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Eingänge von meteorologischen Journalen ete,, Oktober 1883.
abnehmendem Luftdruck stürmisch. Am 9. Februar überstand „AMoltke“ in der
Nähe von 12° S-Br und 89,5° O-Lg, also auch in diesem von den deutschen
Reisfahrern so häufig besuchten und so auffallend oft von Orkanen heim-
gesuchten Meerestheile, einen kurzen aber heftigen Orkan. In demselben ver-
änderte sich für das beigedreht liegende Schiff der Wind von NNE durch N
nach WSW, so dafs die Art dieser Windveränderung eine südöstliche Richtung
der Orkanbahn anzudeuten schien. Der Luftdruck, welcher um 12* Mittags am
8. Februar 754,5 mm betragen hatte, war um 5®* Morgens des 9. Februar auf
738,5 mm gesunken und stieg dann wieder bis um 8° Abends desselben Tages
auf 755,3 mm. Zwei Mitsegler bemerkten von diesem Orkan nichts, obgleich
der eine derselben am 9. Februar nicht sehr weit vom „Moltke“ entfernt war.
Es war dieses die von Greenock nach Rangoon bestimmte „Capella“, welche sich
am Mittag des 9. Februar in 10,9° S-Br und 84,3° O-Lg befand, und dort bei
WSW-Wind in Stärke 4 und einem Barometerstande von 759,3 mm einen Nord-
kurs verfolgte. Der Schiffsort des andern Mitseglers „Indra“ war am 9. Februar
Mittags 17,1° S-Br in 87,7° O-Lg, einem Punkte, über dem zur Zeit kräftiger
SE-Passat in Stärke 6 wehte und ein Luftdruck von 757,6 mm ruhte. Die
orkanartigen Erscheinungen hatten bei „Moltke“ die Veränderung des Windes
vom SE-Passat zum NW-Monsun begleitet und herrschte, nachdem die Wind-
stärke wieder eine mäfsige geworden war, der Monsun ungestört. Von dem-
gelben wurde das Schiff bis zum 14. Februar zu der in 91,3° O-Lg geschnittenen
Linie geführt. „Indra“ ging am 26. Februar in 91,2° O-Lg von der südlichen
zur nördlichen Halbkugel über, und von „Capella“, welche 50° N-Br am 13. No-
vember, den Aequator in 27° W-Lg am 7. Dezember, 0° Länge in 42,2° S-Br
am 30. Dezember und 80° O-Lg in 33,5° S-Br am 26. Januar verlassen hatte,
geschah dasselbe in 90,3° O-Lg am 19. Februar. Dieses letztere Schiff, welches
nördlich von 10° S-Br nur ganz schwache südwestliche Winde angetroffen hatte,
war dort gegen „Moltke* bedeutend zurückgeblieben. Von „Moltke“ war auf
dem Wege zur Linie: 30° S-Br in 89° O-Lg am 3. Februar, 20° S-Br in 89° O-Lg
am 6. Februar und 10° S-Br in 90° O-Lg am 10. Februar gekreuzt worden. In
nördlicher Breite wurde „Moltke“ bis nach 4,1° N-Br in 94,2° O-Lg vom west-
lichen Monsun begleitet. Derselbe trat in nördlicher Breite jedoch nur in
geringer Stärke auf, veränderte sich dabei langsam nach rechts und ging
schliefslich, indem er durch N drehte, in den NE-Monsun über, ohne dafs vor-
her eine Spur von Mallung oder Stille angetroffen wurde, In der Nähe des
letzterwähnten Punktes, wo man am 16. Februar wendete, wurde die Wind-
richtung eine nordöstliche und segelte dann das über B. B.-Bug liegende Schiff
bis zum 20. Februar nach 9,6° N-Br in 89,3° O-Lg. Hier wurde bei Nordwind
gewendet; da später indessen noch wieder für längere Zeit nordöstlicher Wind
herrschte, verfolgte „Moltke“ auch wieder einen nordöstlichen Kurs, so dafs
man schliefslich am 25. Februar als westlichsten Punkt 13° N-Br in 87,2° O-Lg
erreichte. Der letzte Theil der Reise wurde bei schwachen veränderlichen
Winden zurückgelegt, und schliefslich am 6. März ein in der Nähe des
Bestimmungshafens gelegener Ankerplatz erreicht. Im Meerbusen von Bengalen
war: 5° N-Br in 93,5° O-Lg am 17. Februar, 10° N-Br in 89,6° O-Lg am
22. Februar und 15° N-Br in 88,7° O-Lg am 28. Februar überschritten worden,
„Indra“ ankerte in der Nähe der Rangoon - Flufsmündung am 27. März und
„Capella“ hatte dasselbe am 15. März gethan.
Am 4. April trat „Moltke“ von Bassein aus die Heimreise nach Bremen
an. Derselbe traf auf seinem Wege nach Süden zunächst dieselben Verhältnisse
an, wie solche damals von manchen anderen heimwärts bestimmten deutschen
Reisfahrern beobachtet wurden. Unter denselben befanden sich auch die beiden
am 4. April von Rangoon abgegangenen eisernen Schiffe „Melpomene“ und
„Spica“. Im Reiseauszugo des ersteren dieser beiden wurden die betreffenden
Windverhältnisse schon kurz angedeutet. „Moltke“ kreuzte 10° N-Br in 94,5°
D-Lg am 12. April und erreichte am 30. April den Aequator in 91,1° O-Lg.
„Spica“, welche am 25. April in 3° N-Br und 92,5° O-Lg mit „Moltke“ Signale
ausgetauscht hatte, verliefßs die nördliche Halbkugel in 91° O-Lg ebenfalls am
30. April und fast genau zur selben Stunde geschah es in 89,5° O-Lg auch von
„Melpomene“, In südlicher Breite erreichten alle drei Schiffe am 13, Mai das
Gebiet des SE-Passats. Am Mittag dieses Tages befand sich „Moltke“ in 10,6°