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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 12 (1884)

Reiseberichte der deutschen Brigg „Juno“ 
RT 
schienen. Aufserdem ist es gestattet, dafs der Ballast, einerlei ob Sand oder 
Steine, auf dem Ankerplatz über Bord geworfen wird. Hiergegen haben freilich 
einige ansässige Kaufleute mit vollem Recht Beschwerde geführt, aber ohne 
Erfolg. Der Hafenmeister, ein erst kürzlich angestellter Beamter, erlaubt es 
eben, und den Schiffern ist es nicht zu verdenken, wenn sie von der Erlaubnifs, 
auf eine so bequeme Weise ihren Ballast loszuwerden, Gebrauch machen, Das 
Löschen und Laden geschieht in Leichtern, welche vermittelst starker Trossen 
durch die Brandung geholt werden. 
Die Zollverwaltung ist hier, wie überall in Mexico, strenge; doch wird 
in diesem Hafen in mancher Beziehung mehr Nachsicht geübt, als in den Plätzen 
westlich von Acapulco. 
Mundvorräthe sind fast gar keine zu haben, nur gelegentlich frisches 
Fleisch. Gutes Trinkwasser ist nur aus einer 1'/2 Sm entfernten Lagune zu 
erhalten und wird von dort vermittelst kleiner Fässer auf Mauleseln nach 
Salina Cruz gebracht. Das Trinkwasser, welches man in Salina Cruz findet, 
soll der Gesundheit höchst schädlich sein, Reparaturen am Schiffe sind nicht 
zu beschaffen, 
Es ist eine Eisenbahn von Salina Cruz nach Tehuantepec und von dort 
weiter in das Innere des Landes hinein im Bau. Aufserdem wird ein Pier ge- 
baut, welcher bis zu einer Wassertiefe von 7,2m (4 Fad.) hinausgeführt werden 
soll, an welchem dann die Leichter bequem entlöscht und beladen werden 
können. Nach einem weiteren Plan soll nach Fertigstellung der Eisenbahn und 
der Brücke von der einen Seite der Bucht aus ein Wellenbrecher angelegt 
werden, so dafs vielleicht mit der Zeit Salina Cruz ein guter und geschützter 
Hafen wird. 
Von Salina Cruz nach Mazatlan und zurück. 
Die Versegelung von Salina Cruz nach Mazatlan und zurück nahm die 
Zeit vom 12. März bis zum 15. Mai 1883 in Anspruch. Im Anfange der Reise 
waren Windstillen. vorherrschend, die zuweilen durch leichte WNW- Winde 
unterbrochen wurden, so dafs erst am 28. März, dem 16. Tage der Reise, die 
Länge von Acapulco erreicht werden konnte. Von jetzt an wurde die Briese 
beständiger, vorherrschend aus NNW- Richtung. Wir hielten uns nicht mehr 
nahe der Küste, sondern steuerten in einem Bogen um die Clarion-Insel herum 
nach Mazatlan, woselbst wir nach einer Reise von 38 Tagen, ohne andere’ als 
westliche Winde und ohne irgend erhebliche Strömungen gehabt zu haben, 
ankamen. 
Bei längeren Strecken, wie zum Beispiel bei dieser, glaube ich, dafs es 
besser ist, von der Küste sich zu entfernen, als in der Nähe derselben zu 
bleiben. Dieses wurde mir schon in La Union von einem alten amerikanischen 
Kapitän, welcher 40 Jahre lang Reisen von Californien bis Central-Amerika in 
allen Jahreszeiten ausgeführt hatte, angerathen. Küstenfahrer aus Acapulco, 
die ich in Salina Cruz antraf, erzählten mir, dafs sie zur Reise von Salina Cruz 
nach Acapulco während der Zeit der vorherrschenden NW-Winde 30 und mehr 
Tage gebraucht hätten, . 
Unser Aufenthalt in Mazatlan dauerte vom 20. bis zum 29, April 1883, 
Während dieser Zeit wechselten bei beständigem gutem Wetter Land- und See- 
winde regelmäßig mit einander ab. 
Was die Segelhandbücher über Mazatlan bringen, habe ich im allgemeinen 
als zutreffend gefunden. 
Auf der Rückreise trafen wir zuerst flane NW-, weiter östlich aber flaue 
W-, SW- und S-Winde. Oestlich von Acapulco waren wieder Windstillen vor- 
herrschend. Wir hielten uns auf dem ganzen Wege, auf welchem wenig Strom- 
versetzung beobachtet wurde, etwa 40 Sm von der Küste entfernt. Die Reise, 
welche eine Dauer von 17 Tagen hatte, wurde, wie schon angegeben, am 
15. Mai beschlossen.
	        
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