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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

710  Von  der  Ostküste  Australiens  nach  China  zur  Zeit  des  NW-  resp.  NE-Monsuus.

darauf  nahm  sie  in  der  China-See,  wo  sie  recht  nach  W  setzte,  wieder  bis  zu
20  Sm  im  Etmal  ab.
Das  amerikanische  Schiff  verfolgte  anfänglich  dieselbe  Route  wie
„Humboldt“,  indem  es  bei  dem  Winde  auf  B-B.-Halsen  ostsüdostwärts  von  der
Rüste  ab  steuerte;  doch  war  es  am  7.  Februar,  als  der  Wind  südlich  ging,
schon  bis  nach  35°  10'  S-Br  und  159°  10'  O-Lg,  also  etwa  80  Sm  weiter  als
sein  Mitsegler  gelangt,  w r as  wohl  als  ein  unzweifelhafter  Beweis  seiner  gröfseren
Segelfähigkeit  angesehen  werden  darf.  Der  so  gewonnene  Vortheil  ging  indessen
auf  detn  nun  eingeschlagenen  nördlichen  Kurse  zum  gröfsten  Theile  bald  wieder
verloren,  sei  es,  weil  das  amerikanische  Schiff  bei  dem  schralenden  Ostwinde
voller  weghielt,  oder  weil  es  den  Wind  schraler  hatte  als  „Humboldt“.  Am
10.  Februar,  auf  der  Höhe  von  Middleton-JtifS,  hatten  die  Schiffe  sich  einander
wieder  bis  auf  30  Sm  genähert.
Von  Middleton  -  Riff  ab  trennten  sich  die  beiden  Routon.  Während
„Humboldt“  voll  weg  der  Westseite  von  Bampton-Riff  zusteuerte,  suchte  das
amerikanische  Schiff  mehr  Ost  zu  gewinnen,  um  an  der  Ostseite  der  Riffe
passiren  zu  können.  Zu  diesem  Ende  ging  es  am  11.,  12.  und  13.  Februar
bei  nordöstlichem  Winde  wieder  für  längere  Zeit  auf  B-B.-Halsen,  während
„Humboldt“  ohne  Verändern  St-B.-Halsen  beibehielt.  Letzteres  Schiff  erlangte
solcher  Weise  bis  zum  15.  Februar  einen  Vorsprung  von  nahezu  5 i /- J °  Breite,
uud  dies  war  jedenfalls  eine  Ilauptursachc  der  längeren  Reise  seines  Mitseglers.
Auf  seinem  weiteren  Wege  passirte  das  amerikanische  Schiff  etwa  25  Sm
westlich  von  den  D'Entrecasteaux-Ri&vn  und  etwa  40  Sm  östlich  von  San
Christoval  in  der  Salomo  -  Gruppe.  Es  kreuzte  30°  S-Br  in  160°  O-Lg  am
10.  Februar,  20°  S-Br  iu  162,2®  O-Lg  am  16.  Februar,  10°  S-Br  in  163,1°  O-Lg
am  22.  Februar  und  den  Aequator  in  165,4®  O-Lg  am  6.  März.  Mit  Ausnahme
vielleicht  des  Westmonsuns  war  der  Wind  auf  dieser  Route  bedeutend  günstiger
als  auf  der  inneren  Route  des  „Humboldt“.  Im  SE-Passat  wurden  in  Zeit  von
drei  Tagen,  vom  15.  bis  zum  18.  Februar,  673  Sm  zurückgelegt,  was  einer
durchschnittlichen  Fahrgeschwindigkeit  von  9Vs  Kn  entspricht,  und  um  die  Zone
zwischen  2,5°  S-Br  und  0,5°  N-Br,  in  der  „Humboldt“  einen  Aufenthalt  von
8  Tagen  erfuhr,  zu  überschreiten,  waren  hier  nicht  mehr  als  3  Tage  erforderlich.
Anscheinend  war  der  Wind  schon  von  3,5°  S-Br  an  vorwiegend  nordöstlich,
denn  in  dieser  Breite  wurde  die  gröfste  östliche  Länge,  166,5°,  erreicht.  Der
stetige  NE-Monsun  setzte  eben  südlich  der  Linie  ein.
Mit  Hülfe  der  angetroffenen  günstigeren  Winde  und  der  gröfseren  Segelfähigkeit ­
  des  amerikanischen  Schiffes  hatte  dieses  den  vom  11.  bis  zum  15.  Februar ­
  entstandenen  Breitenunterschied  von  5’/^®  schon  am  nächsten  Tage,  nachdem ­
  es  die  Linie  überschritten,  wieder  ausgeglichen.  Am  7.  März  standen  die
beiden  Schiffe  nahezu  in  derselben  Breite,  1,5°  bis  2°  Nord,  das  deutsche  in
152°,  das  amerikanische  aber  11°  östlicher,  in  163“  O-Lg.  Letzteres  hatte  infolge ­
  dessen  bis  zum  Bestimmungsorte  einen  etwa  570  Sm  längeren  Weg  zurückzulegen,
  und  darum  konnte  es,  obgleich  es  auch  im  Norden  der  Linie  eine  bedeutend ­
  gröfsere  Fahrgeschwindigkeit  als  sein  Mitsegler  erzielte,  den  anfänglich
erlittenen  Verlust  vou  zwei  Tagen  nicht  wieder  ciubringen.  Die  eingeschlagene
Route  führte  eben  nördlich  von  Ponape,  also  fast  ganz  aufserhalb  der  Carolinen-Gruppe,
  und  ferner  zwischen  den  Inseln  Rota  und  Tinian  in  der  Marianen-Gruppe
  hindurch.  Man  kreuzte  0°  Breite  in  165,4°  O-Lg  am  6.  März,  160°  O-Lg
in  5,4°  N-Br  am  9.  März,  150°  O-Lg  iu  12,2°  N-Br  am  12.  März,  140°  O-Lg
in  16,7°  N-Br  am  16.  März  und  130°  O-Lg  in  18,8°  N-Br  am  19.  März.  Zwischen ­
  5°  und  18°  N-Br,  wo  ein  sehr  kräftiger  und  beständiger  Monsun  wehte,
wurden  mehrfach  Etmale  von  mehr  als  200  Sm  gemacht,  so  am  9.  März  205,
am  11.  226,  am  12.  256,  am  17.  218  und  am  18.  März  228  Sm.  Von  130°  O-Lg
bis  zur  Balingtang-Strafee  und  in  der  China-See  war  der  Wind  bedeutend
schwächer.  Die  mittlere  tägliche  Segeldistanz  im  NE-Monsuugebiet  betrug
177  Sm  gegen  162  Sm  auf  der  Route  des  „Humboldt“.
Eine  allgemeine  Uebersicht  über  die  beiden  Reisen  ergiebt  sich  aus  dem
Folgenden:
            
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