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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Die Katastrophe in der Sunda-Strafse. 
An der abgebrochenen Seite ist die Bergwand muschelförmig ausgehöhlt, 
so dafs am Fufse eine kleine Bucht gebildet worden ist. Mit dem Schiffe da- 
selbst umher treibend, war der Eindruck, welchen der Anblick dieses entsetz- 
lichen Vernichtungswerkes erweckte, so düster und gewaltig, dafs er von keinem 
der darauf Befindlichen jemals vergessen werden wird, 
Der gesammte Zustand hinterläfßst den Eindruck, als ob der übrig- 
gebliebene Theil von Krakatau, als der schwerste und stärkste Theil der 
Kraterwand, Dienste als Stofsboden einer Kanone damals gethan hätte, als die 
niedrigere und schwächere Kraterwand einfiel. Wahrscheinlich entstanden die 
heftigen Explosionen, welche im Abstande von mehr als 400 Sm deutlich gehört 
wurden, durch die infolge des zuströmenden Seewassers verursachte mächtige 
Dampfbildung. Die ausgeworfenen Massen wurden besonders im Norden wieder 
aufgefunden, derweil südlich von Krakataw keine Veränderungen in den Tiefen 
bemerkbar sind. Grundbewegungen, welche eine bleibende Veränderung dar- 
stellen, scheinen hier nicht stattgefunden zu haben, denn rings um den Ver- 
breitungskegel werden überall dieselben Tiefen wie früher gefunden,') und die 
Fluthwellen, welche die Küste von Bantam und Sumatra 80 furchtbar zugerichtet 
haben, sind wahrscheinlich die Folgen von der durch das Versinken der Krater- 
wand verursachten enormen Wasserversetzung.“ 
Ferner glaubt der Kommandant, dafs die Wasserschicht von so be- 
deutender Höhe, welche jetzt über dem früheren Krater gefunden wird, das 
Schreckensbild einer sich wiederholenden Eruption für die nächste Zeit ganz 
verschwinden läfst. 
Die ganze Insel Sebesie ist sowohl an der Nord-, als auch an der Süd- 
seite ganz mit einer geborstenen Schicht der ausgeworfenen Stoffe bedeckt. 
Doch scheint hier die Bedeckung schon dünner zu sein, denn hier und da 
sieht man die Stümpfe der abgestorbenen Baumstämme aus der Kruste hervor- 
ragen. Seboekoe gewährt ein erschreckliches Bild der Verwüstung. Die Ver- 
nichtung alles Lebenden ist hier nicht so vollkommen gewesen, als auf den 
mehr südlich gelegenen Inseln, aber der Anblick dieser kahlen Aschfelder, ab- 
wechselnd mit vernichtetem Gebüsch, in welchem alle Bäume abgestorben und 
entwurzelt in der gröfsten Unordnung durcheinander geworfen sind, giebt noch 
ein deutlicheres Bild von den zerstörenden Kräften, welche hier wirksam ge- 
wesen sind. Erst auf den Gipfeln der Tiega-Inseln konnte das Auge wieder an 
lebendigem Grün sich erquicken. 
Sobald bemerkt wurde, dafs die Veränderungen zwischen Sebesie, See-Klippe 
und der Lang-Insel für die Schiffahrt von dem meisten Belang waren, wurde 
auch dieses Gebiet sehr genau untersucht und abgelothet, um die Grenzen, in 
welchen Gefahren zu vermuthen sind, angeben zu können. Die aufgenommenen 
Karten ergeben, dafs dies Gebiet als vorläufig gefährlich für die Schiffahrt be- 
trachtet und von einem Befahren abgerathen werden mufs,. 
Die Untersuchung aufserhalb der gefundenen Gefahrgrenzen wurde soweit 
ausgedehnt, bis die Sicherheit, außerhalb des Gebiets der Veränderungen zu 
sein, erlangt wurde. Die Zahl der Lothungen, welche in größeren Tiefen zu 
erlangen immer mit gröfserem Zeitaufwand verbunden ist, ist dort denn auch 
geringer, doch in Anbetracht dessen, dafs das Wetter meistentheils schön und 
ruhig war, konnte mit einem vor dem Bug hinabgefierten Anker gedampft 
werden, so dafs hierdurch die Sicherheit erlangt wurde, auf den zurückgelegten 
Kursen nicht über gefährliche Untiefen hinweggegangen zu sein. Dasselbo 
Hülfsmittel wurde auch beim Suchen nach der Hoedekenskerk-Klippe angewandt, 
was zwei Tage ohne Erfolg geschah. Mehr Zeit glaubte der Kommandant, in 
Anbetracht der ihm gestellten Aufgaben, nicht auf das Auffinden dieser Klippe 
verwenden zu dürfen. Ueberdies wäre es doch nur als ein glücklicher Zufall 
anzusehen gewesen, eine Klippe von so zweifelhafter Existenz, die — wenn 
überhaupt vorhanden — doch nur sehr klein sein wird, in Eile zu entdecken. 
Zuweilen sind 10 bis 14 Tage gründlichster Untersuchung erforderlich, um zu 
zinem sicheren Urtheil über das Vorhandensein einer gefährlichen Stelle zu 
gelangen. Als die Aufnahme der Veränderungen in der Nähe von Krakataru 
1) Kann sich nur auf die Gegend südlich von Krakataw beziehen, da ja nördlich eine 
mächtige Bodenbewegung stattfand.
	        
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