708 Von der Ostkiist« Australiens nach China zur Zeit des NW- resp. NE-Monsuns.
Stimmung nach der Südküste von China besonders für die ersten Monate des
Monsuns, während gegen das Ende der Jahreszeit, woun der Wind weniger steif
und oft südöstlich ist, die Balingtang-Strafse den Vorzug verdient. Auf Reisen
nach Manila oder Saigon dürfte es atn besten sein, bis Ende Januar etwa die
Route durch die ßo7iujrta«jf-Strafse, später aber die durch die San Bernardino-
Strafse zu nehmen.
Nach Shanghai oder Japan bestimmt, gelangt nmn aus dem Gebiete des
regelmäfsigen NE-Monsuns hinaus, indem dessen polare Grenze im Durchschuitt
nicht nördlicher als in 26° N-Br liegt. Doch ist der Wind bis nach 30° N-Br
noch vorwiegend aus nördlicher und nordöstlicher Richtung. Weiter nördlich,
an der Ostküste von Japan und Nordchina, sind von November bis März Winde
aus N- bis W-Richtung vorherrschend. 1 ) Diesen Verhältnissen gegenüber dürfte
es das Beste sein, nach Shanghai nahezu der direkten Route zu folgen, indem
man durch den nördlichen Theil der Iai-2>cAtt-Gruppe passirt. Nach Japan
bestimmt, sollte man dagegen, bevor 30° N-Br überschritten wird, eine Position
zu erreichen suchen, die den zu erwartenden NW-Wiuden gegenüber so viel
wie möglich luvwärts, d. h. südwestlich, vom Bestimmungsplatze liegt. Im April,
wenn die südlichen und südöstlichen Winde des Sommers herrschend werden,
kann man auch hier der direkten Route folgen.
Bei den vorstehenden Auweisungen ist vorausgesetzt worden, dafs die
Durchfahrt zwischen den Rillen in der Umgebung von 20° S-Br und 160° O-Lg
und dem Nordwestendc von Neu-Caledonien ohuo besondere Anstrengung erreicht
werden kann. Sollte dies aber nicht wohl möglich sein, weil der Wind bei
Antritt der Reise aus östlicher bis südöstlicher Richtung angetroffen wird, oder
weil er im Norden von 30° S-Br aus nordöstlicher Richtung weht, so glauben
wir, dafs es, anstatt zu kreuzen, um die vorbezeichnete Route einzuhalten, besser
sein dürfte, nach der Westseite von Bampton-Hifi abzuhalten. Indessen sollte
mau auch jetzt so viel wie möglich Ost anholen und wenn der Wind, bevor
man 15° S-Br erreicht hat, aus dem westlichen Halbkreise durchkommt, auch
nun noch der Durchfahrt zwischen den Salomo- und Santa GVwr-Inseln zusteuern.
Bleibt der Wind jedoch bis nach 15° S-Br östlich, so nehme man die innere
Route uud steuere jetzt nordwestlich nach der J?os*£f-lnsel, um in eine möglichst
günstige Position gegenüber den zu erwartenden westliehen Winden zu kommen.
Dies empfiehlt sich besonders für die späteren Monate, etwa von Dezember au,
wenn der Westmonsun zur regelmäfsigcren Herrschaft gelangt zu sein pflegt.
In der früheren Zeit wird es besser sein, den direkteren Weg östlich von
Pocklington-Tliti zn nehmen.
Wenn man die Höhe von Kap St. George auf Neu-lrland erreicht hat,
stehe mau mit dem nordwestlichen Winde, den man, wenn nicht eher, hier ge
wöhnlich erhält, durch die nächste passende Durchfahrt zwischen den Inseln
nördlich von Bougainville-lnsel uordostvvärts in den offenen Oceau hinaus und
suche dann wieder unbekümmert um Läugc nur Nord zu machen, um so rasch
als möglich in das Gebiet des günstigen Segelwindes nördlich von der Linie zu
gelangen. Mit dem NE-Monsun nehme man die Route, welche nach der Lage
des ßestimmungsplatzcs und nach der Jahreszeit als die zweckmäfsigsto erscheint,
gemäfs den bereits gegebenen Anweisungen. Es ist nur noch zu bemerken, dafs
es sich hier empfiehlt, bei der Wahl der Kurse zu passender Zeit auf einen
vielleicht später folgenden schralen und steifen Monsun Bedacht zu nehmen.
Auf der östlich von den Neu-Hebriden nach Norden führenden äufseren
Route fielen die Reisen nach Kapt. Allen’s Ermittelungen durchschnittlich be
deutend länger aus, als auf irgend einer anderen, die zu derselben Zeit genommen
wurde, und wird deshalb diese Route für keine Jahreszeit empfohlen.
Zur näheren Beleuchtung der in Rede stehenden Fahrten geben wir jetzt
noch in kurzen Zügen eine Uebersieht über den Verlauf der Reise des „Humboldt“,
verglichen mit der seines Mitseglers, sowie ferner einen Auszug aus dem kürz
lich eingegangenen Journale des Schiffes „Gerd Heye“, Kapt. E. Ladewigs,
welches im Januar und Februar 1883 auf der mittleren Route eine Reise von
Netecastle nach Hongkong ausführte.
') Siehe diese Annalen Jahrgang 1881, pag. 74 und 127 ff.