KeiseUeriihl de,- «leutM-heu VollseliiBV., .Wfjä#‘.
65o
ßemerkuug zur Ausreise der „Wega“ von Cardiff nach Batavia über
die Route westlich oder östlich von den Kap Verde’schen Inseln.
Zur Beantwortung der von Kapt. Leopold gestellten Frage (s. oben) möge
nachstehende Uebersicht der Reisen der Schiffe „Hermann“, „Undine“ und
„Urania“ dienen, welche einen Tag früher als „ Wega“ auf Kanalbreite standen
und westlich von den Kap Fmfe’seben Inseln passirten.
„ Hermann“ verliefs den Kanal am 19. September 1882, schnitt 30° N-Br
am 3. Oktober in 22,5° W-Lg und erreichte die Linie am 20. Oktober iu
25,3° W-Lg. Ferner wurde 30° S-Br in 26,8° W-Lg am 31. Oktober und
0° Länge in 39,5° S-Br am 9. November gekreuzt.
Die Schilfe „Undine“ und „Urania“ schnitten 30° N-Br in 18,6° W-Lg
am 29. September, beziehungsweise in 20,4° W-Lg am 2. Oktober. Den Aequator
erreichten die beiden Schiffe am 19. Oktober, und zwar „ Undine“ in 25,2° W-Lg,
„Urania“ in 22,2° W-Lg. Am 30. Oktober schnitten beide Schiffe den Parallel
von 30° Süd, „Undine“ in 27,7° und „Urania“ in 26,2° W-Lg. Auf 0° Länge
stand „Undine“ am 8. November in 4i,5° S-Br uud „Urania“ am 7. November
in 37,4° S-Br.
Demnach betrug die Reise des „Hermann“ bis zur Linie 31, bis nach
0° Länge 51 Tage, die der „Undine“ bis zur Linie 30, bis nach 0° Länge
50 Tage und die der „ Urania“ bis zur Linie ebenfalls 30 und bis nach 0° Länge
49 Tage, gegen 29 bezw. 49 Tage, welche „ Wega“ benöthigte.
Aus der obigen Zusammenstellung geht also hervor, dafs die drei heran
gezogenen Reisen westlich von den Kap Fm^’sehen Inseln im Mittel um einen
Tag länger ausfielen, als die Reise der „ Wega“ östlich von diesen Inseln.
Yon Batavia versegelfce „ Wega“ nach Tandjong Priock, dem neuen Hafen
in der Nähe von Batavia. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, einige
Mittheilungen über diesen Hafen zu machen. 1 )
Mit einem nicht allzu grolsen Schiffe kann mau bei günstigem Winde in
den Vorhafen you Tandjong Priock einsegeln, denn mau hat daselbst Platz und
Wasser genug, um das Schiff zu Anker zu bringen. Letzteres ist indefs in den
seltensten Fällen nöthig, denn gewöhnlich erhält das Schiff’ zeitig genug einen
Schleppdampfer und einen Hafenlotsen zu seiner Assistenz.
Irgend welche Vorrichtungen, als Krähne u. s. w., zum raschen Entlöschen
und Beladen der Schiffe sind bis jetzt noch nicht vorhanden, doch wird an der
Herstellung derselben rüstig gearbeitet. Immerhin werden aber noch wohl
4—5 Jahre darüber hingehen, ehe die ganze Anlage, wie sie geplant ist, fertig
sein wird, wenn nicht vorher schon den Unternehmern die Geduld ausgeheu
oder Geldmangel eintreten sollte, denn schon jetzt ist der Voranschlag um
einige 20 Millionen Gulden überschritten. Aufserdem soll, wie mir einige Beamte
versicherten, sieh zeigen, dafs die Fundamente der Bauten naebgeben.
Das Löschen und Laden wird gegenwärtig noch allein mit Menschenhänden
ausgeführt. Für das Löschen von Steinkohlen wurde 80 Cts. die Tonne ver
langt. Schiffe, welche Ladung für das Hafenwerk gebracht haben, erhalten
Ballast uud Wasser zu einem billigen Preise. Alle anderen Schiffe müssen ihren
Bedarf an diesen Artikeln von Batavia beziehen, in welchem Falle sich der
Kojang (l*/s tons) auf 47» Gulden stellt. Hierbei ist aber noch zu berück
sichtigen, dafs der gelieferte Kojang meistens nicht mehr als eine Tonne aus
macht. Der Ballast der „ Wega“, eines Schiffes von 1115 Reg.-Tonnen, kostete
165 Lstrl.
Tandjong Priock ist mit Batavia, wovon es etwa 6 Sm entfernt ist, durch
eine Eisenbahn und einen Kanal verbunden. Batavia ist vermittelst der Eisen
bahn in 20 Minuten zu erreichen.
Leider ist Tandjong Priock ein sehr ungesunder Platz. Es ist wohl noch
kein Schiff von dort fortgegangen, von dessen Mannschaft nicht wenigstens drei
Viertel am Fieber erkrankt wai'en. Von der Mannschaft der „ Wega“ erlagen
diesem Fieber zwei Mann, und nur ein Leichtmatrose blieb gänzlich davon ver-
') Vgl. diese Annalen, 1832, pag. 324 uud 325.