheilung des Herm Verbeek in
Buitenzorg an die englische Zeitschrift „Nature“ hatte Krakatau früher eine Fläche von 383'/2 qkm,
wovon 23 qkm untergegangen sind, also ca 2 qkm mehr, als in Heft II der Annalen berechnet; an
anderer Stelle der Insel soll danach ein Zuwachs von ca 5qkm entstanden sein (gegen 0,70 qkm
des Heft II); Verlaten-Insel soll sich von 3,7 qkm auf 11,8 qkm vergröfsert haben. Derselbe Bericht-
erstatter giebt an, dafs die Höhe der gefallenen vulkanischen Substanzen im Umkreise von 15km
am Krakatau 20 bis 40m betrage, in gröfserer Nähe aber 60 bis 80m, und schätzt das Volumen
der ausgeworfenen soliden Massen auf mindestens 18 cebkm.