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Das Verhalten der Chronometer an Bord.
Chr. M. 20 war in beiden Jahren auf S. M.S, „Niobe“ eingeschifft, Der
Sinn der ersten Gangänderung sowie der weitere Verlauf derselben war ein
ähnlicher.
Bei den folgenden Instrumenten waren die Schiffe, auf denen sich die-
gelben in den beiden Jahren befanden, verschieden, die Temperaturen nahezu
dieselben.
Bei Chr. M. 69 und M. 155 waren die Gangänderungen beim Anbord-
kommen verschieden, bei M. 83 der Richtung nach die gleichen; in der Folge
trat erst eine Ab-, darauf eine Zunahme der Acceleration ein,
Chr. M. 114 zeigte nach einer bei der Einschiffung in gleichem Sinne
erfolgten Gangänderung anfangs eine wachsende, demnächst an Gröfse ab-
nehmende Retardation,
Chr. M. 63 differirte in der Gangänderung bei der Einschifung, besafs
darauf anfangs eine an Gröfse abnehmende Retardation und erlangte nach
ca 120 Tagen in beiden Jahren denselben Gang.
Bei Chr. M. 110 und M. 158 waren die Gangänderungen anfangs ähnlich,
wurden aber nach ca 120 resp. 80 Tagen in den einzelnen Jahren verschiedene.
Bei M. 158 zeigte sich nach ca 130 Tagen indefs von neuem eine Uoberein-
stimmung: der Gang hatte seit der Einschifung in den beiden Jahren um 1,35
resp. 1,24 Sek. abgenommen.
Da alle Chronometer, welche in den Jahren 1882 und 1883 sich an Bord
befanden, eine gewisse Gleichmäfsigkeit in dem Verhalten während ihrer Ein-
schiffung zeigen, so wird man annehmen können, dafs diese kein blofser Zufall
ist. Eine solche Gleichmäfsigkeit in dem Verhalten ein und desselben Instruments
iritt, wie die Tabelle zeigt, nicht nur bei der Einschiffung auf ein und dasselbe
Schiff ein, sondern auch bei der auf verschiedene Schiffe, welche zum Theil in
ihrer Gröfse, Bauart, Baumaterial und Aufstellungsort für die Chronometer
völlig differiren, sowie auch unter zum Theil verschiedenen Temperaturverhält-
nissen. Es liegt daher die Vermuthung nahe, daß die Gangänderungen der
Chronometer bei ihrem Aufenthalt an Bord nicht von dem Schiff und dem Auf-
stellungsort daselbst abhängig, sondern für jedes einzelne Instrument individuell
sind. Wäre ersteres der Fall, so müfsten die Chronometer eines und desselben.
Schiffes bei ihrer Einschifung den Gang in dem gleichen Sinne wenigstens
ändern; dies tritt indefs im Jahre 1883 nur in 3, im Jahre 1882 in 7 Fällen
unter 12 resp. 15 Schiffen ein, wenn man — worauf namentlich zu achten ist,
da gerade in den ersten Tagen des Anbordseins die Gangänderungen besonders
starke und wechselnde sind — ungefähr die gleiche Zwischenzeit nach der Ein-
schiffung in Betracht zieht; ebenso sind meist die weiteren Gangänderungen
verschieden. .
* Als Grund für die nach der Einschiffung eintretende Gangänderung wird
man geneigt sein, zunächst die Bewegungen des Schiffes anzusehen, welche die
Instrumente, trotz der kardanischen Aufhängung, immerhin wenigstens vorüber-
gehend in etwas mehr oder weniger geneigte Lage bringen. Die Folge hiervon
kann z. B. eine wechselnde Deformation der Spiralfeder an der Unruhe sein,
welche den Gang insofern beeinflufst, als der Isochronismus der Schwingungen
gestört wird; oder es kann, wenn die Achsenlöcher zu weit sind, ein Schlottern
der Räder eintreten; ferner wird die Reibung der Achsen in den Achslöchern
zunehmen, wodurch ebenfalls der Gang alterirt werden wird. Diese Ursachen
müssen sich ganz besonders stark bei senkrechter Stellung des Zifferblattes
geltend machen,
Ueber die zum Theil recht beträchtlichen Gangänderungen der Chrono-
meter bei vertikaler Stellung des Zifferblattes geben die auf dem Chronometer-
Observatorium zu Kzel angestellten Versuche Aufschlufs (vgl. „Ann. d. Hydr.“,
1881, pag. 650). Man würde hiernach erwarten können, dafs diejenigen
Instrumente, bei denen die Gangdifferenz in den verschiedenen Lagen am be-
deutendsten ist, auch die gröfsten Gangunterschiede nach der Kinschiffung
zeigen werden.
Von einigen der so geprüften Chronometer giebt über ihr erstes Ver-
halten an Bord nachstehende Zusammenstellung Aufschlufs.