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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

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Die Katastrophe in der Sunda-Strafse. 
gehabt haben soll. Sie warf eine Anzahl von Prauen und kleinen Fahrzeugen 
auf Land, that jedoch sonst den Schiffen wenig Schaden. Diese Welle war 
dieselbe, welche am 27, früh die Westküste Java’s verheert hatte. Nach eng- 
lischen Berichten sollen die Detonationen auf den Andamanen und in Indien 
gehört worden sein, eine Nachricht, welche wohl noch der Bestätigung bedarf. 
Die Höhe, in welche der Staub in die Luft getragen wurde, ist schwer fest- 
zustellen. Prof. von Lasaulx in Bonn meint, dafs intensive vulkanische Aschen- 
ausbrüche nahezu 10000 m, also höher emporzusteigen vermögen, als die höchsten 
Berggipfel auf der Erde. Prof. Reiss hat selbst Messungen gemacht, welche bei 
ähnlicher Erscheinung nur Höhen von 4000m ergaben. Standen die Dämmerungs- 
erscheinungen — auf welche wir noch zurückkommen — mit der vulkanischen 
Thätigkeit in Verbindung, so mufs die Höhe jedenfalls eine aufserordentlich 
beträchtliche gewesen sein. Aufserdem aber müssen die Aschentheile von so 
aufserordentlicher Leichtigkeit sein, dafs sie sich im Luftmeere, so zu sagen 
schwimmend, um die ganze Erde fortbewegen konnten. 
Die Veränderungen in den Tiefenverhältnissen sind für die Schiffahrt in 
der Sunda-Strafse von grofser Bedeutung. Kartographisch dargestellt sind sie 
bereits in der dem Heft II der Annalen beigegebenen Karte. 
Zur weiteren Erläuterung entnehmen wir dem Oofficiellen Bericht des 
Kommandanten des Niederländischen Vermessungsfahrzeuges „Hydrograaf“, 
Lieut. z, See I. Kl. van Doorn, noch Folgendes: 
„Der „Hydrograaf“ verliefßs am 25. September die Rhede von Batavia 
und ankerte Abends bei der Insel Merak. Aw folgenden Tage wurden für die 
in der Durchfahrt zwischen Java und Krakatau auszuführenden Vermessungen 
auf sich gut kennzeichnenden Bergspitzen der Küste von Java Baken errichtet 
und ihre Lage bestimmt. Die Lothungen ergaben, dafs die Tiefen ostwärts von 
der See-Klippe und nördlich von Verlaten- und Lang-Insel bedeutend vermindert 
sind. Dagegen wurden zwischen Krakatau und der letzteren Insel überraschend 
grofse Tiefen gefunden. Die Aufräumung ist dort vollkommen gewesen. Nicht 
ein seichtes Fahrwasser, wie man erwartet, wurde vorgefunden, ja selbst von übrig 
gebliebenen Bruchstücken, welche unter Wasser der Schiffahrt gefährlich werden 
könnten, zeigte sich nirgends eine Spur. An einzelnen Stellen wurde sogar 
mit der Lothleine der Grund nicht erreicht. Gegenüber der Bucht an der 
gegenwärtigen Nordküste von Krakatau, wo sich der Berg jetzt mit einer ab- 
gerissenen Wand nahezu lothrecht aus der See erhebt, konnte mit einer Leine 
von 200 Faden noch kein Grund erreicht werden, und da sich an Bord keine 
Accumulatoren und sonstige Vorrichtungen für Tiefseelothungen befanden und 
die Leine in Gefahr war, zu brechen, mulste es aufgegeben werden, die gröfste 
Tiefe fostzustellen. 
Da dies in der That von mehr Belang für die Wissenschaft als von 
direktem Interesse für die Schiffahrt ist, durfte für das zeitraubende Werk 
nicht zuviel Aufenthalt verwendet werden, Nach einer vorläufigen Untersuchung 
mit der Dampfbarkafs wurde mit dem Schiff zwischen Krakatau, Lang-Insel und 
Verlaten-Insel einige Male langsam auf- und abgedampft, wobei der schwere 
Anker mit 20m Kette aus der Klüse unter den Bug abgefiert war. Von Zeit 
zu Zeit wurde die Maschine gestoppt und gelothet. Nicht die Spur einer 
Untiefe wurde hierbei entdeckt. Demnach erscheint das Fahrwasser nordwärts 
von Krakataw und südwärts von Lang-Insel und Verlaten-Insel für die Folge 
für diejenigen Dampfer der angezeigte Weg, welche wie früher zur Abkürzung 
ihrer Reisen das Fahrwasser zwischen Krakatau und Sebesie benutzen wollen. 
Nicht weniger merkwürdig sind die Veränderungen weiter nach Norden. 
Die Untersuchung des Meeresbodens nahe am Fuße des abgerissenen Berges 
läfst erkennen, dafs man sich über einem Krater befindet, welcher durch die 
See gelöscht ist, weiter nach Norden aber wird es deutlich, dafs die Ver- 
änderungen den ausgeworfenen und weggeschleuderten Stoffen ihr Entstehen zu 
verdanken haben. Die Tiefen sind hier so ungleich und so schnell wechselnd, 
dafs man von 6m plötzlich 30m und mehr lothet. Das Loth bringt hierbei fast 
immer schwarzen Sand oder verkohlten Grus mit heraus aus der Tiefe. Zuweilen 
ist dieser Grund auch vermischt mit feinem Bimsstein oder schwarzen ab- 
gerundeten Steinen, welche sich augenscheinlich in geschmolzenem und glühendem 
Zustande befunden haben. Die neu entstandenen Inseln, welche sehr niedrig sind
	        
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