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Die drei norwegischen Nordmeer Expeditionen 1876—78.
zeigt die Bären Insel deutlich die grofse Thätigkeit der Wellen durch die An
häufung von sedimentären Ablagerungen über dem Boden des Meeres mittelst
der Aushöhlung und Fortführung vou Gestein von deu Küsten. Endlich trägt
auch das in dem Meerwasser so reich entwickelte organische Leben zu solchen
Neubildungen auf dem Boden des Meeres bei.
Die Frage, wie alle diese verschiedenen Agentien zusammengewirkt
haben, um den gegenwärtigen Meeresboden zu bilden, kann nur durch genaue
Untersuchung der Bodenproben selbst gelöst werden. Diese gehörte mit in das
Programm der norwegischen Nordmeer-Expeditionen vou 1876 bis 1878. Wenn
irgend möglich, sollte bei jeder Lothung eine Bodenprobe heraufgeholt werden.
Hierzu dienten für kleinere Tiefen das Röhrenloth und für gröfsere die Loth-
maschiuc von Baillio (s. Ilaudb. f. naut. Instr., pag. 122 u. 125). Mit ihueu
konnten, wenn das Bodenlager mächtig genug war, um die Röhren zu füllen, Boden
proben von bezw. 200 und 700 g Gewicht hcraufgeholt werden. An Bord wurden
diese Proben nach ihrer äufseren Beschaffenheit und ihrem Aussehen sortirt
uud zur späteren genaueren Untersuchung in Glaskruken auf bewahrt. Schon
diese vorläufige Besichtigung ergab, dafs die den Boden des Nordatlautic zu
sammensetzenden sedimentären Ablagerungen von sehr verschiedener Art sind,
welche sich jedoch der Lokalität nach in bestimmte Gruppen theileu lassen,
namentlich ist es die Tiefe, welche auf die Natur und das äufsere Aussehen der
Bodeuablagerungen einen bestimmenden Einilufs ausübt.
Der äufseren Beschaffenheit nach zeigten sich bei einer ersten Besichtigung
der Bodenproben folgende Unterschiede derselben.
Diejenigen sedimentären Ablagerungen, welche, von der Feuchtigkeit be
freit, also im trockenen Zustande, noch einen gewissen Grad von Festigkeit und
Kohärenz zeigen, bezeichnet Schmelck als Thon (clay); die Farbe, welche haupt
sächlich vou dem Grade der Oxydation abhängig ist, bietet hier das am meisten
charakteristische Merkmal für die einzelnen Arten dieser thonigeu Bodenublagc-
rungen. An den seichteren Stellendes Meeres längs der Küsten von Norwegen und
Spitzbergen ist die Oberfläche des Bodens mit einem mehr oder weniger
plastischen Thon vou fast unveränderlicher grauer Farbe bedeckt. Dieser
Küsten-Thou reicht als einzige Bodenablagerung nur selten bis zu Tiefen von
700 bis 900m. Unterhalb dieser Tiefen wird der graue Thon von einem braunen
Thon bedeckt, dessen Farbe von hell- zu dunkelbraun variirt Da, wo er, au
der Westgreuzo des grauen Thons, zuerst auftritt und nur wenige Foraminiferen
enthält, ist er mehr oder weniger sandhaltig und grob gekörnt; Schmelck
nennt ihn Ucbcrgaugsthon. Weiter seewärts, in gröfseren Tiefen, wird er immer
feiner und homogener, bis er zuletzt in diejenige Bodeuablageruug übergeht,
welche die Naturforscher der Expedition „Biloculina-Thou“') genanut haben,
uud der in fast allen Tiefen des durchforschten Nordmeeres bis über 3000 m
angetroffen worden ist (s. nuten sub 2).
In dem östlichen Theile des Nordmeeres zwischen Spitzbergen, Bären
Insel und Nowaja Semlja ist der Meeresboden bedeckt mit einem grünlich
grauen Thon, welcher nur wenige Thierreste enthält; er zeigte sich in seinem
Vorkommen am meisten charakteristisch an den östlichsten Bcobachtungsstationen
und wurde mit dem Namen „Rhabdammina-Thon“ bezeichnet, nach einem daselbst
häufig vorkommenden Genus der Foraminiferen (s. unten sub 3).
Bei der vulkanischen Insel Jan Mayen besteht die Oberfläche des Meeres
bodens in Tiefen von weniger als 1100 m aus einem feinen dunkelgraueu Sande
oder aus sandigem Thon, welcher zahlreiche Partikeln von basaltischer Lava,
vorzugsweise Olivin, enthält. Der dunkelgrauo bis schwarze vulkanische Sand
besteht aus grobkörnigen Partikeln von Lava, Tuff, Olivin, Fcldspath, Augifc,
Hornblende und Magnetit (letzterer macht zuweilen 26—29 Procent der ganzen
Masse aus).
Eiu für das europäische Nordmeer besonders charakteristisches Vorkommen
ist das der gröfseren und kleineren Steine, meistens Kiesel, mit welchen der
Boden au vielen und oft weit ausgedehnten Stellen wie übersäet ist (vgl. diese
Annalen, 1882, pag. 512). Diese Steine sind an den eiuzclnen Fundorten au
Gröfso und Anzahl sehr verschieden; in beider Hinsicht nehmen sie von deu
*) Vgl. diese Annalen, 1881, pag. 581, Anm. 8.