Weyer: Bestimmung des Beobachtungsortes etc.
85
Caillet, der ältere, in seinem Manuel du Navigateur*), 1818 und lvory
(Philos. Magazine, Aug. 1821, On nautieal Astronomy) haben die obige einfache
Gliederung der Ausdrücke eingeführt, womit ihre geometrische Bedeutung sichtbar
bleibt (Norie’s Naut. Tables, London 1829, p. 43 und 45, wo auch auf Riddle’s
Improvement of Ivory’s Metliod im Phil. Mag. Sept. 1822 verwiesen wird).
Bei Krafft ist die erste Formel mit der dritten vereinigt.
Hazewinkel: Handleiding om op verschilleude wijzen de breedte buiten
den middag of meridiaa te vinden, door waarnemingen aan de zon of starren,
Groningen 1827, wird von Begemann, Haudbook voor zeevarenden, Emden 1835
p. 64 angeführt über dieselbe Methode. Nahe gleichzeitig mit Hazewinkel
soll Lobatto, Prof, zu Delft, eine Arbeit mit demselben Ergebnifs veröffentlicht
haben (Pilaar, Stuurmanskunst, Bd. I, Leiden 1837, p. 415).
Die von Krafft nach seiner Methode berechneten Beispiele sind:
1) 4 = 20° 41' 0" N, dio beiden Höhen 68° 30' und 71° 9', nebst der verflossenen
Zeit O 56® 13 s , womit für seiue, hier in der Anmerkung erklärte Bezeichnung
« = 3° 59' 44", ß~20° 49' 35", y = 71° 14' 45", 4=50° 25' 10", 2== 92° 4' 20"
und die Breite = 39° 27' 55" N oder 2° 4' 2" N gefunden wurde. — 2) 4 = 20° O'S.
die Höben 17° 13' und 19° 41' mit 1 Stunde Zwischenzeit. Daraus die 3 Hülfs-
gröfsen a = 9° 34' 56", ß = 20° 9' 31", y = 18° 51' 50", also J = 1° 17' 41"
und 2 — 39° 1' 21". Endlich die Breite 50° 0' 4" N oder 80° 19' 53" S,
Dieselben Beispiele waren schon, wie Krafft erwähnt, von Maskclyne nach
Douwes’ Methode berechnet.
Was dieser Berechnung nun an völliger Strenge noch fehlt, das ist die
Verbesserung wegen der genäherten Voraussetzung einer konstanten Deklination.
Nimmt man, wie oft üblich in der Rechnung, die Deklination der Sonne für die
4' — 4
Mitte der Beobachtungszeiten, und ist —^ dio Aeuderuug der Deklination
in der halben verflossenen Zeit, so wird die entsprechende Verbesserung der
Breite d(p am leichtesten nach der kurzen Formel gefunden:
. sin '/^(t' -ft) 4' — 4
^ sin '¡‘¿{V — t) 2
deren Rechtfertigung in das spätere Kapitel über die Differentialformeln der
Aufgabe gehört. Mit der so verbesserten Breite r/ 4- de/ und einer der Höhen
nebst der zu ihr gehörenden genauen Deklination, kann dann auch der Zeitwinkel
genau berechnet werden, wenn man nicht auch hierbei lieber sofort eine
Differentialformel gebrauchen will:
, tg <p cos 7s(t' -f t) — tg 4 cos */ä(t' — t) 4' — 4
- siQ _ t) 2
Bei der gewöhnlich vernachlässigten Rücksichtnahme auf die Wirkung
der geringen Deklinationsänderung in der halben Zwischenzeit ist noch zu
bemerken, dafs sich unter ungünstigen Umständen diese kleine Deklinations
änderung sehr vergröfsert auf das gesuchte Resultat übertragen könnte. Der
Grund davon ist nicht die äufserst geringe Veränderung des Abstandes der
beiden Sonnenörter vou einander infolge der DeklinatioDsänderung, sondern
vielmehr die Verschiebung dieser Dreieckseite auf den Polardistanzen, wodurch
eine Winkeländerung entsteht, die schliefslich in Verbindung mit der Aenderung
der Polardistanz selbst ihren Einflufs auf die Breiten- und besonders auch auf
die Zeitbestimmung ausüben kann.
*) »Une solution très-simple, adoptée par plusieurs auteurs, que mon Père a proposée le
premier en 1818, dans son Manuel du Navigateur.“ Traité de Navigation par V'. Caillet,
4. Edit.. Paris 1868, pag. 221.
(Fortsetzung folgt.)