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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Kleine hydrographische Nomen. 
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Kleine hydrographische Notizen. 1 ) 
1. (D. S.) Einige Bemerkungen über Funchal auf Madeira. 
Kapitän 0. Scheibe, Führer der deutschen Bark „Oberbürgermeister von Winter*, 
hat Nachstehendes über Funckal (Madeira) berichtet: 
„Ueber die Witterung während unseres kurzen Aufenthalts auf der Rhede 
von Funchal vom 10. bis zum 29. Juni 1883 läfst sich im Allgemeinen Folgendes 
sagen. Die Temperatur der Luft war in Anbetracht der Jahreszeit uud der 
geographischen Lage dos Ortes inäfsig und sehr erträglich; denn wir beobachteten 
im Schatten nie eine höhere Temperatur als 26° C. Gewöhnlich schwankte das 
Maximum eines Tages zwischen 23° uud 24° C. In der Nacht fiel das Thermo 
meter meistens auf 20° C. Am Morgen des 17. Juni sank die Temperatur 
bei östlichem Winde auf 17° C., die niedrigste Temperatur, welche wir beob 
achtet haben. 
Regen hatten wir fast gar keinen. Nur am 29. Juni, au dem Tage, als 
wir aus dem Hafen gingen, fiel ein feiner Staubregen, der indel's nur */s—*/* 
Stunden anhielt, worauf das Wetter mit Nordwind Stärke 3 wieder schön und 
klar wurde. 
Der Wind war in dor Zeit vom 10. bis zum 29. Juni sehr unbeständig 
und wehte mit gleicher Häufigkeit aus allen Richtungen. Ueberhaupt kamen 
hinsichtlich des Windes ganz eigenthUmliohe Erscheinungen vor. Oftmals be 
merkten wir von unserem Ankerplätze aus, dnfs Schiffe, 4—6 Sm südlich von 
uns segelnd, den Wind östlich hatten, während auf der Rhede nördlicher Wind 
wehte. Auch kam es vor, dafs Schiffe iu einer gröfseren Entfernung vom Lande 
lange Zeit in Windstille trieben, wenn gleichzeitig auf der Rhede westliche 
oder südwestliche Briese von der Stärke 3—4 wehte. Dos Nachts herrschte 
gewöhulich Landbriese, im Aufange derselben aus einer nordwestlichen, gegen 
das Ende aber aus einer uördlicheu Richtung. Windstillen traten am häufigsten 
des Morgens von 6—8 Uhr und des Abends von 7—9 Uhr auf. Die Windstärke 
betrug am Tage gewöhulich 3 — 4, in der Nacht 1—3. 
Den sehr eingehenden Mittheilungen über Funchal in Findlay’s „North 
Atlantic Memoir“ und iu dem Buche „Foreign Fort Charges“ von Urquhart 
füge ich noch hinzu, dafs Schiffe, welche für die Firma Blandy Brothers in 
Madeira Kohlen bringen, und Dampfer, welche die Rhede von Funchal aulaufen, 
um ihre Kohlen zu ergänzen, ihren Ankerplatz durch ein kleines Boot, das am 
Tage die Flagge P des internationalen Signalbuches und während der Nacht 
ein weifscs Licht, führt, bezeichnet finden, und zwar dergestalt, dafs sie iu 
unmittelbarer Nähe dieses Bootes zu ankern haben. Für einen Dampfer fällt 
es natürlich nicht schwer, auf dem bezeichneten Platze zu stoppen; der Kapitän 
eines einkommenden Segelschiffes aber innfs zeitig die nöthigen Vorkehrungen 
hinsichtlich seiner Segell'ührung treffen, da nur wenig Raum zum Treiben vor 
handen ist, besonders wenn viele Schiffe auf der Rhede anwesend sind. 
Noch möchte ich mir erlauben, den Fremden, die diesen Hafen zutu 
ersten Male besuchen, Vorsicht bei dem Genufs der so beliebten, hier häufig 
Vorkommen den und deshalb billigen Makrelen anzurathen. Wir hätten uns bald 
durch den Genufs von Makrelen, die wir mit auf die Reise genommen und die 
nur zwei Tage im Salz gelegen hatten, vergiftet., obwohl diejenigen, welche wir 
während unseres Aufenthalts in Funchal gegessen hatten, nicht geschadet haben. 
Die Symptome einer solchen Vergiftung sind: Uebelkeit, erschwertes Athmen, 
duukelrothe Farbe des Gesichts, der Hände, der Füfse und der Brust, Erbrechen 
und ein allgemeines Unwohlsein, wie ich es auch in Dr. Falkenstein’s 
„Aerztlicher Rathgeber für Seeleute“ sehr treffend beschrieben fand. Nachdem 
ich die in diesem Buche angegebenen einfachen Mittel augewendet hatte, waren 
wir nach Verlauf von zwei Stunden alle wieder munter uud wohl. Es wäre 
sehr wünschenswert!», dafs jeder Kapitän sich dieses nützliche Buch anschaffto, 
denn einen praktischeren Rathgeber für Schiffsführer für die Erhaltung der 
Gesundheit ihrer Mannschaft und die Behandlung der auf Schiffen vorzugsweise 
auftretendeu Krankheiten, wenn ärztliche Hülfe nicht eingeholt werden kann, 
giebt es wohl nicht.“ 
] ) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet.
	        
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