Kleine hydrographische Nomen.
747
Kleine hydrographische Notizen. 1 )
1. (D. S.) Einige Bemerkungen über Funchal auf Madeira.
Kapitän 0. Scheibe, Führer der deutschen Bark „Oberbürgermeister von Winter*,
hat Nachstehendes über Funckal (Madeira) berichtet:
„Ueber die Witterung während unseres kurzen Aufenthalts auf der Rhede
von Funchal vom 10. bis zum 29. Juni 1883 läfst sich im Allgemeinen Folgendes
sagen. Die Temperatur der Luft war in Anbetracht der Jahreszeit uud der
geographischen Lage dos Ortes inäfsig und sehr erträglich; denn wir beobachteten
im Schatten nie eine höhere Temperatur als 26° C. Gewöhnlich schwankte das
Maximum eines Tages zwischen 23° uud 24° C. In der Nacht fiel das Thermo
meter meistens auf 20° C. Am Morgen des 17. Juni sank die Temperatur
bei östlichem Winde auf 17° C., die niedrigste Temperatur, welche wir beob
achtet haben.
Regen hatten wir fast gar keinen. Nur am 29. Juni, au dem Tage, als
wir aus dem Hafen gingen, fiel ein feiner Staubregen, der indel's nur */s—*/*
Stunden anhielt, worauf das Wetter mit Nordwind Stärke 3 wieder schön und
klar wurde.
Der Wind war in dor Zeit vom 10. bis zum 29. Juni sehr unbeständig
und wehte mit gleicher Häufigkeit aus allen Richtungen. Ueberhaupt kamen
hinsichtlich des Windes ganz eigenthUmliohe Erscheinungen vor. Oftmals be
merkten wir von unserem Ankerplätze aus, dnfs Schiffe, 4—6 Sm südlich von
uns segelnd, den Wind östlich hatten, während auf der Rhede nördlicher Wind
wehte. Auch kam es vor, dafs Schiffe iu einer gröfseren Entfernung vom Lande
lange Zeit in Windstille trieben, wenn gleichzeitig auf der Rhede westliche
oder südwestliche Briese von der Stärke 3—4 wehte. Dos Nachts herrschte
gewöhulich Landbriese, im Aufange derselben aus einer nordwestlichen, gegen
das Ende aber aus einer uördlicheu Richtung. Windstillen traten am häufigsten
des Morgens von 6—8 Uhr und des Abends von 7—9 Uhr auf. Die Windstärke
betrug am Tage gewöhulich 3 — 4, in der Nacht 1—3.
Den sehr eingehenden Mittheilungen über Funchal in Findlay’s „North
Atlantic Memoir“ und iu dem Buche „Foreign Fort Charges“ von Urquhart
füge ich noch hinzu, dafs Schiffe, welche für die Firma Blandy Brothers in
Madeira Kohlen bringen, und Dampfer, welche die Rhede von Funchal aulaufen,
um ihre Kohlen zu ergänzen, ihren Ankerplatz durch ein kleines Boot, das am
Tage die Flagge P des internationalen Signalbuches und während der Nacht
ein weifscs Licht, führt, bezeichnet finden, und zwar dergestalt, dafs sie iu
unmittelbarer Nähe dieses Bootes zu ankern haben. Für einen Dampfer fällt
es natürlich nicht schwer, auf dem bezeichneten Platze zu stoppen; der Kapitän
eines einkommenden Segelschiffes aber innfs zeitig die nöthigen Vorkehrungen
hinsichtlich seiner Segell'ührung treffen, da nur wenig Raum zum Treiben vor
handen ist, besonders wenn viele Schiffe auf der Rhede anwesend sind.
Noch möchte ich mir erlauben, den Fremden, die diesen Hafen zutu
ersten Male besuchen, Vorsicht bei dem Genufs der so beliebten, hier häufig
Vorkommen den und deshalb billigen Makrelen anzurathen. Wir hätten uns bald
durch den Genufs von Makrelen, die wir mit auf die Reise genommen und die
nur zwei Tage im Salz gelegen hatten, vergiftet., obwohl diejenigen, welche wir
während unseres Aufenthalts in Funchal gegessen hatten, nicht geschadet haben.
Die Symptome einer solchen Vergiftung sind: Uebelkeit, erschwertes Athmen,
duukelrothe Farbe des Gesichts, der Hände, der Füfse und der Brust, Erbrechen
und ein allgemeines Unwohlsein, wie ich es auch in Dr. Falkenstein’s
„Aerztlicher Rathgeber für Seeleute“ sehr treffend beschrieben fand. Nachdem
ich die in diesem Buche angegebenen einfachen Mittel augewendet hatte, waren
wir nach Verlauf von zwei Stunden alle wieder munter uud wohl. Es wäre
sehr wünschenswert!», dafs jeder Kapitän sich dieses nützliche Buch anschaffto,
denn einen praktischeren Rathgeber für Schiffsführer für die Erhaltung der
Gesundheit ihrer Mannschaft und die Behandlung der auf Schiffen vorzugsweise
auftretendeu Krankheiten, wenn ärztliche Hülfe nicht eingeholt werden kann,
giebt es wohl nicht.“
] ) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet.