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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

642 
Tägliche Aenderungen der Windstärke, 
Breite 44° 
Ort Toronto 
Max.: Mio. 1,7 
»/©beim \ rß 
Maximum f 
45° 47° 48° 52® 53‘/i 
60® 
Hali 
fax 
1.4 
4,6 
Bern Wien 
(2,7) 1,25 
(8,9) 4,4 
Kra- 
Ox- 
Li ver- 
Ham- 
Peters- 
Upsala 
kau 
ford 
pool 
bürg 
bürg 
1,98 
1,4 
1,4 
1,25 
1,27 
1,52 
6,5 
4,6 
4,6 
4,1 
4,2 
5,0 
Das Verhältnis der Windgeschwindigkeit zum Gradienten bleibt hiernach 
auch beim täglichen Maximum der Windstärke allgemein weit zurück hinter dem 
für Bewegung ohne Reibung berechneten. Die obigen Zahlen sprechen also 
durchaus für die Zulässigkeit einer Erklärung der täglichen Windperiode durch 
das Eingreifen von Luftmassen, die unter geringerer Reibung flössen; zugleich 
entspricht ihr Anwachsen nncli dem Aequator zu vollständig der Theorie, welche 
auf Grundlage der oben S. 641 gelieferten beiden Zahlenreihen nach dem Aequator 
hin eine rasche Verstärkung in dev Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der 
Höhe und ans diesem Gruude auch eine rasche Zunahme der täglichen Schwankung 
in der Windgeschwindigkeit verlangt. Der Einflufs der Reibung ist eben beim 
Aequator unvergleichlich gröfser als in höheren Breiten. 
Wir müssen die aus der Erfahrung direkt gewonnenen Werthe des Ver 
hältnisses der Windgeschwindigkeit zum Gradienten als die für die untere Luft 
schicht wirklich geltenden und für die Vorgänge in derselben mafsgebenden 
aDsehcn, wenngleich man nicht mit Unrecht bemerken könnte, dafs eine völlig 
genügende Erklärung für den Widerspruch zwischen diesen Zahlen und den 
mittelbar aus der Gröfse des Ablenkungswinkels (Winkel zwischen Wind und 
Gradient) gewonnenen noch nicht gegeben ist. Die nach der Formel 
y, = .- a — (vgl. diese Annalen 1882 S. 283) 
Q 2 mwsm <j> 
berechneten Wcrthe stellen sich nämlich im Allgemeinen in der gemäfaigten 
Zone auf mehr als das Doppelte der obigen. Die Erklärung von Gnldberg und 
Mohn (Oesterr. Zeitsehr. 1877 S. 59), dafs die unterste Schicht der Atmosphäre, 
welche sie die Uebergangszone nenneD, „die Bewegungsrichtung des Stromes 
hat, jedoch von der Erde zurückgehalten und von dem Strome mitgeschleppt 
wird“ kann nicht ganz befriedigen, so lange der Nachweis fehlt, warum die 
Reibung hier die Richtung so ganz anders, nämlich viel weniger, beeinflussen 
soll, als die Geschwindigkeit. Aus dem Verhalten der niedersteigenden 
Luftmassen während ihrer Verzögerung durch die zunehmenden Widerstände 
scheint eine solche Verschiedenheit sich nicht ableiten zu lassen. Doch lehrt 
uns der Thatbestand jedenfalls, die aus Messungen des Ablenkungswinkels ab 
geleiteten Werthe für die Reibung nicht als einen wirklichen Ausdruck der 
Zustände in der untersten Luftschicht zu betrachten. 
Wenn ich mich im Obigen bemüht habe, zu beweisen, dafs die Auffassung 
der täglichen Periode der Windstärke als eines Resultats der periodischen 
Aenderung in der Intensität des vertikalen Luftaustausches, ohne wesentliche 
Aenderung des Gradienten, fast alle bekannt gewordenen Züge in dieser Periode 
ausreichend zu erklären vermag, so liegt es mir doch fern, zu behaupten, dafs 
Schwankungen in der Gröfse des Gradienten nicht ebenfalls zur 'Verstärkung 
oder Umgestaltung dieser Periodo mitwirkten. So ist die ausgeprägte tägliche 
Periode der Gewitter ganz gewifs wegen der mit dem Gewitter verbundenen 
Druckstufen 1 ) und Stofswinde von Einflufs auf die Mittelwerthe des täglichen 
Ganges der Windstärke; vou manchen ganz abnormen Erscheinungen, wie von 
den starken Abend- und Nachtwinden während der trockenen Jahreszeit in der 
Nähe des unteren Congo, von denen mir der soeben von dort zurückkehrende 
bekannte Meteorologe Freiherr von Danckelmann mündlich interessante 
Einzelheiten mittheilte, wird es wohl noch längere Zeit dauern, bis eine zuver 
lässige Erklärung dafür gefunden sein wird; eher müfste dieses mit der in 
mitten eines ziemlich dichten Beobachtungsnetzes liegenden Station Modena 
bald zu erwarten sein, welche ebenfalls von der ungeheuren Mehrheit der 
») Vgl. diese Annalen, 1882, pag. 723.
	        
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