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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Die Katastrophe in der Sunda-Strafse. 
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steinmassen können sehr wohl von der Sunda-Strafse aus mit dem Winde und 
der Strömung in die Gegend gebracht worden sein, in welcher sie angetroffen 
wurden. Auch die grofsen Mengen, in welchen sie aufgetreten sein sollen, 
scheinen uns um 80 weniger ein Beweis vom Gegentheil zu sein, als der Beob- 
achter sich leicht bei der Schätzung täuschen kann. Immerhin ist die Frage 
noch eine offene. Die Ansicht des Herrn Forbes erhält jedoch dadurch eine 
gewisse Unterstützung, dafs das 600 Sm westlich von der Sunda-Strafse liegende 
Keeling-Atoll nach Darwin ein Centrum vulkanischer Störungen sein soll. Das 
Vorkommen von Bimsstein auf hoher See —.oft in aufserordentlich grofsen 
Mengen. — ist eine schon lange von Seeleuten beobachtete Thatsache, welche 
jedoch unseres Wissens bisher immer auf vulkanische Eruptionen am Lande 
zurückgeführt werden konnte. Nicht allein im Indischen Ocean, sondern auch 
in der Südsee ist viel Bimsstein angetroffen. Oft war das Auftreten mit einer 
milchartigen Färbung des Wassers, welche sich über grofse Strecken ausbreitete, 
verbunden, so dafs man fürchtete, plötzlich auf seichte Stellen gekommen zu 
sein und das Loth warf. 
In dieser Zeitschrift ist eine Reihe älterer Mittheilungen über das Vor- 
kommen von Bimsstein veröffentlicht. Neuerdings, nach der letzten Eruption 
auf Krakatau, hat auch S.M.S. „Stein“ in grofser Entfernung von Land Bims- 
steinmassen passirt, worüber der Kommandant, Kapt. z. See von Nostitz, wie 
folgt, berichtet: „Am 19. Oktober Vormittags von 9 Uhr ab, in etwa 12° S-Br 
und 102° 35‘ O-Lg, wurden in der Richtung des Windes laufende gelbliche 
Streifen auf dem Wasser bemerkt, die allmählich beim Segeln nach Norden an 
Ausdehnung zunahmen und sich als Massen von Bimsstein erwiesen, welche 
jedoch schon längere Zeit im Wasser gawesen sein mulfsten, was daraus ge- 
schlossen wurde, dafs die gefischten Stücke bereits mit grofsen Mengen von 
Muschelkrebsen, Polypenstämmen u. &. bedeckt waren. Aehnliche . Massen 
wurden in den folgenden Tagen bis in die Java-See hinein angetroffen... Oft 
schien der ganze Horizont rings herum mit gelben Massen bedeckt. Eine be- 
sonders grofse Menge, ein Streifen von etwa 300m Breite, in der Richtung von 
0SO nach WNW sich erstreckend, so weit das Auge reichte, wurde am 20. Ok- 
tober Nachmittags in 8° S-Br und 104° O-Lg passirt. In demselben schwammen 
unter Anderem mächtige Baumstämme, so dafs, um einer Verletzung der Schraube 
durch diese vorzubeugen, die Maschine während des Durchlaufens gestoppt 
werden mufste.“ 
Kapt. z. See von Nostitz schreibt dies Vorkommen des Bimssteins, wie 
dies im letzteren Falle nach der Lage des Fundortes und durch die schwimmen- 
den Baumstämme auch wohl zweifellos erscheint, den vulkanischen Eruptionen 
von Krakatau zu. 
Während der Hauptkatastrophe. Wenn auch von weiterer Thätigkeit 
des Vulkans in den Monaten Juni und Juli wenig berichtet wird, so geht aus 
einzelnen Berichten hervor, dafs die Thätigkeit keineswegs ganz geruht hat. 
Dieser Umstand scheint zur Erklärung der Aufschüttungen von besonderer 
Wichtigkeit. Freilich sind unterseeische Veränderungen vor der Untersuchung 
des „Hydrograaf“ nicht festgestellt worden, indessen schlie[st dies noch keines- 
wegs aus, dafs sie nicht stattgefunden haben. Die passirenden Schiffe wählten 
bisher gewöhnlich die Passage südlich von Krakatau, und diejenigen, welche 
zwischen Krakatau und Sebesie in der Zeit zwischen dem ersten Ausbruch und 
der Hauptkatastrophe etwa hindurch gingen, fanden vermuthlich wenig Veran- 
Jassung, das Loth zu werfen, weil die Peilungen der nahe liegenden Inseln 
Zweifel über die Richtigkeit ihrer Position nicht aufkommen liefsen, . . 
Am 26. August scheint sich die Hauptkatastrophe durch das Auswerfen 
ungeheurer Aschenmengen unter donnerähnlichen Explosionen eingeleitet zu 
haben. Der Aschenfall in der Nähe des Eruptionsortes — zeitweise von 
Gewitter und elektrischen Entladungen begleitet — war nach Schiffsberichten 
mit gröfseren heifßsen Bimssteinstücken gemischt. Die ersten Detonationen 
wurden um 4 Uhr Nachmittags in Batavia gehört, sie wurden zur Nacht 
stärker und werden‘ für den folgenden Morgen -als betäubend bezeichnet. 
Der Aschenfall begann um 7 Uhr Morgens und hüllte die Stadt gegen 
Mittag in schwarze Dunkelheit ein. Um diese Zeit traf auch die erste Fluth- 
welle Batavia, welche nach den ersten Berichten eine Höhe von etwa dm
	        
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