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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Täglich« Acixlerimgcn der Windstärke. 
verwechseln, wenngleich letztere vielfach den ersten Anstofs zur Ausbildung 
jener erstcren geben dürften. Diese an den Ort gebundenen, periodisch in der 
selben Richtung wirkenden Druckdifferenzen können — im Gegensatz zu jenen 
beweglichen — nur gewisse Windrichtungen verstärken, andere dagegen 
schwächen. 
Dafs indessen diese Ursache nur einen kleinen Tlieil des Phänomens der 
täglichen Periode der Windstärke erklärt, ersieht man daraus, dafs die mittäg 
liche Verstärkung des Windes gerade in solchen Fällen sehr ausgeprägt vor 
handen ist. wo nachweisbar diese Erklärung nicht möglich ist, nämlich bei 
grofsen, ihre Richtung annähernd konstant behaltenden Luftströmen: so beim 
Passat iu dev trockenen Jahreszeit im Inneren Afrika’s und Südamerika^ und 
hei anhaltenden Ostwinden mit beständigem heiterem Wetter in der gemäfsig- 
ten Zoue. 
Die Wirksamkeit der anderen Ursache, welche wir demnach als die 
Hauptursacho des ganzen Phänomens ansehen müssen, ist an sich leicht einzu- 
sehen. Die Geschwindigkeit der Luftbewegung nimmt im Allgemeinen wegen 
der Abnahme der Reibung von der Erdoberfläche bis zu bedeutenden Höhen 
zu. Wenn deshalb Luftmassen aus der Höhe au die Erdoberfläche gelangen, 
bringen dieselben in der Regel eine gröfsere horizontale Geschwindigkeit mit, 
als sie die in anhaltendem Kontakt mit dem Boden stellenden Luftmassen unter 
demselben Gradienten besitzen. 
Da kalte Luft — bei gleichem äufserem Drucke — dichter resp. schwerer 
ist, als warme, so ergiebt sieh, wenn die Gröfsc der Temperatur-Abnahme mit 
der Höhe über eine gewisse Grenze steigt, ein sogenanntes labiles Gleichgewicht, 
d. h. eine ins Sinken gekommene Luftmasse wird dichter, als ihre Umgebuug, 
und erhält immer mehr Antrieb zu weiterem Sinken, und umgekehrt eine ins 
Aufsteigen gekommene zu weiterem Aufsteigen. Die vertikale Temperatur- 
Abnahme, welche diesem labilen Gleichgewicht entspricht, beträgt 1° auf 100m 
für trockene Luft und zwischen '/* 0 und 1° für feuchte Luft. Wird dieser 
Grenzwerth über einer größeren Fläche überall oder theilweise erreicht, so 
bildet sich ein Spiel von auf- und absteigenden Luftströmen, welches sich bei 
feuchter Luft durch hochgethürmte Haufeuwolken und blaue Zwischenräume zu 
erkeunen giebt; die ersteren repräsentiren Luftmassen, welche im Aufsteigen 
und zufolge der dabei stattfindenden Druekverininderung im Erkalten begriffen 
sind, wobei ein Thcil ihres Wassergehalts sich in Gestalt kleinster Tröpfchen 
ansscheidet, welche die Wolken bilden; die nebelfreien Zwischenräume dagegen 
werden durch niedersinkeude Luftmassen gebildet, welche im entgegengesetzten 
Prozefs der Druckzunahme und Erwärmung begriffen sind und infolge dessen 
sicli vom Sättigungspunkte mehr und mehr entfernen. Die mittlere Uröfse der 
Temperatur-Abnahme nach der Höhe ist nun in den wärmsten Tagesstunden 
am bedeutendsten, während in der Nacht die Unterschiede in der Temperatur 
zwischen oben und unten gering werden, ja sogar in klaren Nächten bis zu 
gewissen Höhen regelmäfsig eiue Umkehrung derselben eintritt, indem die 
Temperatur am Erdboden tiefer sinkt, als in der Höhe, was ein sehr stabiles 
Gleichgewicht der Luft und eine sehr geringe vertikale Luftcirkulatiou zur Folge 
hat. An ruhigen Tagen mit kräftiger Sonnenwirkung, also bei uns vorwiegend 
in der warmen Jahreszeit, tritt hingegen jener labile Gleichgewichtszustand in 
der Regel einige Stunden nach Sonnenaufgang ein, und hört derselbe noch vor 
Sonnenuntergang wieder auf. Die tägliche Periode der Windstärke hat die 
gröfste Aehnlichkeit mit der täglichen Periode der Cumulus-Bildung, obwohl 
die Verknüpfung beider Erscheinungen durchaus keine durchgehende ist, weil 
die Bildung der Haufenwolken einerseits eine gewisse Luftfeuchtigkeit voraus 
setzt und andererseits au vertikale Strömungen gebunden ist, die keineswegs 
bis zur untersten Luftschicht herabzureichen brauchen. 
Die Richtigkeit dieser Anschauungen wird dadurch bewiesen, dafs eine 
beträchtliche Reihe von Schlufsfolgerungeu, welche sich nothwendig aus den 
selben ergebon, von der Erfahrung durchaus bestätigt wird. Wir wollen zu 
nächst einige Momente auführen, die schon bei der Aufstellung der Theorie im 
Jahre 1879 bekannt waren und von mir berücksichtigt wurden, und diesen 
einige erst später gefundene folgen lassen.
	        
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