294 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1903.
die Et fortgesetzt und mit dem Neujahrstage 1902 der Royal-Sund auf Kerguelen
erreicht. ;
Im Dreiinsel-Hafen fand man die Nachricht deponiert, daß die mit dem
Dampfer „Tanglin“ über Australien hierher vorausgesandten Herren Dr. Enzens-
perger und Dr. Luyken die geplante Station 8 Sm weiter nordwestlich in der
Observatory - Bai, an einer von der britischen Venus - Expedition 1874 benutzten
Stelle, einzurichten begonnen hatten. Der Dampfer „Tanglin“ hatte die Insel
bereits am 21. Dezember wieder verlassen. In der genannten Bai verweilte die
Expedition einen vollen Monat, teils um die Station vollenden zu helfen, teils
um aus den dort an Land niedergelegten Vorräten die Ausrüstung des „Gauß“
für die bevorstehende Eisfahrt zu ergänzen. Am 31. Januar verließ die Expedition
den Hafen, für die Maschine mit einem Restbestand von 158 Tons bester Cardiff-
kohle und neuaufgefüllten 209 Tons guter neuseeländischer Westportkohle ver-
sehen; auch die von Kommerzienrat Dattan in Wladiwostok der Expedition
geschenkten, von Kamtschatka über Sydney nach Kerguelen geschafften
81 Schlittenhunde wurden an Bord genommen. Der vorhandene Dauerproviant
versprach mindestens bis zum August 1904 zu reichen; doch hatte man mit
dem zwischendurch seit der Landung auf der Possession-Insel versuchten Frisch-
proviant, den See-Elefanten und Pinguine lieferten, so gute Erfahrungen gemacht,
daß der Expeditionsleiter der Hoffnung Ausdruck gibt, auch künftighin die
antarktische Tierwelt zur Ergänzung des täglichen Tisches heranziehen zu
können. Von seinen weiteren Plänen äußert Herr v. Drygalski, daß er ver-
suchen wolle, die Heard-Inseln zu kurzer Landung anzulaufen, dann aber Kurs
auf die 1200 Seemeilen südöstlich von Kerguelen auf den Karten zu findende,
wahrscheinlich aber apokryphe Termination-Insel zu setzen und damit sein
eigentliches antarktisches Forschungsfeld zu betreten. Den Vorstoß im Februar
bezeichnet er, nach den Erfahrungen früherer Expeditionen nicht mit Unrecht,
als keineswegs zu spät. — Da inzwischen das Expeditionsschiff nicht nach
Kerguelen zurückgekehrt ist, muß man annehmen, daß es gelang, in die Eis-
region einzudringen und zu überwintern. Die nächsten Nachrichten sind daher
wohl nicht vor Februar 1904 zu erwarten. Inzwischen sind die Mitglieder der
Kerguelenstation wieder abgeholt und am 16. April d. J. in Sydney gelandet
worden; leider ist Dr. Enzensperger am 2. Februar d. J. an Beriberi auf der
Station gestorben und Dr. Werth, an derselben Krankheit leidend, in das
Hospital in Sydney aufgenommen worden; offenbar hatten sich beide irgendwie
an Krankheitskeimen infiziert, die von der chinesischen Mannschaft des Dampfers
„Tanglin“ auf der Station zurückgeblieben waren. Dr. Luyken und die beiden
der Station überwiesenen Seeleute waren bei guter Gesundheit und haben die
Heimreise angetreten.
Über die ozeanographischen Arbeiten zwischen Kapstadt und Kerguelen
erfahren wir diesmal nur wenig. Die Oberflächentemperatur war von den
Crozet-Inseln nach Osten nur zwischen 3° und 4°; normal wäre nach dem
Atlas der Seewarte im südlichen Hochsommer 6° bis 8° gewesen, und das
gleichzeitige Auftreten von Eisbergen bei Possession Island scheint darauf
hinzuweisen, daß viel antarktisches Schmelzwasser in der Westwindtrift mit-
geführt wurde — was vielleicht ein günstiges Vorzeichen für die Eisverhältnisse
in den höheren südlichen Breiten in sich schließt, insofern dort viel Treibeis
abgestoßen und damit das Vordringen erleichtert sein könnte. Erst in den
Längen von Kerguelen stieg die Temperatur der Meeresoberfläche wieder auf
° bis 6°.
An 13 Stellen wurde gelotet und auch damit wieder bemerkenswerte
Lücken unserer Kenntnis vom Bodenrelief des Ozeans ausgefüllt; an drei Stationen
gelangen auch Temperaturreihen und Schöpfzüge, deren Einzelheiten uns leider
nicht mitgeteilt, sondern für eine künftige Gelegenheit zurückgehalten werden,
wo auch Beobachtungen aus den südlicheren Meeresstrichen vorliegen würden.
Die Lotungen enthält die Tabelle auf folgender Seite.
Als ein gesichertes Ergebnis dieser Lotungen vermag Herr v. Drygalski
das Vorhandensein einer tiefen Mulde zwischen der Crozet- und Kerguelen-
schwelle zu verzeichnen, wodurch Polarwasser in die niederen Breiten des
Indischen Ozeans gelangen kann. Für die genauere Abgrenzung der Crozet-
schwelle nach Nordwesten hin reichen die vorhandenen Lotungen noch nicht aus. —