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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

aa 
Typische Witterungs-Erscheinungen. 
Die beiden obigen Sätze lassen sich zu folgendem Satze zusammenfassen: 
Die Fortpflanzung der Depressionen erfolgt annähernd in der Rich- 
tung der überwiegenden Bewegung der ganzen Luftmasse in der 
Umgebung der Depression.') 
Dieser Satz, welcher mit sehr wenigen noch nicht erklärten Ausnahmen 
als allgemein gültig angenommen werden kann, dient der Annahme zur Stütze, 
dafs die atmosphärischen Wirbel von der überwiegenden Luftströmung getragen 
werden. ‚Je stärker also diese Gesammtströmung ist, um so rascher mufs auch 
die Depression fortschreiten, eine Folgerung, welche mit den thatsächlichen 
Verhältnissen durchaus übereinstimmt. Hierin mag auch die Thatsache ihre 
Begründung finden, dafs die Theilminima, Randbildungen auf der Südseite der 
Depressionen, meistens so aufserordentlich rasch fortschreiten, indem hier untere 
and obere Strömungen fast dieselbe Richtung haben und der Gradient mit der 
Höhe stetig zunimmt. 
Betrachten wir auf unseren Wetterkarten die mittlere Luftdruckvertheilung 
in der Höhe von 2500m bei den einzelnen Zugstrafsen, so finden wir auch in 
dieser Höhe einen sehr starken Gradienten, nahezu senkrecht zur Fortpflanzungs- 
richtung der Depression; indessen ist das Minimum in dieser Höhe nicht so 
deutlich markirt, als am Boden, die Isobaren sind über dem Wirbel der unteren 
Luftschichten mehr oder weniger offen, und ein relativ schwach ausgeprägtes 
Minimum des Luftdrucks ist meistens auf der Vorderseite nach links eben noch 
zu erkennen. Würden wir Luftdruckkarten für noch gröfsere Höhen konstruiren, 
so würde für diese das Minimum nicht mehr” erkennbar sein, und über der 
Depression würden alle Isobaren offen sein. Bei mehr oder weniger rasch 
fortschreitenden Depressionen, bei welchen Temperatur und Luftdruck in den 
antersten Schichten in demselben Sinne vertheilt sind, sind wir zu der Annahme 
berechtigt, dafs die Wirbelbewegung sich nur auf die unteren Luft- 
schichten beschränkt, wobei die Axe des Wirbels nach links und, 
wie es scheint, etwas nach vorne geneigt ist, und die oberen Lmft- 
strömungen in der Umgebung des Wirbels nahezu dieselbe Richtung haben, so 
dafs diese einem grofsen mit der Depression fortschreitenden Ringe angehören, 
in welchem die in dem Depressionsgebiete aufgestiegenen Luftmassen sich nieder- 
senken. Hierfür sprechen auch die Bewegungen der Cirrus-Wolken, deren Zug- 
richtung über der Depression mit der Fortpflanzung derselben zusammenfällt, 
und die in unseren Karten für Luftdruckänderung ausgesprochene Erscheinung, 
Jafs die negativen Aenderungen durch einen meist umfangreichen unregelmäfsig 
ausgebildeten Ring von den positiven geschieden sind, welcher jedoch auf der 
Rückseite der Depression ganz nahe anliegt.?) 
Aus diesen Darlegungen dürfte die Erscheinung ihre Erklärung finden, 
dafs die oberen Wolken, welche die gleiche Zugrichtung mit der Depression 
haben, durch ihre massenhafte Entwickelung und grofse Ausdehnung so überaus 
antschieden in den Vordergrund treten, während auf der linken Seite der Bahn 
das Erscheinen der Cirrus-Wolken so spärlich und ihr Verhalten so unregel- 
mäfsig erscheint, dafs eine nur angenähert zutreffende Kennzeichnung derselben 
bis Jetzt nicht aufgestellt werden konnte. 
Der vorhin ausgesprochene Satz bietet in seinen Konsequenzen eine sehr 
wichtige Handhabe für die ausübende Witterungskunde und giebt uns Klarheit 
über viele vorher räthselhafte Erscheinungen in den Witterungsvorgängen. Auch 
die auf pag. 185 angegebenen empirisch gefundenen Thatsachen können auf 
Grundlage dieses Satzes unschwer begründet werden. 
iernach ist einleuchtend, dafs die nach Südost gerichteten, nahezu 
yarallelen Zugstrafsen III und V, hohen Luftdruck im Südwesten und eine von 
Nordost nach Südwest oder von Ost nach West am stärksten zunehmende 
Temperatur als günstigste Bedingung voraussetzen, und da diese Verhältnisse 
der kälteren Jahreszeit am meisten entsprechen, so folgt, dafs auch diese Zug- 
atrafsen in der kälteren Jahreszeit am meisten vertreten sein müssen. Auch 
5 Vgl. auch Ferrel:; „Meteorological researches“ und „Ann. d. Hydr. etc.“, 1882, Köppen: 
‚Ueber den Einflufs der Temperaturvertheilung auf die oberen Luftströmungen und auf die Fort- 
oflanzung der barometrischen Minima“. 
N Vel. Ferrel:; „Meteorological researches“,
	        
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