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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

706 Von der Ostküste Australiens nach China zur Zeit des NW- resp. NE-Monsuns. 
Neu-Caledonien, dann vermittelst der Durchfahrt zwischen den Salomo- und 
Santa Cmz-Inseln nach der Linie in 159° O-Lg und von hier durch die Mitte 
der 6’aroii«e»-Gruppe. 
Die äufsere oder östliche Route folgt der Linie von Newcastle oder Sydney 
nach Norfolk-lme], von hier nach Mattheivs-losel, dann längs dem Meridian von 
171° Ost bis 11° S-Br, darauf nach NNW bis 0° Breite und 166° O-Lg und 
schliefslich durch den östlichen Thoil der Carolinen - Gruppe nach dem Be- 
stimraungsplatze. 
Fafst man zunächst nur die Gröfse der Segeldistanz ins Auge, so erweist 
sich natürlich die innere Route als die vorteilhafteste. Sie hat, wenn man 
als Endpunkte des Weges einerseits Newcastle, andererseits die Balingtang- 
Strafse annimmt, bei dem oben angegebenen Verlaufe eine Länge von rund 
4450 Sm, während sich für die mittlere Route etwa 4900 und für die äufsere 
etwa 5650 Sm als Segeldistanz ergeben. Auch der Anforderung, dafs der Ort 
in der Nähe der Linie, wo die Südgrenze des N E-Monsungebiets überschritten 
wird, weit genug luvwärts liegt, genügt die innere Route vollständig; denn 
selbst die nach China bestimmten Schiffe, welche vom Indischen Ocean kommen 
und auf dem gewöhnlichen Wege durch die Djilolo-Passage das Gebiet des 
Monsuns in etwa 134° O-Lg, also nahezu 20° weiter leewärts erreichen, finden 
in den allermeisten Fällen keine Schwierigkeit, die Ostküste von Luxen auf 
einem Buge frei zu segeln. Es fragt sich aber, ob die Route auch in ihrem 
südlich von der Linie gelegenen Theile bei den vorherrschenden Winden und 
Strömungen bequem eiugehalten werden kann. 
Die Strecke von etwa 12° S-Br bis Neu-Irland ist es, welche in dieser 
Beziehung am meisten Bedenken erregt. Der Kurs ist hier, wenn man den 
Schnittpunkt des genannten Parallels auch möglichst nahe dem Louisiade- 
Archipel nimmt, westlich von Nord. Trifft eiu Schiff nun den Wind aus nord 
westlicher Richtung, wie er der gewöhnlichen Annahme zufolge vorherrschend 
sein soll, so mufs es kreuzen, denn die Salomo-Inseln verhindern, dafs es damit, 
w r ie es am vortheilhaftesten sein würde, auf einem Buge nach Norden und Osten 
stehen kann. Dadurch wird möglicherweise ein langer Aufenthalt verursacht; 
es kann selbst die NothWendigkeit entstehen, dafs man nach langwierigem 
Kreuzen gegen NW-Wind und südöstlichen Strom schliefslich doch noch nach 
dem Südostende der Storno-Gruppe ablialten mufs. Zwischen den Inseln hindurch 
zu gehen erscheint bei der zur Zeit noch vorhandenen Ungeuauigkeit der Karten 
dieser Gewässer nicht wohl räthlich. 
Hauptsächlich wohl aus diesem Grunde wird in den vorher erwähnten 
Segelanweisungen für das ganze südliche Sommerhalbjahr — Abfahrt von 
Australien in Oktober bis März — die mittlere Route empfohlen. Sie führt 
im Gebiete des NW-Monsuns durch ein offenes Fahrwasser, weshalb man im 
Stande ist, bei schralem Winde immer den Bug zu halten, welcher am meisten 
Nord bringt. Sie ist aber auch noch insofern vorteilhafter wie die innere Route, 
als sie das SE-Passatgebiet in einem gröfseren Abstande von der australischen 
Küste durchschneidet und deshalb mehr Aussicht auf einen raumen und be 
ständigen Passat und auf einen günstigen Strom bietet, Die Verhältnisse sind 
hier ähnlich wie in den brasilianischen Gewässern. In der Nähe der Küste 
kommt der Wind im Sommer vorwiegend aus nordöstlicher Richtung, und die 
Strömung setzt nach S und SW, während weiter landabwärts der Wind mehr 
nach E und SE holt und der Strom häufiger in nordwestlicher Richtung setzt. 
Jedenfalls scheint es das Richtigste zu sein, dafs man in erster Linie 
stets die mittlere Route ins Auge fafst. Wie das Beispiel des „Humboldt“ zeigt, 
kann es jedoch verkommen, dafs man im weiteren Verlaufe der Reise, beim 
Aufstcuern nach Norden mit dem Passat, diesen aus einer zu schralen Richtung 
erhält, um die Route einhalten zu können, und glauben wir, dafs man in einem 
solchen Falle auch wohl wagen darf und sogar in den meisten Fällen besser 
thut, für die Fortsetzung der Reise die innere Route zu nehmen. Nach den 
vorliegenden Berichten, sowohl von „Humboldt“, der zwischeu 12° und 4® S-Br 
im Februar 1881 den Wind meistens aus südwestlicher Richtung fand, als auch 
von S. M. S. „Carola“, 1 ) welches im Januar 1883 im Süden der Sa/omo-Inselu 
*) Siehe den Reisebericht Jahrgang 1883, Heft V, dieser Annalen, pag. 277.
	        
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