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Ergebnisse der Dänischen internationalen Polar-Expedition etc, 1882—1883,
Die magnetischen Verhältnisse zeigten sich sehr veränderlich. Die
gröfste tägliche Amplitude in der Variation der magnetischen Elemente wurde
hier, wie auch an andern Orten, während der Sommermonate beobachtet, die
kleinste während des Winters. Im August 1882 betrug der mittlere Werth
der täglichen Amplitude für die Horizontalintensität, unter Berücksichtigung
der Störungen, ca 0,016 Göttinger Einheiten, für die Deklination 53‘, für die
Vertikalintensität ca 0,040; diesem entspricht für die Inklination eine Amplitude
von ca 14‘. Im Januar 1883 war der mittlere Werth der täglichen Amplitude
für die Horizontalintensität ca 0,010, für die Deklination 18‘, für die Vertikal-
intensität 0,015, für die Inklination ca 7%.
Die grofsen Störungen führten im allgemeinen, einige wenige Fälle aus-
genommen, ein Wachsen der Vertikal- und eine Abnahme der Horizontalkraft
herbei, Die meisten Störungen traten im November, und zwar namentlich seit
dem 12. auf; durch dieselbe wurden alle drei Elemente beeinflufst, besonders
am 17. und 20. November.
2. Beobachtungen über Nordlichte.
Nordlichte wurden an 141 verschiedenen Nächten gesehen; das erste am
14. August 1882, das letzte des Frühjahrs am 30. April, das erste vom Herbst
1883 am 1. August. Der häufig stark bedeckte Himmel war den Beobachtungen
sehr hinderlich.
Die Nordlichte boten aufser dem Polarlichtsegment alle Formen dar,
welche Weyprecht’s Eintheilung verzeichnet, Fast immer war die Färbung
derselben weils oder weilsgrün, in sehr seltenen Fällen roth. Das Spektroskop
zeigte stets nur die Hauptlinie. Die Intensität war niemals sehr bedeutend,
und waren deshalb Versuche, dieselbe nach der Schriftskala von Jäger zu
messen, erfolglos.
Gang und Entwicklung der Nordlichte liefsen eine gewisse Regelmäfsig-
keit erkennen; es begannen dieselben im allgemeinen in der Form von Bögen
und Bändern, welche sich am SO-Quadranten des Himmels und so tief am
Horizont erhoben, als das Terrain überhaupt zu beobachten gestättete, Oft
bildete den Anfang nur ein matter Schein hinter den Bergen. In dem Grade,
als der Abend vorrückte, erhob sich das Nordlicht mehr und mehr am Himmel,
erreichte den Zenith und verschwand in Form von Bändern oder Draperien in
W oder NW in einer Höhe von ca 15—20° über dem Horizont.
Das Maximum der Nordlichte fiel mit den Wintersolstitien zusammen.
Mehrfache Bestimmungen der Parallazxe in den Monaten Oktober und
Dezember ergaben, dafs die unteren Grenzen der Nordlichte viel niedriger sein
können, als gewöhnlich angenommen wird. Anzeichen sprechen dafür, dafs die
Erscheinung unterhalb der Wolken auftreten kann. Mehrfach wurden Nebel
beobachtet, welche selbstleuchtend zu sein schienen,
Auf die Magnetnadel hatten die schwachen und ruhigen Nordlichte im
allgemeinen keinen bemerkenswerthen Einüufßs; starke Oscillationen traten aber
auf, sobald die Stärke des Nordlichtes eine bedeutende war, das Aufflammen
wie das Verlöschen schnell vor sich ging, sowie bei sehr veränderlicher Licht-
stärke und namentlich bei auftretendem Blitzen des Lichts.
3. Atmosphärische Elektrieität.
Die Untersuchungen lieferten das sehr überraschende Resultat, dafs die
atmosphärische Elektricität im Winter sehr reichlich, im Sommer nur sehr
schwach war. Eine tägliche Periode war wegen der ungünstigen meteoro-
logischen Verhältnisse, der häufigen Nebel im Sommer und steter starker
Bewölkung nicht abzuleiten. Einen besondern Zusammenhang zwischen dem
Nordlicht und dem elektrischen Zustand der Luft konnte man nicht feststellen.
4. Meteorologische Verhältnisse.
Nachstehende Tabelle giebt die Zusammenstellung der Resultate von den
Beobachtungen der meteorologischen Elemente.