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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1942.
Bei der Aufstellung dieser letzten Tabelle fiel es auf, daß die meisten
i-Jahres-Perioden am Ende des letzten Jahrhunderts auftraten, also etwa in dem
zleichen Zeitraum, in dem die Extreme abgeschwächt auftraten.
C. Jahresmittel und Sonnenflecken.
Über den Einfluß der Sonnenfiecken auf Wetter und Klima ist schon viel
geschrieben worden, so daß hier nur ganz kurz darauf eingegangen werden soll.
Da die Sonnenfleckenperiode nicht immer genau gleichlang ist, wurde von
einer einfachen 11- oder 11!/,jährigen Zerlegung der Temperaturreihe abgesehen.
Es wurden vielmehr aus der Zusammenstellung von Thraen®) die Jahre stärkster
Sonnenfleckentätigkeit herausgeschrieben. Von diesen Jahren wurden die Jahres-
temperaturen gemittelt. Weiter wurden die Temperaturen aller der Jahre
gemittelt, die 1, 2,... 5 Jahre vor oder nach einem Fleckenmaximum liegen. Das
Ergebnis dieser Rechnung wird von der folgenden Tabelle wiedergegeben:
+4 3 2 1 0 1 2 3 4 5
Jahre vor Fleckenmaximum Jahre nach Fleckenmaximum
9.14 9.24 9.71 9.45 942 9.09 9.06 9.66 938 941 9.43
Diff, gg. Normal -0.27 -0.17 +0,30 +0.04 +0.01 —-0.32 -—0.35 +0.25 —-0.03 +000 +0.02
Die Tabelle zeigt die allgemeinbekannte Tatsache, daß die Jahrestemperatur
zur Zeit des Fleckenmaximums meist etwas unter Durchschnitt, in diesem Fall
um 0.35°, liegt. Sie zeigt aber auch, daß die Temperatur in Zeiten des stärksten
Zu- und Abnehmens der Flecken, also in Zeiten der größten Veränderung der
Fleckenanzahl, über dem Durchschnitt liegt. Man sieht daran, daß man dem
Problem der Zusammenhänge zwischen Sonnenflecken und Temperaturen nicht
einfach mit einem Korrelationskoeffizienten aus Fleckenzahl und Temperatur
beikommen kann, da die Minima nicht einfach den entgegengesetzten Effekt wie
die Maxima hervorrufen. Das wird besonders deutlich, wenn man das obige
Verfahren umkehrt und als Zentraljahr nicht das Fleckenmaximum, sondern das
Fleckenminimum nimmt,
4 3 2 1 i 2 3 4 5
Jahre vor Fleckenminimum Jahre nach Fleckenminimum
9.33 9.55 9.39 9.45 9.37 9.20 953 932 958 9.10 9.72
Diff. gg. Normal —-0.08 +0.14 —-0.02 +0.04 —-0.04 —0.21 +012 —-0.09 +017 —0.31 +0,31
An dieser Reihe ist so gut wie keine Gesetzmäßigkeit zu ersehen, Es ist ledig-
lich beim Fleckenminimum auch ein Temperaturminimum angedeutet, wobei aber
gleich zu bemerken ist, daß der mittlere Fehler in der Größenordnung + 0.3°
ist. Ein Teil dieses mittleren Fehlers geht zwar zu Lasten der säkularen Klima-
schwankung; aber wenn man diese berücksichtigt, vermindert er sich nicht
wesentlich, Bei der Bewertung dieser zweiten Aufstellung muß man weiter be-
rücksichtigen, daß das Sonnenfleckenminimum meist sehr breit ist, so daß sich
häufig nur mit einer gewissen Willkür ihm ein bestimmtes Jahr zuschreiben läßt.
Zusammenfassend läßt sich über den Zusammenhang der Sonnenflecken und
der mittleren Jahrestemperatur von Prag sagen, daß die Temperatur die Neigung
zeigt, bei starker Zu- und Abnahme der Sonnenflecken übernormal zu sein,
während sie in der Nähe der Fleckenminima und vor allem der Fleckenmaxima
yern zu niedrig ist.
D. Säkulare Schwankungen der Jahrestemperatur.
Eine wesentliche Frage, die sich einem bei der Betrachtung einer langen
Reihe meteorologischer Beobachtungen aufdrängt, ist die nach einer Veränder-
lichkeit des Klimas. Gerade bei der Behandlung dieser Frage kommt es uns
zut zustatten, daß die vorliegende Temperaturreihe von Prag homogen ist, denn
bei diesen Untersuchungen können geringe Änderungen in der Aufstellung des
Thermometers schon wesentliche Klima„brüche‘“ vortäuschen,
Daß durch eine lange Zeit hindurch die Winter wärmer geworden sind, ist
durch zahlreiche Arbeiten nachgewiesen worden, die gleichzeitig eine Zunahme
der Ozeanität und überhaupt der ganzen zonalen Zirkulation konstatierten. Die
5) A, Thraen, Die Sonnenfleckenwelle nach den definitiven Relativzahlen der Züricher Reihe
1749 bis 1940). Zsehr. Das Wetter 1941. S. 105