712 Von der Ostküste Australiens nach China zur Zeit des NW- resp. NE-Monsuns.
150° O-Lg in 12,9° N-Br am 24. Januar, 140° O-Lg in 16,3° N-Br am 30. Januar,
110° O-Lg in 19,4° N-Br am 3. Februar und 120° O-Lg iu 21,7° N-Br am
6. Februar.
Der NE-Monsun hatte bis nach 9° N-Br NE- bis NNE-Richtung und
welito anfänglich nur leicht, zwischen 5° und 9° N-Br aber frisch, so dafs man
hier Etmale von nahezu 180 Sm machen konnte. Von 9° N-Br bis nach 20° N-Br
und 128° O-Lg war er wieder bedeutend leichter und seine Richtung gowöhnlich
zwischen ENE und ESE Das*Wetter war meistens unruhig und böig, mit Ge
wittern und manchmal starken Regoufällen und bei unruhiger Sec. Die Luft
hatte verschiedentlich ein so drohendes Aussehen, dafs man in der Nähe eines
Orkanfeldcs zu sein glaubte.
Am 19. und 20. Januar, iu der Nähe von 9° N-Br und 158° O-Lg, faud
eine Störung des Monsuns statt, die den Anschein gewährte, als ob in der That
ein Orkan im Entstehen begriffen sei. Am 19. Januar war der Wind frisch
uud böig aus ENE bis E, mit Regenschauern, ln WNW kam eine drohende
aschgelbe Luft auf, die nach und nach den Himmel bezog, während es im Osten
blitzte. Um 10 h p. m. lief der Wind von E nach SE. Gegou l h a. tn. am 20.
trat starker Rogen ein; bald darauf ging der Wind von SE durch SW, W, N
und E wieder bis WSW, so rasch, dafs das Schiff kaum dagegen abfallen konnte.
Dann wurde e< gegen 3 h a.m. still. Gegen Morgen zog die Luft wieder dicht
und diohend aus ENE herauf; indessen folgte darauf um 7 h a. m. nur eine leichte
Briese aus östlicher Richtung, und um I0 h a. tu. wurde es wieder klares Wetter.
Der Luftdruck wurde durch diese Störung des Windes nur wenig beeinflufst,
insofern als die tägliche Periode sich unverändert zeigte, doch war er im Ganzen
ziemlich niedrig, nämlich im Mittel nur 750,5mm.
Von 20° N-Br und 128° O-Lg. wo mau sich am 4. Februar befand, bis
zur Ankunft in Hongkong hatte man den Wind wieder aus ENE bis NE und,
wie es hier, wenigstens iu der ersten Hälfte dos Monsuns, meistens der Fall
ist, sehr frisch und selbst steif, bei trübem Wetter und mit Staubregonschanern
uud begleitet von einer hoben, kurzen, unbequemen See. Diesen Verhältnissen
gegenüber erwies cs sieh als sehr vortheilliaft, dafs man sich vorher in eine gut
uördlichc Position gebracht und zur Ein-cgelung in die China-See die Route
zwischen den Bas/a'-Inseln und Formosa gewählt hatte.
Am 8. Februar um 7 h a. m. wurde Piedra Bianca iu 2 Sm Abstaud passirt,
und um 3 h p. m. desselben Tages ankerte „Gerd Heye“ nach einer Reise von
40 Tagen im Hafen von Hongkong.
Eine allgemeine Uebersicht über die Reise ergiebt:
von Newcastle nneh 30° S-Br die Segeldistanz zu 450 Sm, die Reisedauer zu 3 Tagen,
, 30- S-Br « der Linie „ „ , 1860 , , „ , lß „
. der Linie , Hongkong » » , 3310 » , , , 28 ,
im Ganzen
von Newcastle nach Hongkong die Segeldistanz zu 5620 Sm, die Reisedauer zu 46 Tagen.
Wie man sieht, hatte „Gerd Hege“ gegen das amerikanische Schiff auf
südlicher Breite bedeutend gewonnen, theils infolge des kürzeren Weges, auf
dem er 30° S-Br erreichen konnte, hauptsächlich aber durch die günstige
Gelegenheit, welche er zwischen 30° S-Br und der Linie antraf; im Norden
hatte er dagegen infolge der geringen Stärke de3 Monsuns wieder ziemlich viel
verloren und eine unverhältuifsmäfsig lange Zeit zugebracht. Immerhin mufs
die Reise im Vergleiche zu anderen, dio um dieselbe Zeit angetroten wurden,
als eine reckt gute bezeichnet werden; denn nach Kapt. Ladowig’s Bericht
hatte er einer österreichischen Bark 7 und einer amerikanischen Bark 11 Tage
abgewounen, und drei andere Schiffe, die bei seiner Abfahrt in Newcastle segel-
fertig lagen, waren 9 Tage nach seiner Ankunft noch nickt iu Hongkong an-
gokounuen.