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Die Katastrophe in der Sunda-Strafße,
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Die Katastrophe in der Sunda-Stralse.
(Mit einer Karte, Tafel 5.)
Abgesehen von dem wissenschaftlichen, namentlich geographischen und
geologischen Interesse, mit welchem der Ausbruch des Vulkans der Insel
Krakatau seit Monaten die ganze gebildete Welt erfüllte, hat derselbe für die
Leser dieses Blattes, welches in erster Reihe den nautischen Interessen dient,
auch eine ganz reale Bedeutung. Denn nicht nur hat sich die Gestalt einiger
in einer der wichtigsten Verkehrsstraßen der Schiffahrt gelegenen, als Seemarken
dienenden Inseln von Grund aus verändert, sondern es haben sich neue Inseln
dort gebildet, ein zur Erlangung von Erfrischungen und Nachrichtgebung häufig
angelaufener Platz ist verschwunden, die Tiefenverhältnisse eines Theiles der
Strafse sind andere geworden, und das Meer, wie die Atmosphäre, denen der
Seemann jederzeit die vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden hat, wurden durch
die Katastrophe in eigenthümlicher Art in Mitleidenschaft gezogen.
Unter solchen Umständen ist eine möglichst genaue Kenntnifs des Vor-
ganges, seiner begleitenden Erscheinungen und Folgen für den Seefahrer von
grofsem Werth. Zur Zeit reicht indefs das Material noch nicht aus, um ein
erschöpfendes Bild alles dessen zu geben und den ursächlichen Zusammenhang
der einzelnen Erscheinungen so präcise festzustellen, um daraus dauernden Vor-
theil für die nautisch-physikalischen Wissenszweige zu ziehen. Es verfolgt
daher die nachfolgend gegebene Uebersicht der Vorgänge gleichzeitig den
Zweck, Anregung zu geben für die weitere Zusammentragung von Material
durch den Seemannsstand, denn wie ein grofser Theil der Beobachtungen, auf
welche sich unsere heutige Kenntnifs der Katastrophe aufbaut, den Seeleuten
zu danken ist, so läfst sich annehmen, dafs noch vielerseits von denselben
Wahrnehmungen gemacht worden sind, über die nichts in die Oeffentlichkeit
gelangte, wie denn auch nachträgliche Beobachtungen, z. B. über die Richtung,
welche die treibenden Bimssteinfelder genommen haben, von Bedeutung sind.
Im Folgenden sollen die Vorgänge, soweit sie zur Zeit bekannt, registrirt
und einige Bemerkungen daran geknüpft werden, und zwar je nachdem sie der
Hauptkatastrophe vorangingen, diese begleiteten oder derselben folgten bezw.
dieselbe zur erzeugenden Ursache hatten. .
Vor der Hauptkatastrophe. Nachrichten über einen früheren. Aus-
bruch des Vulkans auf Krakatau finden sich bereits in einem, im Jahre 1694
in Utrecht erschienenen Werk „Aenmerckelijke Reysen van Elias Hesse nae en
Oost-Indien van’t jaar 1680 tot 1684“, Der Verfasser berichtet,‘) dafs er am
19. November 1681 die Insel von Cracatoww passirte, welche unbewohnt ist.
„Sie war etwa ein Jahr vorher in Eruption ausgebrochen, Die Insel ist schon
in grofsem Abstande von See aus durch den fortwährend aufsteigenden Rauch
erkennbar, Wir waren mit dem Schiff sehr dicht unter Land und konnten die
ganz versengten Bäume auf dem Gipfel des Berges sehr genau erkennen, das
Feuer jedoch nicht.“ Etwa zu derselben Zeit passirte Joh. Wilh. Vogel, im
Dienste der Holländisch-Ostindischen Gesellschaft, die Sunda-Straßse. In einem
interessanten Bericht über seine Reisen, welcher 1716 veröffentlicht wurde, sagt
er: „Am 1. Februar 1681 befanden wir uns durch die Hülfe Gottes in Front
der Sunda-Strafße, als ich zu meinem gröfsten Erstaunen sah, dafs die Insel
Cracketoww, welche auf meiner früheren Reise nach Sumatra so sehr grün und
prächtig voller Bäume erschienen war, jetzt ausgebrannt und öde vor unseren
Augen lag und aus grofsen Feuerschlünden Feuer ausspie. Auf eine Frage an
den Kapitän des Schiffes, zu welcher Zeit es ausbrach ... wurde mir gesagt,
im Mai 1680. Das Jahr vorher, als derselbe auf einer Reise nach Bengalen
begriffen war, hatte er einen grofsen Sturm zu bestehen, und etwa 10 Meilen
von der. Insel machte sich auf See ein Erdbeben fühlbar, begleitet von schreck-
lichem Donnern und Krachen, so dafs er glaubte, eine Insel oder irgend ein
i) „Proceedings of the Royal Geographical Society“, 1884, pag. 144.