Anomalien bei der Hörbarkeit von Schallsignalen.
Dampfschiffen, M. 144 und 182 auf hölzernen Dampfschiffen und M. 169, 69, 146
und M. 95 auf hölzernen Segelschiffen.
Vielleicht wird man den Grund für die ersten Aenderungen des Ganges
nach der Einschiffung nicht allzufern suchen dürfen, nämlich lediglich in den
Einflüssen des Transports von dem Observatorium nach dem Schiff und der
mehr oder weniger sorgfältigen Behandlung der Instrumente während desselben,
Bei dem langen Wege, welcher in Kiel wie in Wilhelmshaven von‘ dem Observa-
torium nach dem Schiff zurückzulegen ist, werden vorübergehende Störungen
der Chronometer um so leichter eintreten können. Bei dem darauf folgenden
Aufenthalt an Bord ist anscheinend nicht ohne Einflufs auf die Empfindlichkeit
der Instrumente gegen Erschütterungen die Beschaffenheit der kardanischen
Aufhängung. Läfst diese das Chronometer schlottern, so erhält dasselbe, wie
dies in See bei schlingerndem Schiff an anderen Instrumenten mit gleicher Auf-
hängung täglich beobachtet werden kann, plötzliche und nicht unerhebliche
Stöße. Beim Ueberholen des Schiffes legen sich die Ringe auf der gekrängten
Seite aneinander; richtet sich das Schiff auf und legt sich darauf nach der
anderen Seite über, so tritt nicht eine allmähliche Trennung der Ringe ein,
sondern dieselben beharren zunächst infolge der Reibung in ihrer gegenseitigen
Lage, bis der Neigungswinkel ein.so großer geworden ist, dafs das Gewicht
des Instruments den Reibungswiderstand überwinden kann, worauf ein plötz-
liches ruckweises Aneinanderlegen der Ringe auf der anderen Seite eintritt.
In den Fällen, wo die kardanische Aufhängung eine besonders mangelhafte
gewesen war, haben der Erfahrung nach die Chronometer sich auch besonders
empfindlich gegen Erschütterungen gezeigt. Zweckmäfsig wird es vielleicht
sein, zwischen die koncentrischen Ringe, sowie unter die Zapfen, in denen das
Chronometer in seinem Kasten liegt, Spiralfedern zu legen, oder statt der
jetzteren Vorrichtung den Behälter für die Chronometerkasten auf Gummipuffer
zu setzen.
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Ueber einige Anomalien bei der Hörbarkeit von Schallsignalen.
In diesen Annalen 1876, pag. 122, sind in einem Aufsatze des Geheimen
Admiralitäts-Rathes Perels über die „Englischen Küsten - Nebelsignale“ die
Hauptergebnisse der Untersuchungen, welche Professor Tyndall auf Ver-
anlassung des Trinity-Hauses über die verschiedenen Nebelsignal-Apparate in
den Jahren 1873 bis 1875 und über die Fortpflanzung des Schalles angestellt
hatte, mitgetheilt, — ferner hat in dem Artikel „Ueber Nebelsignale etc.“ Herr
Civil-Ingenieur Veitmeyer (s. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1877, pag. 22 ff.) u. A.
sehr werthvolle historische Notizen über die Entwicklung der Nebelsignal-
Apparate gebracht, sowie. über die praktischen Versuche und theoretischen
Untersuchungen von Tyndall,') Stokes®) und Reynolds®) in England und
Henry*) in den Vereinigten Staaten betreffs der Anomalien und Ablenkungen
des Tones, welche sich für die Fortpflanzung des Tones und damit seiner Hör-
barkeit herausgestellt hatten (s. a. a. O. pag. 25 und 31—39).
Die Kenntnifs dieser Anomalien ist für die Schiffahrt von grofser Be-
deutung, weil viele Schiffsverluste an den Küsten davon herrühren, dafs manche
Schiffsführer, in dem Glauben, dafs der Ton eines Nebelsignals sich ebenso
wie das Licht eines Leuchtfeuers nach allen Seiten hin verbreite und dafs
geine Intensität mit der Entfernung von seinem Ursprungsorte abnehme, sich
immer noch zu sehr auf die Hörbarkeit verlassen, bezw. auf dessen Nicht-
hörbarkeit, allerdings mit Berücksichtigung der Windverhältnisse und einiger
anderer die Fortpflanzung des Schalles hindernden Einflüsse.
1) „Report by Prof. Tyndall to the Trinity House“ upon recent experimentations with
regard to Fog-Signals“. _ Parl. Pap. 1874, 79 pag. Tyndall: On the Atmosphere as a Vehicle of
sound in: Philos. Transact. to 1874, Vol. 164, pag. 183 #, Proc, of the Br. Soc., XXIII, 583—68.
2) Transact, of the Brit. Scientif. Assoc. f. 1857.
% Proceed. of the R. Soc., XXIII, 531—548. Philos. Magaz. (4), XLVIII, 530—541.
‘) Anmal Report of the Light House Board of the Un. St. f. 1874, Appendix, pag. 83—117,
Ann, d. Hydr. etc., 1984, Heft 1.