1941
Reiseberichte S. M, S. „Sophie“,
Leute zur Arbeit bei der Maschine, d. b. in den Bunkern und vor den Feuern,
anzunehmen, wie dieses seitens der englischen Kriegsschiffe und der Handels-
dampfer stets geschieht. Kommt ein Schiff von Norden nach dieser Küste, so
läuft es am besten dieselbe zwischen Monrovia und Kap Palmas an, stoppt
resp. ankert hier vor einem der größeren Plätze und kann dann, ohne vorherige
Abmachung, leicht die nöthige Anzahl Leute an Bord nehmen,
Ein Schiff, welches zu obengenanntem oder irgend einem anderen Zweck
die Liberia-Küste anlaufen will, geht am sichersten, wenn es von seinem letzten
Besteck aus direkt die sich nordwestlich und westlich von Kap St. Ann
(Sherbro-Insel) weit herausstreckende Bank ansteuert und durch Lothungen
sich über seine Position vergewissert. Es ist dieses von grofser Wichtigkeit,
da auf astronomische Beobachtungen zu dieser Zeit nicht immer mit Sicherheit
zu rechnen ist; auf S. M, S. „Sophie“ konnte z. B. in den Tagen vom 17. bis
18. Februar keine Meridianbreite beobachtet werden, und ebenso waren die für
die Berechnung der Länge gemachten Beobachtungen, wegen des ungünstigen
Horizonts und der dunstigen Atmosphäre nicht gerade zuverlässig,
Die Küste von Ziberia bildet in dieser Jahreszeit eine Art Wasser-
scheide, wie diesseits bei dem zweimaligen Passiren derselben am 24./25, Janvar
und 15./18. Februar konstatirt werden konnte, Die beigefügte Zusammenstellung
(3. pag. 197) zeigt, wie starker Regen, Gewitter und auch Böen gerade nur an
diesem Theil der Küste auftraten. Eine starke Belästigung empfindet man an diesem
und dem weiteren Theil der Küste auch durch den hohen Grad der Feuchtigkeit,
zwischen 98 und 52 Procent, welcher seinen nachtheiligen Einflufs auf Inventar
und Material an Bord sehr bemerkbar macht,
Für das Anlaufen der Kroo-Küste zwischen Settra Krow und King
Wills Town bieten sich ausnahmsweise einige sehr bemerkenswerthe Punkte.
Es sind dies in erster Linie der Kroo Rock und dann ein nördlich davon an der
Küste gelegener hoher Baum bei Settra Krow. Hat man mit Hülfe dieser
Objekte die Position des Schiffes festgestellt, so ist es sehr leicht, mit Hülfe
der in der Küstenrähe liegenden Felsen das Besteck des Schiffes weiter zu
führen. Die Orte, unter hohen Palmen versteckte Negerdörfer, sind nur schwer
aufzufinden, einzig und allein nur King Wills Town, welches sich durch die be-
nachbarten Faktoreien kenntlich macht.
Es ist rathsam, 2 bis 3 Sm von der Küste entfernt zu bleiben, da noch
in der Nähe der Felsen Wassertiefen bis zu 15m gefunden werden, und da der
Strom hier sehr unregelmäfsig setzt. Für ein Schiff, welches nur an der Küste
entlang läuft, bietet die 30m-Linie hinreichende Sicherheit. Ohne astronomische
Beobachtungen ist es von hier aus ganz gut möglich, in einem sichern Abstand
von der Küste zu bleiben, wenn bei genügender Benutzung des Tieflothes die
Linie zwischen 45 und 60m gehalten wird.
Ueber die Feuer an dieser Küste, sowie nord- und südwärts, Freetown (Sierra
Leone), Monrovia, Palmas, Kap Three Points, welche theilweise als nicht zuverlässig
bezeichnet werden (Leuchtf.-Verz., 1880, Tit. VI, No. 307, 309, 310, 311) konnte
aufser der eigenen Anschauung auch noch in Erfahrung gebracht werden, dafls
bei der dunstigen und sehr wechselnden Luft auch häufig die vielen hier vor-
kommenden kleinen Feuer (Niederbrennen von Gebüsch etc.) zu Verwechselungen
mit denselben Anlafs gegeben haben.
Hat man keinen besonderen Grund, die Liberia-Küste anzulaufen, so ist
es rathsamer, bei einer Reise nach der Bucht von Benin sich weiter von der-
selben entfernt zu halten, da der Strom hier unregelmäfsig und auch im all-
gemeinen nicht so stark setzt.
Prince, in dessen Nähe die Ruinen des Kastells Grofßfs-Friedrichsburg —
jetzige Bezeichnung Fort Brandenburg, oder Old Fort B. — sich finden, ist
durch seine Lage in der Nähe des Kap Zhree Points leicht aufzufinden. Es war
dieses aufser später Freetown der einzige Ort der Küste, wo mit den Schiffs-
booten gelandet werden konnte. S.M.S. „Sophie“ ankerte „Altes Fort mw. NzO
0,8 Sm ab“. Eine merkbare Strömung wurde während des 5!/sstündigen Aufent-
haltes an diesem Platze nicht gefunden. Der Ort, nur von Negern bewohnt,
bietet sonst nichts Bemerkenswerthes.
Beim Verlassen von Prince ist es rathsam, zunächst einen südlichen
Kurs zu steuern, um von den in der Nähe des Kap Three Points liegenden