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Täglich« Acixlerimgcn der Windstärke.
verwechseln, wenngleich letztere vielfach den ersten Anstofs zur Ausbildung
jener erstcren geben dürften. Diese an den Ort gebundenen, periodisch in der
selben Richtung wirkenden Druckdifferenzen können — im Gegensatz zu jenen
beweglichen — nur gewisse Windrichtungen verstärken, andere dagegen
schwächen.
Dafs indessen diese Ursache nur einen kleinen Tlieil des Phänomens der
täglichen Periode der Windstärke erklärt, ersieht man daraus, dafs die mittäg
liche Verstärkung des Windes gerade in solchen Fällen sehr ausgeprägt vor
handen ist. wo nachweisbar diese Erklärung nicht möglich ist, nämlich bei
grofsen, ihre Richtung annähernd konstant behaltenden Luftströmen: so beim
Passat iu dev trockenen Jahreszeit im Inneren Afrika’s und Südamerika^ und
hei anhaltenden Ostwinden mit beständigem heiterem Wetter in der gemäfsig-
ten Zoue.
Die Wirksamkeit der anderen Ursache, welche wir demnach als die
Hauptursacho des ganzen Phänomens ansehen müssen, ist an sich leicht einzu-
sehen. Die Geschwindigkeit der Luftbewegung nimmt im Allgemeinen wegen
der Abnahme der Reibung von der Erdoberfläche bis zu bedeutenden Höhen
zu. Wenn deshalb Luftmassen aus der Höhe au die Erdoberfläche gelangen,
bringen dieselben in der Regel eine gröfsere horizontale Geschwindigkeit mit,
als sie die in anhaltendem Kontakt mit dem Boden stellenden Luftmassen unter
demselben Gradienten besitzen.
Da kalte Luft — bei gleichem äufserem Drucke — dichter resp. schwerer
ist, als warme, so ergiebt sieh, wenn die Gröfsc der Temperatur-Abnahme mit
der Höhe über eine gewisse Grenze steigt, ein sogenanntes labiles Gleichgewicht,
d. h. eine ins Sinken gekommene Luftmasse wird dichter, als ihre Umgebuug,
und erhält immer mehr Antrieb zu weiterem Sinken, und umgekehrt eine ins
Aufsteigen gekommene zu weiterem Aufsteigen. Die vertikale Temperatur-
Abnahme, welche diesem labilen Gleichgewicht entspricht, beträgt 1° auf 100m
für trockene Luft und zwischen '/* 0 und 1° für feuchte Luft. Wird dieser
Grenzwerth über einer größeren Fläche überall oder theilweise erreicht, so
bildet sich ein Spiel von auf- und absteigenden Luftströmen, welches sich bei
feuchter Luft durch hochgethürmte Haufeuwolken und blaue Zwischenräume zu
erkeunen giebt; die ersteren repräsentiren Luftmassen, welche im Aufsteigen
und zufolge der dabei stattfindenden Druekverininderung im Erkalten begriffen
sind, wobei ein Thcil ihres Wassergehalts sich in Gestalt kleinster Tröpfchen
ansscheidet, welche die Wolken bilden; die nebelfreien Zwischenräume dagegen
werden durch niedersinkeude Luftmassen gebildet, welche im entgegengesetzten
Prozefs der Druckzunahme und Erwärmung begriffen sind und infolge dessen
sicli vom Sättigungspunkte mehr und mehr entfernen. Die mittlere Uröfse der
Temperatur-Abnahme nach der Höhe ist nun in den wärmsten Tagesstunden
am bedeutendsten, während in der Nacht die Unterschiede in der Temperatur
zwischen oben und unten gering werden, ja sogar in klaren Nächten bis zu
gewissen Höhen regelmäfsig eiue Umkehrung derselben eintritt, indem die
Temperatur am Erdboden tiefer sinkt, als in der Höhe, was ein sehr stabiles
Gleichgewicht der Luft und eine sehr geringe vertikale Luftcirkulatiou zur Folge
hat. An ruhigen Tagen mit kräftiger Sonnenwirkung, also bei uns vorwiegend
in der warmen Jahreszeit, tritt hingegen jener labile Gleichgewichtszustand in
der Regel einige Stunden nach Sonnenaufgang ein, und hört derselbe noch vor
Sonnenuntergang wieder auf. Die tägliche Periode der Windstärke hat die
gröfste Aehnlichkeit mit der täglichen Periode der Cumulus-Bildung, obwohl
die Verknüpfung beider Erscheinungen durchaus keine durchgehende ist, weil
die Bildung der Haufenwolken einerseits eine gewisse Luftfeuchtigkeit voraus
setzt und andererseits au vertikale Strömungen gebunden ist, die keineswegs
bis zur untersten Luftschicht herabzureichen brauchen.
Die Richtigkeit dieser Anschauungen wird dadurch bewiesen, dafs eine
beträchtliche Reihe von Schlufsfolgerungeu, welche sich nothwendig aus den
selben ergebon, von der Erfahrung durchaus bestätigt wird. Wir wollen zu
nächst einige Momente auführen, die schon bei der Aufstellung der Theorie im
Jahre 1879 bekannt waren und von mir berücksichtigt wurden, und diesen
einige erst später gefundene folgen lassen.