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Weyer: Bestimmung de« Beobaclttutigsories etc.
Wcrtlio von x uöthig ist. Man findet diese Formel nicht immer richtig an
gegeben. In Brünnow’s Sphär. Astrou., Berlin 1851, p. 275, 2. Aull. 1862,
p. 315, ist beide Male durch ein Versehen der Faktor sin* Q ausgelassen.
In einigen andere» Lehrbüchern ist zuweilen das Vorzeichen verwechselt
(Francoeur, Dubois), welches doch nur als Korrektion der Zenithdistanz
entgegengesetzt werden könnte. — Als Beispiel zur Anwendung in einem für
Graham’s Regel sehr ungünstigen Falle sei h = 80°, die Peilung der Sonne
S'/'aW, der Kurs des Schiffes West (rechtweisend) mit 118 Seemeilen Fahrt — R.
so ist Q = 7Vs Strich ~ 82° 22,5', und damit wird vollständig:
bi — h = -f- 11,6' — 11,3' = 4- 0,3', also bi = 80° 0,3'.
Nach der jetzt sehr allgemein üblich gewordenen kurzen Regel von
Graham hätte man also in diesem ausgesucht ungünstigen Falle die Reduktion
11,3' zu grofs, In = 80° 11,6' gefunden, während die früher gebräuchliche un
vollständige Regel von Douwes hier das richtige Resultat für die Breite durch
alleinige Korrektion der verflossenen Uhrzeit gegeben haben würde, da keine
Breiten Veränderung des Schiffes stattfand. In einer älteren Schrift von
P. N. Krüsg, „Auflös. der Aufg., die wahre Breite auf der See zu finden durch
2 Höhen“ n. s. w., findet sich schon eine Tafel als (zweite) Korrektion beim
Reduciren der ersten Höhe auf den zweiten Ort, freilich nur für den speciellen
Fall, wenn der Winkel zwischen Peilung und Kurs ein rechter ist.
Borda 14 ) verbesserte die verflossene Zeit nach der Regel von Douwes
und berücksichtigte schliefslich die Breiten Veränderung des Schiffes bei seiner
Anwendung der regula falsi, welche also zu den indirekten Auflösungen der
Aufgabe gehört. Ganz unpraktisch weitläufig aber rnufste es erscheinen, dafs
Kluge 1 (Berlin. Ästr. Jahrb. 1". 1798, p. 181) zur Berücksichtigung der Orts
veränderung des Schiffes vorschlug, ans der angenommenen Breite am ersten
Orte mit der Höhe und Deklination den Zeitwinkel zu berechnen, diesen Zeit
winkel wegen der Längenveränderung auf den zweiten Ort zu reduciren, und
daraus mit der Breite und Deklination eine neue Höhe zu berechnen, welche
statt der zuerst beobachteten Höhe zu nehmen sei. Das zeigt also, wie das
schätzbare einfache Verfahren von Graham, dessen man sich heute bedient,
gar nicht so leicht zu finden war. Suaner erledigte bei seiner indirekten
Methode die Ortsveränderung des Schiffes durch Konstruktion in der Karte,
indem er seine Positionslinie, parallel mit sich selbst, so weit verschob, wie
Kurs und Distanz in der Zwischenzeit es erfordertem (Sumuer: „New Method
of finding a Ship’s Position“, Boston 1845, p. 19.)
7. System der nautischen Astronomie von Maupertuis. Ilerbeizieliuiig aller astrono
mischen Hülfsmittel zur Bestimmung der geographischen Lage des Schiffes als eines
beweglichen Observatoriums. Versncli mit rein algebraischen Bezeichnnngs- und Auf*
löswngsformcn für trigonometrische Gleichungen, die sich aus der orthograplüsehen
Projektion entnehmen lassen, zur Terdriiiigung der sphärischen Trigonometrie.
Die „Astronomie nautique“ von Maupertuis erschien zuerst im Jahre 1745,
und 6 Jahre später unter dem Titel: „Astronomie nautique, ou elemens d’Astro-
uomie. 'Fant pour un Obsorvatoire fixe, que pour un Observatoire mobile“. Par
M. de Maupertuis. Seconde ddition, Paris 1751. Der Verfasser giebt darin
eine übersichtliche und streng systematische Behandlung der Aufgaben der
nautischen Astronomie, wie sie vorher in solcher Weise nicht vorhanden war.
lieber die Absicht desselben, alle gelegentlichen astronomischen Mittel heran-
zuzielien, welche dem Navigateur zur Ortsbestimmung des Schiffes, als eines
beweglichen Observatoriums dienen können, verbreitet sich schon die ansprechend,
mit französischer Eleganz geschriebene längere Vorrede. 15 ) In Erwägung der
,4 ) Description et usage du cercle de réflexion, Paris 1787, 1816, p. 60.
**) Dasselbe Ziel, unter Anwendung der modernen Hülfemittel, verfolgt bekanntlich auch die
-.Koutclle Navigation astronomique“ von Y. Viltart-t-aii und A. de Magnae, Paris 1877. — Für
Landexpedittonen hatte d’Abbadie auf seinen Reisen einen ähnlichen Plan, welcher als »Géodésie
expéditive* mit der Bezeichnung einer «Nouvelle Science® gerühmt Wurde (Fâyo, Comptes rendus,
1864). Aber schon C. N ich »ihr benutzt*- in Arabien (1762—1767) n. A. die nach dem Kontpafs
beobachtete Richtung der Karawanenzüge and die Geschwindigkeit der Kamele, durch Öftere Ver
gleichungen, ähnlich wie auf dem Meer« die Ortsbestimmung durch Kompaß) nnd Logg« geschieht.
Auch war er der erste, welcher die Lätigenbcstimmung aus Monddistanzen bei Lnndexpeditioneu
anwandte.