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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Typische Witterungs-Erscheinungen, 
Betrachten wir zunächst die Luftdruckvertheilung bei den einzelnen Zug- 
strafsen, so erhalten wir sofort folgende charakteristische Beziehung zwischen 
Luftdruckvertheilung und Fortpflanzung der Depressionen: verbinden wir auf 
unseren mittleren Luftdruckkarten durch eine Linie das Minimum des Luftdruckes 
mit dem Maximum, oder fällen wir von der Stelle des tiefsten Barometerstandes 
eine Normale auf die dichtestgedrängten Isobaren, so erfolgt die Fortpflanzung 
der Depression nahezu senkrecht zu dieser Linie. Da durch jene Isobaren auch 
die Richtung der stärksten Winde in der Umgebung der Depression gegeben 
ist, so kann man diesen Satz auch dahin aussprechen, dafs die Fortpflanzungs- 
richtung der Depressionen. durchschnittlich mit der Richtung der stärksten Winde 
zusammenfällt. 
Dieser Satz wurde schon im Jahre 1872 von Clement Ley Cr Laws 
of the winds prevailing in Western Europe. Part I) mit folgenden Worten aus- 
gesprochen: „Ausgedehnte Gebiete sehr hohen Luftdruckes verzögern, lenken ab 
oder beschleunigen die Bewegungen der Depressionen, indem jede Depression 
mit der gröfsten Leichtigkeit in die Richtung wandert, bei welcher sie den 
höchsten allgemeinen Druck auf der rechten Seite ihrer Bahn hat (auf der nörd- 
lichen Hemisphäre, auf der südlichen umgekehrt).“ Dieser Satz findet also in 
unseren mittleren Luftdruckkarten die volle auf viele Thatsachen gegründete 
Bestätigung. 
Eine zwar nicht so deutlich ausgesprochene, aber doch ganz unverkennbar 
ähnliche Beziehung finden wir zwischen der Fortpflanzungsrichtung der De- 
pressionen und der Temperaturvertheilung. Aus unseren Karten geht hervor, 
dafs die Richtung der Ortsveränderung der Depressionen mit der Richtung der 
gröfsten Temperaturzunahme einen Winkel bildet, welcher durchschnittlich zwi- 
schen 45° und 90° liegt, so dafs die höchste Temperatur rechter Hand von der 
Bahn des Minimums liegen bleibt. Im Sommer scheint dieser Winkel gröfser 
zu sein, als im Winter und ungefähr den Werth von 90° zu erreichen, so dafs 
also zu jener Jahreszeit die Depressionen nahezu parallel den Isothermen fort- 
schreiten. Eine genauere Bestimmung dieses Winkels kann erst später an der 
Hand eines reichhaltigeren Materials vorgenommen werden. 
Auch dieser Satz ist bereits 1872 in der oben erwähnten Schrift von 
Clem. Ley mit den Worten ausgesprochen worden: „Die Fortpflanzungsrichtung 
der Depressionen schwankt in Westeuropa gewöhnlich zwischen NNE und SSE 
und ist primär abhängig von der allgemeinen vorhergehenden Vertheilung der 
Temperaturen, indem jedes Depressiounsgebiet die Neigung hat, mit etwa einem 
Winkel von 45° gegen die niederen Isothermen fortzuschreiten“, 
. Nach diesen beiden Sätzen haben also die Vertheilung des Luftdruckes 
und diejenige der Wärme zu der Fortpflanzung der Depressionen nahezu dieselbe 
Beziehung, und in der That finden wir bei den Einzelfällen mit sehr seltenen 
Ausnahmen, die wir uns bis jetzt noch nicht erklären können, diese Relationen 
bestätigt, so dafs es uns auffallen mul, dal diese beiden von Clem. Ley vor 
11 Jahren ausgesprochenen Sätze, welche durch gegenwärtige Untersuchung 
ihre endgültige Bestätigung finden, bis in die neueste Zeit keine Berück- 
sichtigung fanden, 
Nach einfachen physikalischen Gesetzen nimmt bei wärmerer Luft der 
Luftdruck mit der Höhe langsamer ab, als bei kälterer, und daher werden mit 
der Höhe die Gradienten sich in der Art verändern, dafs dieselben nach der 
Seite des höheren Luftdruckes und der gröfseren Wärme immer mehr zunehmen, 
dagegen nach der Gegend des höheren Luftdruckes und der geringeren Wärme 
stetig abnehmen und nachher sich umkehren. Im ersteren Falle wird die ganze 
Luftschicht nahezu dieselbe Bewegungsrichtung zeigen (und zwar in den untersten 
Schichten mit einer Ablenkung von den Isobaren nach dem niedersten Luftdrucke 
hin, in den oberen parallel den Isobaren) mit zunehmender Geschwindigkeit 
oach oben hin; es wird also in diesem Falle in den oberen Regionen die höhere 
Wärme dieselbe Wirkung auf die Fortbewegung der Depressionen haben, wie in 
den unteren Schichten der höhere Luftdruck. Im letzteren Falle wird die Luft- 
bewegung mit der Höhe eine verzögerte sein, in einer gewissen Höhe werden 
sich die Gradienten umkehren, wird also die entgegengesetzte Windrichtung 
eintreten und nun die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zunehmen. 
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