'lügHeile Aeu'iermigeii der Windstärke.
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Wind und Gradient in meinem Aufsätze von 1879 nicht nur früher festgestellt,
sondern auch genügend erklärt sei, erwiderte Abercromby, er könne meine
Auffassung nicht theilen, weil er häufig eine starke Variation in der Wind
stärke beobachtet habe in Fällen, wo die oberen Luftströmungen nicht nur
langsamer, sondern sogar entgegengesetzt gerichtet waren. Abgesehen davon,
dafs es zweifelhaft bleibt, ob Herrn Abercromby für die Geschwindigkeit der
oberen Luftströmungen wirklich genügende Beobachtungsdateu Vorlagen, scheint
mir diese Bemerkung von einem Mifsverständnisse Zeugnifs zu geben; denn ich
habe nie angenommen, dafs die Luftmassen, welche um die wärmste Tageszeit
der untersten Luftschicht die raschere Bewegung verleihen, aus so grofser Höhe
stammen, wo die Cumulus- oder Cirrus-Wolken schweben, an denen man
gelegentlich die von Herrn Abercromby erwähnten abweichenden Bewegungen
sehen kann; sondern diese Massen werden in der Regel nur wenige Hunderte
oder gar Zehner von Metern hei abgestiegen sein. Dafs bis zu diesen geringen
Höhen die Windgeschwindigkeit fast stets zunimmt, dafür sprechen die Theorie
und alle Versuche mit Ausnahme etwa der kurzen in Brüssel angestellteu Reihe;
allein es ist unleugbar, dafs weitere Erfahrungen auf diesem Gebiete dringend
nothwendig sind. Gegen den Ausspruch von Abercromby mufs ich aber noch
geltend machen, dafs er zu weit geht, wenn er die tägliche Periode der Wind
stärke lediglich dem Wechsel des Verhältnisses zwischen Gradient und Wind
stärke zuschreibt und also die Konstanz des mittleren Gradienten behauptet;
ich wenigstens zweifle nicht, dafs auch die Mittelworthe des Gradienten, wegen
des vorzugsweisen Auftretens der Gewitterstürmc am Nachmittag, eine geringe
tägliche Periode haben, welcher auch iu vielen Fällen ein Tbeil der täglichen
Periode des Windes zu verdanken ist.
Die beiden Arbeiten von Hamberg sind vorzugsweise dem Nachweis
gewidmet, dafs die Differenz zwischen dem täglichen Maximum und Minimum
der Windgeschwindigkeit bei starken Winden gröfscv sei als bei schwachen.
Herr Hamberg findet in dem von anderen Autoren angewandten Verhältnis
zwischen diesen beiden Werthen keinen richtigen Ausdruck für die Gröfse der
täglichen Schwankung. Er bemerkt in seinem zweiten Aufsatz mit Reckt, dafs
unter „Amplitude“ in der Physik stets die Schwankungsweite und nicht das
Verhältnifs Maximum zu Minimum verstanden werde, während Hann in seinem
Referat (Zeitschr. 1880, pag. 458) *) das letztere als „die tägliche Amplitude
der Windstärken nach dem natürlicheren Mafse“ bezeichnet hat; allein daraus
folgt nur, dafs der Ausdruck Amplitude in diesem Fallo kein glücklich gewählter
war; dafs und warum dieses Verhältnifs trotzdem ein besseres Mafs für die
Schwankungsgröfse giebt, als die eigentliche Amplitude, werden wir sogleich
sehen. Vorerst noch die Bemerkung, dafs diejenigen, welche das Verhältnifs
von Maximum zu Minimum nehmen, hiermit im Grunde schon die Voraussetzung
aussprechen, dafs die Amplitude unter sonst gleichen Umständen der Wind
geschwindigkeit proportional sein werde und die Unterschiede in der letzteren
demnach wie eine Skalenänderung behandelt werden könnten. Der von Herrn
Hamberg erbrachte Nachweis, dafs bei starken Winden die Differenz zwischen
Maximum und Minimum der Windgeschwindigkeit gröfser ist, als bei schwachen,
enthielt deshalb nichts Unerwartetes und bedurfte kaum eines solchen Auf
wandes von Arbeit und Polemik; immerhin sind die von ihm mit grofsem Fleifsc
ermittelten Zahlenwerthe iu manchen Beziehungen für die noch so neue Frage
lehrreich.
Was nun die Zweckmäfsigkeit des einen oder des anderen Maises für
die Gröfse der täglichen Periode der Windstärke betrifft, so hängt die Ent
scheidung darüber durchaus von der Stellung der Frage ab, die wir unter
suchen wollen. Da jedoch die Stärkeperiode jedenfalls zum grölseren Theile
durch eine Aenderung des Verhältnisses der Windstärke zu dem sich nicht
wesentlich ändernden Gradienten bewirkt ist, so ist die Veränderlichkeit dieses
Verhältnisses das Hauptobjekt der Untersuchung. Sind v u und v 4 die Wind
geschwindigkeiten in der Nacht und am Tage bei dem kleinen Gradienten g,
V„ und Va die gröfseren Windgeschwindigkeiten bei dem gröfsere» Gradienten G,
1) In dem Aufsatz von Hann in den „Sitzungsber.^ ist ^Amplitude* noch im Sinne der
Differenz zwischen Maximum und Minimum gebraucht.