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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Reiseberichte der deutschen Bark „Speculant“. 
Schiffe, die in Ballast frachtsuchend oder für Order nach Madras kommen, 
sollten in 18 bis 21m (10 bis 11,5 Fad.) und nicht auf dem gewöhnlichen, 
in den Segelhandbüchern empfohlenen Platz in 16 bis 18m (9 bis 10 Fad.) 
Tiefe ankern, weil sie dann, wenn sie nicht am Platze bleiben, die Hafen- 
unkosten sparen. Die Tonne Ballast zu löschen kostet hier 2 Rupees. Um 
diese Kosten. zu vermeiden, empfiehlt es sich, Morgens mit dem SSW- Winde 
weiter hinaus bis auf 22m (12 Fad.) Tiefe zu segeln und dort den Ballast über 
Bord zu werfen. Bei dem am Tage herrschenden SSE-Winde kann man leicht 
seinen Ankerplatz wieder erreichen. Um zu löschen oder zu laden, darf man 
seinen Ankerplatz nicht aufserhalb der 16m- (9 Fad.) Linie nehmen, weil man 
sonst die doppelte Bootheuer zu zahlen hat,') eine Uebertaxe, die allein das 
Schiff zu tragen hätte, selbst dann, wenn der Ablader verpflichtet ist, die Waaren 
frei längsseits zu liefern. Der Rohzucker, der hier verschifft wird, ist sehr 
feucht und soll auf einer Reise nach Europa 25 bis 30 °/o an Gewicht verlieren. 
Nicht dringend genug sind die Schiffsführer darauf hinzuweisen, dafs sie 
beim Versegeln von einem südlichen nach einem nördlichen Hafen an der 
Koromandel- oder Orissa-Küste während des SW-Monsuns den längs der Küste 
nach Nord setzenden Strom gehörig beachten. Im Falle, dafs irgend welche 
Unsicherheit in der Kenntnifs des Schiffsortes vorliegt, oder der Bestimmungs- 
hafen nicht mehr vor Dunkelwerden zu erreichen ist, ist es das Beste, dafs man 
sich der Küste nähert, unter derselben auf 22m (12 Fad.) Tiefe ankert und 
wartet, bis man eine gute Ortsbestimmung erhalten hat; es sei denn, dafs durch 
genaue Peilungen von Landobjekten die noch zu segelnde Distanz mit Sicherheit 
festgestellt werden kann oder das Verhalten des Barometers und schlechte 
Witterungsanzeichen vom Ankern abrathen. Im allgemeinen sind die Rheden 
dieser Küste nicht besser geschützt, als irgend ein beliebiger Aukerplatz unter 
derselben, und ein Schiff setzt sich auf letzterem keiner größfseren Gefahr aus, 
als wenn es auf seinem Bestimmungsplatze vor Anker liegt, Hier wie dort 
ist es gezwungen, bei Anzeichen. eines herannahenden Sturmes nach See zu 
Aüchten. 
Will man möglichst wenig Zeit verlieren, was doch das Bestreben eines 
jeden Schiffsführers ist, so folge man dem obigen Rathschlage, der auch mir 
von hier ansässigen erfahrenen Leuten dringend anempfohlen wurde. Ist ein 
Schiff einmal bei seinem Bestimmungsplatze vorbei gesegelt oder getrieben, SO 
hält es schwer, denselben zu erreichen, und für ein schlecht segelndes Schiff 
ist dieses nahezu unmöglich. Aufserdem werden in einem solchen Falle Schiff 
und Takelwerk stark abgenutzt, da wegen des Stromes und der hohen südwest- 
lichen See Segel zu pressen ein dringendes Gebot wird. Ich hatte von diesen 
nachtheiligen Folgen selbst einen genügenden Beweis auf meiner Reise von 
Madras nach Calingapatam. Wir wurden ebenfalls bei dem Bestimmungsplatze 
vorbei getrieben und benöthigten infolge dessen zu dieser Reise 17 Tage. 
) S. Findlay: „Indian Ocean Directory“, paz. (051.
	        
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