Eingänge von meteorologischen Journalen etc., August 1883.
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gekreuzt worden. „ Urania“ passirte die Linie in 93,2° O-Lg am 17. Dezember
und „ Wilhelm“ in 92° O-Lg am 16. Dezember. Nach 10° S-Br in 89,6° O-Lg
war „Urania“ am 11. Dezember, „Wilhelm.“ in 87,9° O-Lg ebenfalls am
11. Dezember und „Wega“ in 101,9° O-Lg am 13. Dezember gelangt. Am
26. Dezember befand „ Erwin Rickmers“ sieh in Sicht von Puh Brasse, und am
8. Januar 1883 ankerte die Bark auf der Rhede von Singapore. Es waren
dann 116 Tage verflossen, seit man 50° N-Br verlassen hatte. „Urania“ er
reichte einen Ankerplatz in der Nähe der Flussmündung am 4. Januar und
„ Wilhelm“ y der sich östlich von den beiden Inselgruppen gehalten hatte, that
dasselbe am 3. Januar.
Nachdem „Erwin Rickmers“ in Singapurs die Kohlenladuug entlöscht
hatte, versegelte das Schilf nach Bassein. Man erreichte diesen letzteren Platz
am 18. Februar, dem 19, Tag der Reise. Am 20. März, als das nach Bremen
bestimmte Schiff sich in 10° N-Br und 93,3° O-Lg befand, wurde wieder mit
der Führung des meteorologischen Journals begonnen. Der damals leicht aus
NW wehende Wind veränderte sich am nächsten Tage nach NE und hielt in
dieser Weise an, bis das Schiff von ihm bis zum 2ß. März nach 5,4° N-Br in
89,3° O-Lg geführt worden war. In der Nähe dieses Punktes stellte sich leichte,
zeitweise von langer Stille unterbrochene Mallung ein, aus der sich, nachdem
säe 6 Tage lang angehalten hatte, der leise einsetzende, bald aber an Stärke
zunehmende Westmonsuu entwickelte. Bei frischem Westwinde ging „Erwin
Richners“ am 2. April in 89,2° O-Lg von der nördlichen zur südlichen Halb
kugel über. Am 3. April kreuzte in 89,6° O-Lg die von Akyab Dach dom
Kanal bestimmte Bremer Bark „Joseph Baydn“ den Aequator. Dieselbe war
am 15. März in See gegangen und hatte sich am 20. Mai in 11,7° N-Br und
89,9° O-Lg befunden. Und ebenfalls am 3. April verliefs in 89,2° O-Lg, die am
18. Mai die Heimreise antretende „ Urania“ die nördliche Halbkugel. Der Stand
punkt dieses Schiffes war am 20. März in 12,2° N-Br und 94,4° O-Lg gewesen,
In südlicher Breite verlor der westliche Wind bei „Erwin Rickmers“
seine Stärke bald in solcher Weise, daß südlich von 4° S-Br nur noch leiser,
oft von Stille unterbrochener Zug beobachtet wurde. Nachdem dieser letztere
mehrere Tage vorherrschend aus südöstlicher Richtung gekommen war, ent
wickelte sich aus ihm schliefslicli der SE-Passat. ln dessen, am 14. April in
der Nähe von 10,5° S-Br und 90,4° O-Lg betreteucu Gebiet konnte bei dem für
längere Zeit kräftig wehenden Winde endlich ein befriedigend rascher B'ort-
schritt erzielt werden. Unweit 22,4° S-Br in 65,5° O-Lg, wo der noch immer
frische Wind am 22. April nordöstliche Richtung auaalun, schien die polare
Passatgrenze zu liegen. Das Barometer zeigte dort auf einen Stand von
762,2 mm. Nachdem südlich vom Passatgebiete noch für längere Zeit östlicher
Wind beobachtet worden war, führte derselbe unweit 27° S-Br in 49° O-Lg
eine, in zwei Tagen vollendete Drehung nach links aus, auf welche wieder ein
mehrere Tage anhaltender kräftiger SE-Wind folgte. Bei demselben erreichte
der Luftdruck einen, unweit 27° S-Br in 46° O-Lg, abgelesenen höchsten Stand
von 770,0 mm. Westwinde von längerer Dauer wurden angetroffen, nachdem sich
der Wind am 9. Mai in der Nähe von 34° S-Br in 27,5° O-Lg noch einmal
durch N verändert hatte. Am 11. Mai überstand „Erwnn Rickmers“ in der
Nähe von 34,8° S-Br und 25,2° O-Lg einen ungewöhnlich heftigeu Sturm, der
aus NNE begann und der, nachdem der Wind bei auf 750,1mm gesunkenem
Barometerstände ausgeschossen war nach W, aus letzterer Richtung orkanartig
wehte und welehor sich später nur ganz allmählich mäfsigte. Dieser selbe
Sturm wurde damals von einer ganzen Reihe anderer Deutscher, auf der Heim
reise begriffener Reisschiffe beobachtet. Bei dem eisernen Bremer Vollschiff
„Arcturus“, welches Rangoon am 3. März verlassen hatte, und das sich am
10. Mai Mittags in 36° S-Br und 20,6° O-Lg, am 11. Mai in 35,7° S-Br und
21° O-Lg befand, erreichte der Luftdruck mit 751,4 mm um 8 h p. m. des
ersteren Tages seinen niedrigsten Stand. Hier begann der Sturm aus NNW und
endete aus WSW. Das eiserne Hamburger Vollschiff „Undine“, welches am
11. März von Rangoon abgegangen war, und dessen Schiffsort am Mittage des
11. Mai 35° S-Br in 25,6° O-Lg war, beobachtete einen niedrigsten Barometer
stand von 750,4 mm um ll h p. m. des 10. Mai. Bei diesem, über heftige Ge
witter berichtenden Schiffe begann der Sturm aus NNE und endete aus SW.