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Die drei norwegischen Nordmeer -Expeditionen 1876—78.
Wie man aas dieser Tabelle ersieht, steht die Stickstoffmenge, welche
11 Seewasser ans der atmosphärischen Luft absorbirt, in einem sehr einfachen
Verhältnifs zur Temperatur t; dieses entspricht nämlich genau der Gleichung:
N (iu ccm ausgedrückt) = 14,4 — 0,23 t.
Diese Gleichung ergiebt, dafs das Seewasser bei niedrigeren Temperaturen
mehr, bei höheren Temperaturen weniger Stickstoff absorbirt; bei 0° absorbirt
es 14,4 ccm. Zwischen Jan Manen und Norwegen euthält das Wasser bei einer
Bodeutemperatur von —1,2° einen geringeren Stickstoffgehalt, als die benach
barten Theile der Bismeertiefc. Hieraus will Tornöo schliefsen, dafs dieses
Wasser seinen Ursprung in dein wärmeren atlantischen und nicht in dem kalten
polaren Wasser haben mufs.
Weniger einfach ist dagegen die Gleichung für die ahsorbirto Sauerstoff-
meuge; zwischen 0° und 10° nähert sich dieselbe am meisten der Gleichung:
0 (in ccm ausgedrückt) — 7,70 — 0,2t -f- 0,05t 2 .
Die relative Zusammensetzung der vom Seewasser absorbirteu Luft ist
somit nicht, wie Bunsen für das destillirte Wasser gefunden hat, unabhängig
von der Temperatur, sondern variirt mit dieser in der Art, dafs der Sauerstoff
gehalt iu dem Intervall von 0° bis 15° um ein ganzes Proceut sich ändert.
Im ganzen sind während dor drei norwegischen Xordmeer-Expeditionen
94 Wasserproben hinsichtlich der in ihnen enthaltenen, von der Kohlensäure
befreiten Luftmengen, d. i. des Sauerstoff- und Stickstoffgehaltes, sowohl an
der Oberfläche, als auch in verschiedenen Tiefen, und au verschiedenen Orten
des norwegischen Nordmeeres untersucht worden.
Ucber die Veränderung des Sauerstoffgehaltes mit der Tiefe giebt
folgende Zusammenstellung Aufschlufs, welche die Sanerstoffmenge in Procenten
der gesammteu Lnftmenge ausgedrückt enthält.
Ti«feniaterv*H
iu
engl. Fad. | m
Anzahl
der
Beob
achtungen
Mittlere Tiefe
engl. Fad. j n»
Mittlerer
Sauerstoft'-
gehalt
0
0
28
0
0
35,31
0— 100
0— 180
6
69
125
33,93
100- 300
180- 550
14
210
385
32,84
300— G00
550—1100
16
420
770
32,50
600-1000
1100—1830
11
684
1250
32,58
1000—1400
1830—2560
6
1192
2180
32,78
; 1400—1760
L
2560—3220
10
1646
3010
32,89 j
Der Sauerstofl'gehalt der im Wasser des Nordmeeres gelösten Luft ist
demnach an der Oberfläche ca 35,3 Proceut, nimmt dann mit der Tiefe zuerst
schnell, darauf langsamer ab, bis er in ca 1100m 32,5 Procent erreicht; von
dieser Tiefe ab findet wieder eine langsame Zunahme bis zu 1200m Tiefe von
32,5 bis 32,89 Procent statt.
Es hat sich dabei hcrausgestellt, dafs südlich von 70° N-Br der Sauer
stoffgehalt im Durchschnitt 34,96 Procent und zwischen den Parallelen von 70°
bis 80° Nord 35,64 Procent beträgt, also eine Abhängigkeit von der Tempe
ratur; in wärmerem Wasser ist dor Sauerstofl'gehalt geringer als in kälterem.
Dies ist auch durch anderweitige Untersuchungen bestätigt: so fand Jacobsen
in der Nordsee gleichfalls im Sommer im Mittel 35,9 Procent Sauerstoff und
Buchanan in den drei grofsen Oceancn im Mittel 33,7 Procent, nämlich als
Minimum 33 Procent in dem Passatgebiet des Stillen Oceans und 35 Procent
als Maximum in der Nähe des antarktischen Oceans.
Für die Kcnntnifs der Variationen in den absoluten Luftmeugen (Sauer
stoff und Stickstoff) ist es geeigneter als Mafs derselben die Menge des
absorbirten Stickstoffes anzuwenden, indem dieser sich mehr unabhängig von
lokalen Zufälligkeiten, wie z. B. von dem Drucke in gröfseren Meerestiefeu,
und nur abhängig von der Temperatur erweist (s. oben).