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Die Katastrophe in der Sunda-Strafse.
gehabt haben soll. Sie warf eine Anzahl von Prauen und kleinen Fahrzeugen
auf Land, that jedoch sonst den Schiffen wenig Schaden. Diese Welle war
dieselbe, welche am 27, früh die Westküste Java’s verheert hatte. Nach eng-
lischen Berichten sollen die Detonationen auf den Andamanen und in Indien
gehört worden sein, eine Nachricht, welche wohl noch der Bestätigung bedarf.
Die Höhe, in welche der Staub in die Luft getragen wurde, ist schwer fest-
zustellen. Prof. von Lasaulx in Bonn meint, dafs intensive vulkanische Aschen-
ausbrüche nahezu 10000 m, also höher emporzusteigen vermögen, als die höchsten
Berggipfel auf der Erde. Prof. Reiss hat selbst Messungen gemacht, welche bei
ähnlicher Erscheinung nur Höhen von 4000m ergaben. Standen die Dämmerungs-
erscheinungen — auf welche wir noch zurückkommen — mit der vulkanischen
Thätigkeit in Verbindung, so mufs die Höhe jedenfalls eine aufserordentlich
beträchtliche gewesen sein. Aufserdem aber müssen die Aschentheile von so
aufserordentlicher Leichtigkeit sein, dafs sie sich im Luftmeere, so zu sagen
schwimmend, um die ganze Erde fortbewegen konnten.
Die Veränderungen in den Tiefenverhältnissen sind für die Schiffahrt in
der Sunda-Strafse von grofser Bedeutung. Kartographisch dargestellt sind sie
bereits in der dem Heft II der Annalen beigegebenen Karte.
Zur weiteren Erläuterung entnehmen wir dem Oofficiellen Bericht des
Kommandanten des Niederländischen Vermessungsfahrzeuges „Hydrograaf“,
Lieut. z, See I. Kl. van Doorn, noch Folgendes:
„Der „Hydrograaf“ verliefßs am 25. September die Rhede von Batavia
und ankerte Abends bei der Insel Merak. Aw folgenden Tage wurden für die
in der Durchfahrt zwischen Java und Krakatau auszuführenden Vermessungen
auf sich gut kennzeichnenden Bergspitzen der Küste von Java Baken errichtet
und ihre Lage bestimmt. Die Lothungen ergaben, dafs die Tiefen ostwärts von
der See-Klippe und nördlich von Verlaten- und Lang-Insel bedeutend vermindert
sind. Dagegen wurden zwischen Krakatau und der letzteren Insel überraschend
grofse Tiefen gefunden. Die Aufräumung ist dort vollkommen gewesen. Nicht
ein seichtes Fahrwasser, wie man erwartet, wurde vorgefunden, ja selbst von übrig
gebliebenen Bruchstücken, welche unter Wasser der Schiffahrt gefährlich werden
könnten, zeigte sich nirgends eine Spur. An einzelnen Stellen wurde sogar
mit der Lothleine der Grund nicht erreicht. Gegenüber der Bucht an der
gegenwärtigen Nordküste von Krakatau, wo sich der Berg jetzt mit einer ab-
gerissenen Wand nahezu lothrecht aus der See erhebt, konnte mit einer Leine
von 200 Faden noch kein Grund erreicht werden, und da sich an Bord keine
Accumulatoren und sonstige Vorrichtungen für Tiefseelothungen befanden und
die Leine in Gefahr war, zu brechen, mulste es aufgegeben werden, die gröfste
Tiefe fostzustellen.
Da dies in der That von mehr Belang für die Wissenschaft als von
direktem Interesse für die Schiffahrt ist, durfte für das zeitraubende Werk
nicht zuviel Aufenthalt verwendet werden, Nach einer vorläufigen Untersuchung
mit der Dampfbarkafs wurde mit dem Schiff zwischen Krakatau, Lang-Insel und
Verlaten-Insel einige Male langsam auf- und abgedampft, wobei der schwere
Anker mit 20m Kette aus der Klüse unter den Bug abgefiert war. Von Zeit
zu Zeit wurde die Maschine gestoppt und gelothet. Nicht die Spur einer
Untiefe wurde hierbei entdeckt. Demnach erscheint das Fahrwasser nordwärts
von Krakataw und südwärts von Lang-Insel und Verlaten-Insel für die Folge
für diejenigen Dampfer der angezeigte Weg, welche wie früher zur Abkürzung
ihrer Reisen das Fahrwasser zwischen Krakatau und Sebesie benutzen wollen.
Nicht weniger merkwürdig sind die Veränderungen weiter nach Norden.
Die Untersuchung des Meeresbodens nahe am Fuße des abgerissenen Berges
läfst erkennen, dafs man sich über einem Krater befindet, welcher durch die
See gelöscht ist, weiter nach Norden aber wird es deutlich, dafs die Ver-
änderungen den ausgeworfenen und weggeschleuderten Stoffen ihr Entstehen zu
verdanken haben. Die Tiefen sind hier so ungleich und so schnell wechselnd,
dafs man von 6m plötzlich 30m und mehr lothet. Das Loth bringt hierbei fast
immer schwarzen Sand oder verkohlten Grus mit heraus aus der Tiefe. Zuweilen
ist dieser Grund auch vermischt mit feinem Bimsstein oder schwarzen ab-
gerundeten Steinen, welche sich augenscheinlich in geschmolzenem und glühendem
Zustande befunden haben. Die neu entstandenen Inseln, welche sehr niedrig sind