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Weyer; Bestimmung des Beobachtungsortes etc.
beschrieben ist, nämlich für den Kometen des Jahres 1472. Die Aufgabe ist
nun also seit mehr als 400 Jahren immer ein Hauptproblem der sphärischen
Astronomie geblieben. Die trigonometrische
Auflösung dazu beschreibt Regio montan in
seiner neunten Aufgabe, mittelst der Berech
nung dreier sphärischer Dreiecke. In der
hier wiedergegebenen Figur Regiomontan’s
sind A und B die nach Länge und Breite
bekannten Sterne, C ist der gesuchte Ort des
Kometen, dessen Abstände AC und BC ge
messen waren. H bezeichnet den Pol der
Ekliptik DEG, worin DG = Winkel AHC
also die gesuchte Länge des Kometen, durch
Vergleichung mit der Länge von A liefert,
während CG die gesuchte Breite desselben
ist. Im eisten Dreiecke AHß sind daher,
wie Regiomontan anführt, 2 Seiten und
der eingeschlossene Winkel AHB gegeben,
und die dritte Seite AB nebst einem Winkel
HAB werden gesucht; darauf folgt die Be«
rechnung des zweiten Dreiecks ABC, worin
jetzt mit 3 gegebenen Seiten ein Winkel CAB gesucht wird, und endlich das
dritte Dreieck HAC, in welchem 2 Seiten und der cingeschlossene Winkel I1AC,
als Unterschied der beiden berechneten Winkel, gegeben sind, womit die dritte
Seite HC, wie auch der Winkel AHC gefunden werden kann
2. Erste Anwendung auf geographische Ortsbestimmung. Nonius. Verwandte Aufgaben.
Gebrauch des Globus und der stenographischen Projektion, flollins. Zwei verschiedene
Resultate der Auflösung. Unvollständigkeit der Dreieckslehre des Oopernicus, durch
Nonius ergänzt.
W as aber die geographische und hydrographische Anwendung der Auf
gabe betrifft, so wird der Portugiese Nonius*) (Pedro Nunez), Professor in
Cohnbra, der erste gewesen sein, welcher bei seiner Bekanntschaft mit den astro
nomischen Bedürfnissen der Seefahrer, in jener Blüthezeit ihrer geographischen
Entdeckungen, dasselbe Verfahren auf die Bestimmung des Beobachtungsortes
anzuwenden lehrte, indem er das Zenith als den gesuchten vierten Punkt und
die beiden Zenithdistanzen als die gemessenen Abstände einführte. Nachdem
Nonius nämlich die Vorschläge von Apian und Ziegler besprochen hatte,
welche die Polhöhe durch eine Höhenbeobachtung außerhalb des Meridians
mit Hülfe des Stundenwinkels oder des Azimuths bestimmen wollten, verwarf
er dieselben, weil diese Gröfsen doch nicht vorher genügend bekannt sein
könnten, und gelangte nun im 17. Kapitel zu seinem sichereren Modus durch
*) Petri Ni)ni i Salacicnsis opera. Basiliae 1566 pag. 128. Sein« Schrift „De arte at<jue
ratione navigandi“ soll schon 1546 zu Lissabon, ferner die in obigen oper. nicht enthaltene Abh. „De
erepuseulis“ 1542 erschienen und in letzterer die in Rede stehende Aufgabe zuerst behandelt sein,
wie Frhr. von Zach bemerkt (Berliner Astr. Jahrb. 1793, I. Suppl.-Bd., pag. 42), der die Aufgabe
auch neben Nonius dem Robert Hues zuschreibt, einem Magus des Karl of Northnmberland und
vertrautesten Freunde Thomas Harriot’s. Der „Traetatus de globis“ von Hues, worauf hier Bezug
genommen wird, erschien aber erst 1594 zu Leyden. -— Nonius trug auch zur Vervollkommnung
iier Beobaehtungsktmst bei, durch Mittheilnug seiner gewagten Idee über die genauen Messungen des
Ptolemacns. Letzterer hatte gefunden, dafs die Wendekreise einen Abstand = n /s3 des Ivreis-
umfnnges von einander haben, wonach die Schiefe der Bkliptik — 23° 51' 20" wurde. Da nun,
sagt Nonius (pag. 73), der Kreisbogen des Instrumentes weder in einzelne Minuten, noch in Sekun
den eingetheilt sein konnte, so vermuthete er, dafs die Kintheilung etwa auf folgende Art gemacht
worden sei. Man denke sich eine Anzahl (44) konzentrischer Kreisbögen als Quadranten, wovon der
äufserst* in 90 gleiche Theile getheilt wird, der nächste in 89, der folgende 88 gleiche Theile u. s. w.,
wie er in seinem Buche „De erepuseulis“ gelehrt habe. Wenn nun bei der Theilung in 83 gleiche
Theile 44 von diesem Theile» als Abstand der Wendekreise von einander gemessen wurde, so folgt
hieraus: *1/».90 =*= H/gj.360 «= 2 X 23° 51' 20". Tycho Brahe lief« n. a. auch eine solche
Theilung ansfahren und nannte sie „Divisio Noniana“. Das Prineip dabei ist also, glcichwerthige
Kreisbögen in eine verschiedene Anzahl jedesmal unter sich gleichet- Theile zu theile», und dasselbe
Prineip wird, allerdings einfacher und zweekmäfsiger, bei dem später von Clavins (1611) nnd
Vernier (1631) erfundenen, mit der Alhidade beweglichen Hillfsbogen angewandt, welcher aber
bekanntlich auch den Namen „Nonius“ erhalten hat.