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Reiseberichte S. M. S. »Elisabeth“.
sonst ist sie schwer zu entdecken; doch giebt das gelbe Flufswasser, welches
in einer dünnen, aber beinahe massiv zu nennenden Schicht fast wie Oel auf
dem Meerwasser schwimmt, für die Nähe des Flusses einen Anhalt. Nach der
Karte glaubt man, Richard9 Pt. und Dalbens Pt. seien niedrige sandige Land
zungen, doch sind sie mit hohem dichtem Gehölz bestanden, und nur vom
Ankerplatz auf .Addafe-Rhede, der ungefähr westlich 2—3 Sm von Dolbens Pt.
entfernt ist, konnten diese Punkte erkannt werden, — so nahe schienen die
Bäumo beider Ufer zusammenzustol'seu.
Addah 1 ) selbst ist auf der Karte nicht verzeichnet. Die Faktoreien liegen
dicht am Strande zwischen 0° 39'—0° 40' O-Lg und nicht, wie nach der Karte
angenommen werden kann, beim Fort Kongensteen. Die Landung in Addah ist
ähnlich schwierig wie in Whydah, am leichtesten soll sie zu bewerkstelligen
sein bei Niediigwasser, während bei und nach Hochwasser die Landungsverhält
nisse sehr ungünstig sein sollen. Die Tonne auf der Volta-Barre konnte nicht
gefunden werden und scheint auch nicht vorhanden zu sein. S. M. S. „Elisabeth“
lag in der Peilung: westlichste deutsche Faktorei N 3 /*0, Dolbens Pt. Ost, in
12m Wasser, Grund: Sand, Kies und Muschelschalen, zu Anker. Die Lichter
von Addah wurden nur bis 11 Uhr bemerkt. 32 Sm westlich von Addah ändert
sich die Landformation, und wird von hier bis nach Elmina ein Zurechtfluden
leicht, sobald das Wetter so klar ist, dafs die im Lande liegenden Berge, von
denen besonders der Pik von Ningo Grande und die Crobo Hills gute Marken
sind, sichtbar sind. Die kleinen Erhöhungen am Ufer und dicht hinter dem
selben sind kaum bemerkbar, während man nach der Karte annehmen mufs, in
ihnen gute Landmarken zu haben.
Prampram.*) Die Wracktonne auf der FismoM-Bank ist nicht vorgefunden
worden; die Bank selbst erstreckt sich auf dem Meridian des Fort Veimon
und etwas östlich davon weiter südlich, als die Karte angiebt. S. M. S.
„Elisabeth“ lag in der Peilung: Fort Vemon Nz0 3 /s0, Grande Ningo NN0 3 /s0,
Crobo höchster Hügel N‘/*0, in 13m Wasser zu Anker. Grund: Gelber Sand
mit kleinen Steinen und Muschelschalen. Die Landung ist mit Surfbooten nicht
schwierig.
Ueber Accra, Winnebah, Apam, Cape Coast Castle — hier fuhr S. M. S.
„Elisabeth“ dicht vorbei — und Elmina 3 ) ist nichts besonderes zu erwähnen; das
Auffinden dieser Plätze ist leicht. Accra, Cape Coast Castle und Elmina fallen
mit ihren massiven Forts und den zahlreichen weifsen Gebäuden genügend ins
Auge, Nachts geben für Accra und Cape Coast Castle deren Leuchtfeuer Anhalt,
und Elmina liegt noch innerhalb des Cape Coast 6asrfe-Feuerkreise3, für Winnebah
und Apam dienen die Berge und Kaps als gute Orientirungsmarken, die Anker
plätze ergeben sich für diese Orte aus der Karte. Elmina ausgenommen, wo
mit Schifl'sbooten gelandet werden kann, müssen überall Surfboote zum Verkehr
benutzt werden. Auf der Weiterfahrt von Elmina wurde die Küste nicht mehr
verfolgt und das Land erst wieder mit Tagwerden am 11. August östlich
vou Achowa Pt. gesichtet. Die Vertonungen hierüber in der Karte Tit. VI,
N0. 124 (Br. Adm.-Karte N0. 1359) wurden in der Strecke Achowa—Bushan
als sehr gut befunden.
Von Anim an ist die Küste wieder flach und giebt nur Anhalt für
Orientirung, wenn man sich dicht in ihrer Nähe hält, erst im westlichen Theile
der Bucht zwischen den Kaps Palmas und Three Points, vom Meridian der
Oval Mountains an, kann man an der Hand der Berge den Schiffsort ausmachen,
wenn man von See kommt.
Die an der G«i«ra-Küste zwischen Whydah und Kap Palmas Vorgefun
denen Strömungen sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt.
Ein Einflufs von Ebbe und Fluth auf die Strömungen ist nicht bemerkt
worden, wo es nicht unter „Bemerkungen“ besonders hervorgehoben ist.
Ueber die an der Goldküste im August Vorgefundenen meteorologischen
Verhältnisse ist Folgendes zu berichten: Der Wind hielt sich zwischen W und SW,
nie über die Stärke 3 hinausgehend; die Barometerstände änderten wenig und
„Afriea Pilot“, Part I, 1880, pag. 272. Vgl. Taf. 13 iu diesem Heft.
*) a. a. O. pag. 270.
3) S. Taf. 13 in diesem Heft.