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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Ueber Gewitter- und Hagelbildung. 
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mehr oder weniger entblöfster Fleck entsteht, an dessen Rande die Partikel in 
die Höhe zu springen suchen, Dies ist genau dieselbe Erscheinung, die. man 
häufig bei Gewittern beobachtet.!) 
Dieselbe ist auch nicht schwer zu erklären. Der in der Höhe durch sich 
kreuzende und bekämpfende Luftströme entstandene Wirbel mufs sich in die 
unteren Schichten gleichsam hineinbohren, also auf die noch ruhigen Luft- 
theile einen Druck ausüben, wodurch dieselben auseinander gedrängt werden, 
und da sie in ihrer horizontalen Verschiebung immer einen Widerstand au der 
ımgebenden Luft finden, so wird ein leichtes ringförmiges Aufsteigen die 
unausbleibliche Folge sein. Selbst-wenn die Spitze des Wirbels den Erdboden 
erreicht, so zeigt sich noch, was man besonders bei Wasserhosen beobachten 
kann, eine auswärts gehende Bewegung in parabolischem Bogen wie schräg 
aufsteigendes Springwasser. Zugleich bemerkt man dann auch die im Innern 
des Wirbels aufwärts gerichtete Bewegung, wie sie bei allen kräftig genug 
entwickelten Wirbeln stets stattfindet. Genau dieselbe Erklärung gab vor 
45 Jahren der berühmte Physiker Oersted in einer Abhandlung über Wetter- 
säulen, die in Schumacher’s Jahrbuch für 1838 erschien.?) 
) Ich verweise auf die obige Schilderung von Mohr und die dazu gehörige Anmerkung. 
Das Experiment ist ziemlich schwierig zu machen, indem es darauf ankommt, einen Wirbel in 
passender Höhe des Wassers, der nicht zu stark und nicht zu schwach ist, zu erregen. Ist er zu 
stark, so erreicht er so schnell den Boden, dafs obiges Phänomen von den sofort in die Höhe (im 
[Innern des Wirbels) steigenden Aschentheilchen verdeckt wird; ist er zu schwach, so erreicht er ent- 
weder den Boden nicht oder mit so geringer Kraft, dafs eine Bewegung nicht zu bemerken ist, 
2) Diese Abhandlung scheint wegen ihres Erscheinens in einem astronomischen Kalender, wo 
man sie weniger vermuthen konnte (ich selbst wurde erst vor kurzem auf dieselbe aufmerksam 
gemacht), : von Meteorologen wenig beachtet worden zu sein, obgleich sie dies wohl verdient hätte, 
indem schon der Name des Verfassers hinreichend für ihren Werth bürgt. Ich habe diese Abhandlung 
mit einer gewissen Genugthuung gelesen, insofern als dort eine ganze Reihe von Sätzen aufgestellt 
ist, die ich zum "Theil auf experimentellem Wege wieder gefunden ınd zur Aufstellung einer "F’heorie 
der Cyklonen benutzte und in der „Zeitschrift für Meteorologie“ veröffentlichte. Nur hat Oersted 
manches besser und ausführlicher dargestellt, als ich dies zu thun vermochte. Bei der Bedeutung 
und dem direkten Zusammenhang dieser Sätze. mit dem hier behandelten Gegenstande will ich die- 
selben in aller Kürze mittheilen. 
Die Wettersäule hebt und senkt sich abwechselnd. Der mittlere "Theil einer solchen ist 
häufig auf dem Lande undurchsichtig, wird aber durchsichtig sobald sie über einen Flufs sich fort- 
bewegt. Fast alle Beobachter, sagt der Verfasser, erwähnen dieser Kkreisförmigen Bewegung (Wirbel- 
pewegung) ausdrücklich; dagegen hat der untere Theil der Wettersäule keine kreisförmige Bewegung, 
so. lange sie nicht die Erde berührt. Viele Beobachter haben Windungen als Schraubengänge in der 
Wettersäule deutlich gesehen, und nicht selten einige davon rechts, andere links gedreht. Friedrich 
Rabe sah Stroh, Blätter und andere leichte Gegenstände in Windungen aufserhalb der Wettersäule 
hinaufsteigen. Innerhalb der Wettersäule findet eine Verdünnung der Luft in hohem Grade 
statt. Bei der Wettersäule vom 16. Juni 1775 in der Umgegend von Eu sah man kurz vor dem 
Erscheinen derselben die Wolken sich theilen und einige in der entgegengesetzten Richtung der übrigen 
sich bewegen, was auf eine darauf folgende Umdrehung hindeutet.. Ein aufmerksamer Beobachter, 
Holm, bemerkte bei einer Trombe in der Nähe Kopenhagens durch die Oeffnungen in den. unteren 
Wolkenschichten eine drehende Bewegung in den höher liegenden. Vom oberen Theile 
der Wettersäule gingen weilse Wolken aus, die eine wirbelnde Bewegung wie die Wettersäule selbst 
natten. Auch nachdem die Wettersäule nicht mehr zu sehen war, behielten die Wolken eine drehende 
Bewegung bei. Aber nicht allein die Wolken über der Wettersäule, sondern auch die übrigen in 
sinigem Abstande davon hatten eine kreisförmige Bewegung, So lange die Wettersäule noch 
nicht die Oberfläche der Erde erreicht hat, mulfs ein aufwärts gehender Strom im Innern derselben 
herrschen. Eine solche lange Säule kann durch Zuströmen von unten nicht hinlänglich ausgefüllt 
werden. Ein Theil der oberen Wolkenmasse mufs daher in den Wirbel hinab sinken. (Erscheint 
mir fraglich.) Kommt der Luftwirbel mit der Erdoberfläche gänzlich in Berührung, so müssen die 
Lufttheile durch die Centrifugalkraft auswärts geführt werden und die Zuströmungen folglich auf- 
hören, Indem die Kreisbewegung sich nach unten verbreitet,  schleudert sie infolge der Centrifugal- 
kraft Luft und feste Theile auswärts dem Umkreise zu; auf dem geraden Wege auswärts finden 
solche Theile aber einen grofsen Widerstand in der sie umgebenden Luft, so dafs sie steigen müssen, 
Dabei rufen sie rund um die eigentliche Wettersäule wieder kleinere Luftwirbel hervor.) Die in der 
Wettersäule emporsteigenden Theile erhalten durch die damit verbundene Umdrehung zugleich eine 
Schraubenbewegung. Fallende Theile, Regentropfen, Hagelkörner etc. müssen gleichfalls in Windungen 
gehen, die aber die vorher erwähnten Windungen kreuzen. Es sind daher zwei schraubenförmige 
Bewegungen, von denen die eine rechts, die andere links geht, in einer, Wettersäule gewöhnlich 
vorhanden.- 
Erstreckt sich, wie wir vermuthen, der Luftwirbel weit über die untere Wolkenmasse hinauf, 
so mufs die in den Trichter herabsinkende Luft aus kälteren Regionen die Dämpfe, welche sie auf 
ihrem Wege trifft, verdichten, und daraus grofse Tropfen oder Hagelkörner bilden. Die gefrorenen 
Theile kommen bei ‚diesen Bewegungen mit der wärmeren und feuchteren Luft bald in Berührung, 
bald aufser Berührung, wodurch Hagelkörner entstehen können, zusammengesetzt aus mannigfaltigen 
Schichten, von denen die eine die andere einschliefst, Alles dies stimmt, wie der Verfasser sagt, auf 
Aun. d. Hyar. efc., 1884, Heft I,
	        
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