Reiseberichte S. M. S. „Elisabeth*.
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Aus den ReiseberichtenS. M. S. „Elisabeth“, Kapt. z.See Hollmann.‘)
(Hierzu eine Tafel mit Iiiistenansichten von Guinea. Taf. IS.)
Beiträge zur Kartographie und Hydrographie der Küste von Guinea.
lieber die bei der GuAoon-Mündung (Libreville) und während der Fahrt
S. M. S. „Elisabeth“ von dieser aus längs der Küste von Guinea Ende Juli
bis Mitte August von dem Kommandanteu, Kapt. z. See Hollmann, gesammelten
kartographischen und hydrographischen Erfahrungen berichtet dieser Nach
stehendes:
„Gdboon.*) Die Ansegelung des Flusses bietet, so lange das Wetter leidlich
ist, keine Schwierigkeiten, trotzdem auf eine bestimmte Strömung mit Sicherheit
nicht zu rechnen ist. S. M. 8. „Elisabeth“ hatte am 23. Juli eine starke nördlich
setzende Strömung erfahren 5 ) und fand dagegen am 24. eine südliche Versetzung,
obgleich der Wind südwestlich und südlich war; aber auch ohne Kenutnifs der
Stromverhältnisse wird beim lnsichtkommen des Landes eine Orientirung bald
zu ermöglichen sein: steht man nördlich der Flufsmündung, dann müssen die
Form der Halbinsel am Kap Esterias und Coriseo 1. dies bald klar legen;
südlich der Mündung ergiebt die ziemlich gleichmäfsig Nord—Süd verlaufende
Küste, die nur niedrig und fast durchweg dicht bewaldet ist, für die ungefähre
Position den Anhalt. Die erste gute Landmarke wurde von S. M. S. „Elisabeth“,
welche das Land südlich der Mündung zuerst sichtete und dann der Küste
mit nördlichem Kurse folgte, erst in dem Kap Combé gefunden, dieses markirt
sich scharf und ist auch in den Skizzen des „Africa Pilot“ gut wiedergegeben;
ebenso sind gute Marken und zu Peilungen geeignet Pongara Pt. mit der Funnel-
Bake und dem Fetisch-Gehölz. Die Bake auf Kap Combé ist nicht vorhanden,
sie wurde weder beim Einsegeln noch beim Aussegeln bemerkt, sie scheint
auch überflüssig zu sein; für Schiffe, die von Süden oder Westen kommen,
markirt das Kap sich durch seine vorspringende Lage genügend selbst, von
NW aus ist es daran zu erkennen, dafs von ihm aus Felsen, anscheinend
Geröll, bis in das Wasser hineinreichen; dieselben heben sich sehr deutlich
dunkel auf dem hellen Sande des ziemlich breiten Strandes hervor; es sind
dies die einzigen derartigen Felsen von Pongara Pt. bis ca 8 Sm südlich vom
Kap Combé Pt., soweit bemerkt werden konnte.
Die Bake bei Kap Joinville konnte beim Einsegeln nicht gefunden werden,
Nachmittags beim Verlassen des Hafens, wo sie in besserer Sonnenbeleuchtung
stand, trat sie hingegen ausgezeichnet hervor. Bei klarem Wetter ist Mount
Bouet, unter Benutzung der guten Vertonung hierüber in der amerikanischen
Segelanweisung, ein brauchbares Ansegelungs-Objekt. Ob die Tonnen genau auf
den in der Karte angegebenen Punkten liegen, konnte nicht konstatirt werden;
ungefähr stimmen die Positionen jedoch, auch waren alle auf der Karte an
gegebenen Tonnen vorhanden. Zu bemerken über dieselben ist: No. 1 und 2
sind gut sichtbar und kenntlich an der Kugel; die Themis-Tonne, eine flache
Tonne, ist sehr niedrig und schlecht zu sehen, sie wurde wohl nur wegen der
überaus günstigen Beleuchtung — die Sonne stand ziemlich niedrig im Wasser
und hob so den dunklen Körper auf dem stark spiegelnden Wasser hervor —
diesseits Nachmittags beim Aussegelu bemerkt. Hat man erst die Tonnen
No. 1 und 2 gefunden — diese sind ja die eigentliehen Ansegelungstounen —
dann sind die übrigen Tonnen auch bald zu sehen, doch ist hervorzuheben, dafs
man sich nicht auf die Farbe derselben verlassen kann; die beim Einfahren
rechts liegenden sollen roth und weifs, die der linken Seite sollen schwarz
sein, einzelne der rechten Tonnen liefsen noch Spuren der Farben erkennen,
die Tonnen der linken Seite schienen aber auch roth zu sein, so sehr waren
sie durchgerostet. Die amerikanische Segelanweisung „West Coast of Africa“
und der englische „Africa Pilot“ geben die Tonnen in ihren Farben auch
falsch an.
>) S. „Ann. d. Hydr. etc.“ 1883, pag. 445,
*) „Africa Pilot“, Part. II, 1875, pag. 28.
3) Vgl. Flaschenpost S. M. S. ,lilisabttk*, pag. 084.