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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Eingänge von meteorologischen Journalen etc, November 1883, 
Am 20. Januar umsegelte „Minna“ bei kräftigem NW-Winde das Kap 
St. John. Wie es so oft geschieht, wenn ein von Norden kommendes Schiff 
dieses Vorgebirge bei von stark abnehmendem Luftdrucke begleiteten nördlichem 
Winde umsegelt, so folgte auch nun, bald nachdem man südlich von Staaten Land 
gekommen war, eine Veränderung des gleichzeitig stürmisch werdenden Windes 
nach SW. „Minna“ konnte darauf für längere Zeit nur in sehr langsamer 
Weise nach Westen hin vorrücken. Erst am 29. Januar wurde in 58° S-Br 
der Meridian. des Kap Horn erreicht, und nicht eher als am 14. Februar gelang 
88, nach dem in 79,1° W-Lg überschrittenen Parallel von 50° Süd zurück- 
zukehren. Es waren dann 27 Tage vergangen, seit dieselbe Breite im Atlantischen 
Ocean verlassen worden war. Der Mitsegler „Mercur“ war nach 50° S-Br in 
80° W-Lg am 3. Februar und „Elze“ zu dieser Breite in 81,3°. W-Lg am 
29. Januar gekommen. Nördlich von 50° S-Br im Stillen Ocean traf „Minna“ 
zunächst schwache Westwinde an, bei denen sich nur ein langsamer Fortgang 
erzielen liefs. Nachdem der westliche Wind am 19. Februar jedoch frischer 
geworden war, veränderte sich derselbe bald nach Süd, dem Schiffe eine recht 
günstige Gelegenheit zur Förderung der Reise gewährend, Während der letzten 
drei Tage der Reise beobachtete man schwachen unbeständigen Wind, und bei 
solchem erreichte „Minna“ auch am 25. Februar die Rhede von Valparatiso. 
Es waren bis dahin 99 Tage seit der Zeit der Abfahrt von 50° N-Br verflossen. 
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20. Reise des Vegesacker Vollschiffes „Amelia“, Kapt. F. Warnecke. 
Das auf einer Reise von Hamburg nach Philadelphia begriffene Vollschiff 
„Amelia“ befand sich am 31. Juli 1883, neun Tage später, als die Klbe ver- 
lassen worden war, in -der Nähe von Lizard. Dasselbe konnte bei den in 
nächster Zeit angetroffenen schwachen Westwinden nur derart langsam vor- 
rücken, dals am 6. August der Schiffsort noch in 48° N-Br und 12,5° W-Lg 
war. Nach dieser Zeit nahm, obgleich die vorherrschende Windrichtung eine 
westliche blieb, die Reise einen etwas günstigeren Verlauf, Als „Amelia“ am 
12. August nach 47,3° N-Br in 24° W-Lg gelangt war, überstand sie dort 
einen heftigen Sturm. Derselbe begann aus SSW, veränderte sich, nachdem 
das Barometer auf 741,3ınm gesunken war, nach WNW und verlor aus dieser 
Richtung später allmählich seine Stärke. Einen zweiten ganz ähnlich verlaufenden 
Sturm beobachtete „Amelia“ am 18. August in etwa 46,5° N-Br und 37° W-Lg. 
Indem der Wind hier ebenfalls von S nach WNW drehte, erreichte das Baro- 
meter dabei einen niedrigsten Stand von 752,8mm; 24 Stunden vor dem Zeit- 
punkt dieser niedrigsten Ablesung hatte der Luftdruck 771,6mm betragen, und 
24 Stunden nach jener zeigte das Barometer wieder auf 766,4mm. Noch ein 
anderer, zwar nur kurzer, aber heftiger Sturm zog über „Amelia“ hin, als sie 
sich am 26. August in der Nähe von 47,8° N-Br und 50,6° W-Lg befand. Der 
sich dieses Mal aus Stille ganz rasch entwickelnde Sturm begann aus NE und 
endete aus N. Derselbe ging so schnell vorüber, dafs um 8 Uhr Morgens Wind 
aus SE Stärke 1 und um 8 Uhr Abends schon wieder NNW-Wind Stärke 3 
herrschte. Der Luftdruck hatte in der Zwischenzeit, um 2 Uhr Nachmittags, 
mit 745,0mm seinen niedrigsten Stand erreicht. Endlich wurde die Reise der 
„Amelia“ noch durch einen vierten, ganz ungewöhnlich heftigen Sturm beunruhigt, 
welcher das Schiff erreichte, als es sich am 30. August in der Nähe von 
43,6° N-Br und 55,5° W-Lg befand. Wie die beiden zuerst erwähnten Stürme 
begann auch dieser für kurze Zeit orkauartig wehende Sturm aus S und endete 
aus WNW. Das Barometer sank in diesem Falle bis zu einem niedrigsten 
Stande von 750,1mm. Diesen, alle Anzeichen eines tropischen Orkans besitzen- 
den Sturm, der eine ganz aufserordentlich grofse Anzahl von Schiffen zerstörte, 
und dessen Bahn sich über die ganze Breite des Oceans «verfolgen lälst, über- 
standen viele für die Seewarte arbeitende Dampfer und Segelschiffe. Nachdem 
der Sturm sich bei „Amelia“ gelegt hatte, drehte der auf ihn folgende mäfsige 
Wind durch N nach E und am nächsten Tage durch S nach W zurück, Den 
letzten Theil der Reise vollendete das Schiff schliefslich bei leichten umlaufenden 
Winden, ohne dafs sich weiter Nennenswerthes während desselben ereignete, 
Am 9. September, 41 Tage später, als der Kanal verlassen worden war, erreichte 
das Schiff die Mündung des Delaware-Flusses. Auf dem Wege zu derselben 
hatte dasselbe: 30° W-Lg in 47° N-Br am 15. August, 50° W-Lg in 48° N-Br
	        
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