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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Reiseberichte der deutschen Bark „Annie“, 
und, wenn in Ballast einkommend, für einen Erlaubnifsschein des Hafenmeisters, 
den Ballast auf dem Ankerplatz über Bord werfen zu dürfen, giebt es keine 
Auslagen. Lotsen sind weder vorhanden noch nothwendig. 
Die Stadt Huacho, welche sehr weitläufig gebaut ist, soll an 10 000 Ein- 
wohner. haben. Die meist einstöckigen Häuser sind aus Lehm (Adobe) oder 
aus Ziegeln erbaut, die‘ an der Sonne getrocknet sind. Die Strafsen sind 
schlecht, und wenn der Wind längs einer ungepflasterten. weht, wirbelt er den 
leichten trockenen Sand derart auf, dafs man Mühe hat, die Augen offen zu 
halten. An jedem Tage wird Markt abgehalten. Derselbe dauert von Morgens 
bis Mittags, und. sind daselbst Fleisch, Geflügel, Fische, Kartoffeln, Bohnen etc. 
zu mittelmäfsigen Preisen zu haben. Der Weg vom Ladungsplatz bis zur 
Stadt nimmt ungefähr 20 Minuten in Anspruch, Es ist vor Zeiten der Anfang 
zur Herstellung einer Anlegebrücke für Boote und kleinere. Fahrzeuge gemacht 
worden, aber die Arbeit .ist jetzt wieder ziemlich in Verfall gerathen. . 
Die Bai ist sehr fischreich, auch halten sich viele Seelöwen in derselben 
auf, Die Gegend weiter landeinwärts ist schön und fruchtbar. 
Am 22, November lichteten wir um 6 Uhr Abends den Anker und ver- 
liefsen die Rhede von Huacho, um nach Arica zu segeln. Um 7 Uhr peilte 
Huacho mw. NOzO 4 Sm entfernt. Am 20. Dezember, nach einer Reise von 
28 Tagen, ankerten wir um 7 Uhr 45 Minuten Abends auf der Rhede von Arica. 
Seitdem Arica in den Besitz der Chilenen gelangt ist, sind die Unkosten 
für ein Schiff daselbst viel höher geworden, als sie früher gewesen sind; 
denn es ist jetzt stets das volle Tonnengeld zu entrichten, gleichviel ob das 
Schiff von einem peruanischen Hafen oder einem chilenischen kommt. Im ersten 
Falle wird Arica als zu Chile, im letzten Falle als zu Peru gehörend betrachtet. 
Eine sehr gute Idee, die den Chilenen viel Geld einbringt. 
Der Hafenmeister allein hat das Recht, den Schiffen Ballast zu liefern, 
welcher die spanische Tonne 3 Doll. (Silber) kostet, wobei noch zu bemerken 
ist, dafs man gewöhnlich ein zu geringes Mafs erhält. Deshalb sollten Schiffs- 
führer, die einen Theil ihrer Ladung in Valparaiso oder einem anderen Hafen 
an der Küste gelöscht, den Rest derselben nach Arica zu bringen und von dort 
in Ballast zu versegeln haben, unter allen Umständen und wenn irgend Raum 
dafür au Bord ist, ihren Ballast von den erstgenannten Häfen mitnehmen. 
Lotsgeld mul stets entrichtet werden, auch wenn das Schiff nicht die 
Hülfe eines Lotsen gehabt hat. Auch wir benutzten keinen solchen zur Ein- 
segelung. Der in Arica angestellte chilenische Lotse scheint vorher keine 
Lotsendienste verrichtet zu haben, 
Für das Ein- und Ausklariren berechnet sich der Konsignatär aufser der 
etwa in der Chartepartie festgesetzten Kommission 50 bis 75 Doll. (Silber), 
selbst dann, wenn ausdrücklich in der Chartepartie steht, dafs er alle derartige 
Schiffsgeschäfte umsonst zu verrichten hat. Klagen gegen diese Ungerechtigkeit 
fruchten nichts, denn der Konsignatär beruft sich einfach darauf, dals es so 
Usance am Platze sei, 
Am 24. Januar 1883 lichteten wir gegen 2 Uhr Nachmittags unsern Anker 
und gingen nach Corinto (Nicaragua) unter Segel. Am 20. Februar, nach einer 
Reise von 27 Tagen, peilte um 12 Uhr Mittags der Leuchtthurm auf Cardon- 
Insel mw. NO, 11 Sm entfernt. Wir steuerten auf die Insel zu und erhielten, 
Ya Sm von derselben entfernt, einen Lotsen. Ungefähr um 3 Uhr Nachmittags 
ankerten wir auf der Rhede von Corinto in 12,6m (7 Fad.) Tiefe. Bei meiner 
Ankunft in Corinto fand ich daselbst ein französisches Vollschiff und eine 
italienische Bark. Die letztere, welche an demselben Tage, nur etwas früher 
als wir, angekommen war, hatte drei Tage aufserhalb Corinto vor Anker ge- 
legen, weil in diesen Tagen ein Papagayo wehte, der die Seebriese nicht auf- 
kommen lief. Bis zum 17. März kamen noch vier Schiffe — Italiener und 
Franzosen — ein.’ Am 15. März erhielt ich Order, nach Tamarindo — einem 
Ort 30 Sm südöstlich von Corinto — zu segeln, um dort den Rest der Ladung 
(Gelbholz) einzunehmen, 
Es herrscht jetzt in Corinto seitens der Ablader vielfach der Gebrauch 
oder eigentlich Mifsbrauch, dem Schiffsführer, welcher laut Chartepartie in Corinto 
und einem anderen Platz an der Westküste von Nicaragua zu laden hat, die 
Wahl zu lassen, ob er je nach der Gröfse des Schiffes 200 bis 400 Doll. von 
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