Reiseberichte der deutschen Brigg „Juno“
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schienen. Aufserdem ist es gestattet, dafs der Ballast, einerlei ob Sand oder
Steine, auf dem Ankerplatz über Bord geworfen wird. Hiergegen haben freilich
einige ansässige Kaufleute mit vollem Recht Beschwerde geführt, aber ohne
Erfolg. Der Hafenmeister, ein erst kürzlich angestellter Beamter, erlaubt es
eben, und den Schiffern ist es nicht zu verdenken, wenn sie von der Erlaubnifs,
auf eine so bequeme Weise ihren Ballast loszuwerden, Gebrauch machen, Das
Löschen und Laden geschieht in Leichtern, welche vermittelst starker Trossen
durch die Brandung geholt werden.
Die Zollverwaltung ist hier, wie überall in Mexico, strenge; doch wird
in diesem Hafen in mancher Beziehung mehr Nachsicht geübt, als in den Plätzen
westlich von Acapulco.
Mundvorräthe sind fast gar keine zu haben, nur gelegentlich frisches
Fleisch. Gutes Trinkwasser ist nur aus einer 1'/2 Sm entfernten Lagune zu
erhalten und wird von dort vermittelst kleiner Fässer auf Mauleseln nach
Salina Cruz gebracht. Das Trinkwasser, welches man in Salina Cruz findet,
soll der Gesundheit höchst schädlich sein, Reparaturen am Schiffe sind nicht
zu beschaffen,
Es ist eine Eisenbahn von Salina Cruz nach Tehuantepec und von dort
weiter in das Innere des Landes hinein im Bau. Aufserdem wird ein Pier ge-
baut, welcher bis zu einer Wassertiefe von 7,2m (4 Fad.) hinausgeführt werden
soll, an welchem dann die Leichter bequem entlöscht und beladen werden
können. Nach einem weiteren Plan soll nach Fertigstellung der Eisenbahn und
der Brücke von der einen Seite der Bucht aus ein Wellenbrecher angelegt
werden, so dafs vielleicht mit der Zeit Salina Cruz ein guter und geschützter
Hafen wird.
Von Salina Cruz nach Mazatlan und zurück.
Die Versegelung von Salina Cruz nach Mazatlan und zurück nahm die
Zeit vom 12. März bis zum 15. Mai 1883 in Anspruch. Im Anfange der Reise
waren Windstillen. vorherrschend, die zuweilen durch leichte WNW- Winde
unterbrochen wurden, so dafs erst am 28. März, dem 16. Tage der Reise, die
Länge von Acapulco erreicht werden konnte. Von jetzt an wurde die Briese
beständiger, vorherrschend aus NNW- Richtung. Wir hielten uns nicht mehr
nahe der Küste, sondern steuerten in einem Bogen um die Clarion-Insel herum
nach Mazatlan, woselbst wir nach einer Reise von 38 Tagen, ohne andere’ als
westliche Winde und ohne irgend erhebliche Strömungen gehabt zu haben,
ankamen.
Bei längeren Strecken, wie zum Beispiel bei dieser, glaube ich, dafs es
besser ist, von der Küste sich zu entfernen, als in der Nähe derselben zu
bleiben. Dieses wurde mir schon in La Union von einem alten amerikanischen
Kapitän, welcher 40 Jahre lang Reisen von Californien bis Central-Amerika in
allen Jahreszeiten ausgeführt hatte, angerathen. Küstenfahrer aus Acapulco,
die ich in Salina Cruz antraf, erzählten mir, dafs sie zur Reise von Salina Cruz
nach Acapulco während der Zeit der vorherrschenden NW-Winde 30 und mehr
Tage gebraucht hätten, .
Unser Aufenthalt in Mazatlan dauerte vom 20. bis zum 29, April 1883,
Während dieser Zeit wechselten bei beständigem gutem Wetter Land- und See-
winde regelmäßig mit einander ab.
Was die Segelhandbücher über Mazatlan bringen, habe ich im allgemeinen
als zutreffend gefunden.
Auf der Rückreise trafen wir zuerst flane NW-, weiter östlich aber flaue
W-, SW- und S-Winde. Oestlich von Acapulco waren wieder Windstillen vor-
herrschend. Wir hielten uns auf dem ganzen Wege, auf welchem wenig Strom-
versetzung beobachtet wurde, etwa 40 Sm von der Küste entfernt. Die Reise,
welche eine Dauer von 17 Tagen hatte, wurde, wie schon angegeben, am
15. Mai beschlossen.