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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Eingänge von meteorologischen Journalen etc, November 1883. 
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Abermals nach Singapore bestimmt, ging „Charlotte“ am 28. Juli von 
Port Louis aus in See. Sie segelte bei dem gleich angetroffenen frischen 
Passato südwärts bis zu der am 2. August in der Nähe von 29,8° S-Br und 
55,2° O-Lg gelegenen polaren Passatgrenze. Der dort für kurze Zeit schwach 
gewordene Wind veränderte sich zuerst nach NE und lief am nächsten Tage 
durch W und S nach SE zurück. Nachdem die unweit 31° S-Br für mehrere 
Tage herrschende leichte Mallung ein Ende genommen hatte, setzte südlich von 
32° S-Br ein kräftiger NE-Wind ein, der, sich allmählich nach links verändernd, 
sachliefslich in den südlich von 36° S-Br angetroffenen durchstehenden West- 
wind überging. Die 36,5° S-Br kaum überschreitende Bark segelte nun bis 
zum 12. August zu dem in 36,5° S-Br erreichten Meridian von 80° Ost. Auf 
dem Wege zum Gebiete des Passats liefs sich bei den dort wehenden frischen 
meist westlichen und südlichen Winden ebenfalls ein befriedigend rascher Fort- 
schritt erzielen, und schliefslich gelangte „Charlotte“ am 21. August zu der in 
26° S-Br und 103,9° O-Lg liegenden polaren Passatgrenze. In ihrer Nähe ver- 
änderte sich der kräftige Wind von SSW durch S nach SSE, ohne dafs eine 
Spur von Mallung diesen Vorgang begleitete. Nachdem auch das Passatgebiet 
durchsegelt worden war, erreichte „Charlotte“ am 28. August, dem 31. Tage 
der Reise, die Sunda-Strafse, und endlich am 5. September die Rhede von 
Singapore. 30° S-Br war in 100,3° O-Lg am 18. August, 20° S-Br in 105,8° 0-Lg 
am 23, August und 10° S-Br in 107,4° O-Lg am 26. August überschritten worden. 
Auf dem Wege zur Sunda-Strafse war an Bord der „Charlotte“ während der 
Nächte, die sie auf der zwischen 16° und 10° S-Br liegenden Strecke zubrachte, 
eine merkwürdige milchähnliche Färbung des Meeres beobachtet worden, durch 
die der Kapitän beim ersten Erscheinen derselben derartig beunruhigt wurde, 
dafs er mehrere Male, ohne freilich Grund zu erreichen, lothen ließ. Diese 
Erscheinung, welche in. diesem Theile des Indischen Oceans schon öfter beob- 
achtet worden ist, zeigte sich nur bei dunkler Nacht; nachdem der aufgegangene 
Mond sein Licht verbreitete, erschien das Meer in seiner gewöhnlichen Färbung. 
Als die Bark sich ferner um 5"p. m. des 26. August in etwa 10,7° S-Br und 
107,7° O-Lg befand, vernahm man an Bord derselben, von nordnordwestlicher 
Richtung hertönend, ein kanonendonnerähnliches Geräusch, welches, unterbrochen 
von stundenlangen Pausen, bis um 10* Morgens des nächsten Tages anhielt. 
Um 8 Morgens am 27. August begann auf der „Charlotte“ ein, den ganzen Tag 
anhaltender Aschenregen, von dem die Spuren am nächsten Tage noch die 
Meeresoberfßäche bedeckten. Als „Charlotte“ sich am 30. August in der Nähe 
von der Insel Krakatoa befand, deren Vulkan die damals stattigefundenen 
schrecklichen Verwüstungen verursacht hatte, traf sie auf meilengrofse Flächen 
von Bimsstein. Am 31. August war die Meeresoberfläche in der Sunda-Strafse 
angefüllt mit Trümmern von Häusern und Bäumen, von Menschenleichen und 
Thierkörpern. Am 1. September, an welchem Tage das Schiff von demselben 
grausigen Schauspiel umgeben war, sah man die Stätte des spurlos verschwun- 
denen Anjer, und erst als „Charlotte“ nördlich von Java gelangt war, wurde 
das Meer reiner. Am 5. September erreichte die Bark schliefslich die Rhede 
von Singanore. 
4. Reise der Hamburger Bark „Stella“, Kapt. H. N. J. Sommer. 
Am 22. Dezember 1881 verliels die Bark „Stella“ den Hafen von New- 
York, um nach Honolulu zu segeln. Die auf See gleich angetroffenen, aus süd- 
licher Richtung vorherrschenden Winde führten dieselbe bis zum 7. Januar 1882 
nach 33,5° N-Br in 35° W-Lg, einem Punkte, in dessen Nähe für mehrere Tage 
Mallung und selbst Windstille beobachtet wurde. Später beobachtete man noch 
wieder einen mehrere Tage anhaltenden SW-Wind, und schliefslich stellte sich, 
indem der letztere Wind nach rechts drehte, und ohne dafs vorher eine Störung 
beobachtet wurde, der Passat ein. Das Gebiet dieses, nicht sehr frisch und 
beständig wehenden Windes dehnte sich aus bis nach 5° N-Br in 24,4° W-Lg. 
In dem südlich von diesem Punkte liegenden Stillengürtel verbrachte die Bark 
nicht weniger als neun Tage, nach deren Verlauf es endlich am 3. Februar 
gelang, den in der Nähe von 1,3° N-Br und 24,7° W-Lg einsetzenden SE-Passat 
anzutreffen. Dieser letztere Wind führte die Bark bis zum 4. Februar zu der 
in 27° W-Lg überschrittenen Linie. Es waren 44 Tage nach dem Antritt 
Ann, &. Hydr. ete., 1884, Heft IM.
	        
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