616
Sturm im SMatlautischen Occan, April 1883.
liehe Theil der Riuue allmählich ausfällte, Barometerstand und Windstärke von
dem Auftreten der Depression nur iu geringem Grade berührt.
Der Verlauf des Wetters, wie er an Bord der verschiedenen Schiffe
beobachtet wurde, war, kurz gefafst, wie folgt.
„Canopus“ hatte am 24. April starken NNW-Wind. Das Wetter war
trübe und sehr feucht, doch hörte der anhaltende Staubregen, welcher vorher
geherrscht hatte, gegen Mittag auf. Das Barometer begann langsam zu fallen,
während die Lufttemperatur allmählich zunahm. An den vorhergehenden beiden
Tagen hatte ein Steigen des Barometers stattgefunden, obgleich der Wind auch
damals schon nordwestlich war.
Nach Mitternacht nahm der Wind zum Sturme zu, indem er zugleich bis
N krimpte. Im Westen kam eiue dicke Wolkeubank auf, während die uuterc
Luft rasch mit dem Winde zog. Neben der zunehmenden See aus NNW erschien
eine hohe Dünung aus West.
Um 8 Uhr Morgens am 24. August, in 42° 14' S-Br und 35° 50'W-Lg,
sah Kapt. Loose sich genöthigt, beizudrehen, nachdem er schon vorher kleine
Segel gemacht und, um Fortgang zu behalten, den Kurs nach Ost verändert
hatte. Der Sturm aus N hatte inzwischen bis zur Stärke 10 zugenommen, und
das Barometer war bis 753,6mm gefallen.
Nachmittags steigerte sich der Sturm hei stetig fallendem Barometer
mehr und mehr. Die Luft wurde sehr trübe aussehend; dicke Wolken kamen
von Westen aufgezogen, und es lief eine sehr uuregelmäfsige See. Um 7 h p. m.
begann es heftig zu regnen. Von 8 h bis ll 4 p. m. wehte aus N voller Orkau.
Gegen das Ende dieser Zeit erreichte das Barometer mit 739,4 mm seinen
niedrigsten Stand, und der Wind begann sich nach NNW und später nach WNW
zu drehen, wobei es immer noch orkanartig wehte. Die See war ungeheuer
hoch und schlug von beiden Seiten über das Schiff weg. Um ll h p. m. legte
sich das Schiff, obgleich es vor Topp und Takol lag, unter dem Druck des
Windes so auf die Seite, dafs das ganze Verdeck bis an die Luvschanzkleidung
unter Wasser stand, und es hatte den Anschein, als ob es nicht wieder auf-
kornmen würde. Erst eine halbe Stunde nach Mitternacht richtete sich das
Schiff etwas wieder auf, schien aber eine starke Schlagseite erhalten zu haben.
Man fand dieselbe später, am 27. April, als der Wind flau geworden war, zu
7° und war genöthigt, um das Schiff gerade zu richten, da die Ladung (Kopra)
nicht umgestaut werden konnte, alle Boote, Wasserfässer und Reservespieren,
sowie 90 Faden von der St-B.-Ankerkette nach der B-ß.-Seite zu bringen.
Um 4 h a. m. des 26. April wehte es aus WNW noch mit orkanartiger
Stärke, und es lief eine gewaltige See aus NW. Von dieser Zeit an nahm der
Wind aber rasch au Stärke ab, indem er sich zugleich allmählich nach WSW
drehte und die Luft abklarte. Das Barometer war bereits um IO* 1 p. m. des 25.,
als sich die Windrichtung nach NNW veränderte, vom Fallen zum Steigen über
gegangen und stieg, der Windstärke entsprechend, erst rasch, dann langsamer.
Gegen Mittag hatte sich das Wetter so weit gebessert, dafs man wieder
Segel setzen und den nordnordöstlichen Kurs wieder aufnehmen konnte. Die
See war aber immer noch sehr hoch und unregelmäfsig; das Schiff arbeitete
schwer und nahm sehr viel Wasser über. Um 10 Uhr Abends wehte nur noch
eine frische Briese aus WSW bei leicht bewölktem Himmel und schönem Wetter.
Kapt. Loose bemerkt, dafs der Sturm der vorhergehenden Nacht der schwerste
gewesen sei, den er in seiner 34jährigen Fahrzeit auf See erlebt hätte.
Für „Triton“, welches Schiff am Mittage des 24. April etwa 60 Sm West
von „Canopus“ stand, verlief der Sturm fast in derselben Weise. Es war jedoch
länger als sein Mitsegler im Stande, bei dem zunehmenden Nordwinde am Vor
mittage des 25. April Segel zu führen und seinen Kurs einzuhalten. Infolge
dessen hatte es bis Mittag eine um einen Laiben Grad nördlichere Stellung als
„Canopus“ gewonnen, und dies war vielleicht die Ursache, weshalb für dasselbe
das Wetter nicht ganz so schwer als für das letztere Schiff wurde.
„Triton“ wurde am Mittage des 25. April beigedreht, als der von an
haltendem Regen begleitete Nordsturm die Stärke 10 erreicht hatte. Schon um
6 h p. m. schien der Wind umlaufen zu wollen; nach vorhergehendem heftigem
Regen brach eine wüthende Böe herein, in dor der Wiud bis NNW räumte,
doch schralte er bald wieder weg, und das Barometer, das sich für eine kurze
Zeit stetig gehalten, begann von neuem zu fallen. Der niedrigste Stand trat