Eingänge vom meteorologischen Journalen etc., Juni 1883.
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änderte sich von SE durch NE und N nach W und SW. Nachdem es bei
Regen und Gewitter aus nördlicher Richtung für kurze Zeit orkanartig geweht
hatte, sank der Wind, als der niedrigste Barometerstand eingetreten war, zur
frischen Briese herab, um, als das Glas zu steigen begann, aus W wieder bis
zum Orkan zuzunelimen. Das Schiff litt dabei, wie es nicht anders zu erwarten
war, in der wild aufgeregten hohen Sec aufs Höchste. Noch für lange Zeit
nachher stürmte es ununterbrochen, und konnte daher nicht allein kein Fortgang
nach Westen gut gemacht werden, sondern es war auch unmöglich, das schon
Gewonnene festzuhalten. Vom 10. Februar bis zum 4. März konnte man nur
von 50,4° N-Br in 22,3° W-Lg nach 61,7° N-Br in 30,3® W-Lg vorrücken.
Die Richtung des Windes war während der Zeit des so ungewöhnlich niedrigen
Luftdrucks sehr häufig eine günstige; doch war es seiner übergrofsen Stärke,
der fast stets bald erfolgenden Veränderung nach ungünstiger Richtung und
der unaufhörlich laufenden hohen Gegensee wegen fast nie möglich, Fortschritt
dabei zu erzielen. Als nach dein 17. Februar der Luftdruck einen bleibcud
höheren Stand hatte, war die Richtung des noch häufig stürmischen Windes
meistens eine ungünstige, und wurde das Schiff dann so weit nach Norden ver
drängt, dafs am 4. März der Schiffsort 61,7° N-Br in 30,3“ W-Lg war. In der
Nähe dieses Punktes beobachtete „Elena* während eines heftigen Weststumes
eine merkwürdig rasche Zunahme des Luftdrucks. Nachdem am 3. März bei
Sturm aus S das Barometer mit 735,4 mm seinen niedrigsten Stand erreicht
hatte, veränderte sich am 4. März kurz nach dem Ausschüssen des Windes nach
WNW der Luftdruck in vier Stunden um 9,7 mm uud nahm auch ferner noch
rasch zu, bis am 5. März in 61,5° N-Br uud 31° W-Lg der ganz ungewöhnliche
Stand von 785,3 mm abgelesen wurde. In 66 Stunden hatte der Luftdruck siel»
um 50 mm vergrößert. Das Gebiet dieses hohen Luftdrucks dohnte sieh damals
weit nach Osten hin aus; denn am 6. März beobachteten die beiden nach New-
York bestimmten Bremer Schiffe „Olbers“ in 57,6° N-Br und 15,6° W-Lg einen
Stand von 786,8 mm und „Diamant“ in 56,3° N-Br uud 15,5° W-Lg einen
solchen von 768,5 mm. Diese beiden Schiffe segelten damals bei frischem
Winde aus N, während „Elena“ mehrere Tage anhaltende leichte Süd- und
SSE-Winde beobachtete. „Olbers“ und „Diamant“ befanden sich also an der
Ostseite des Maximums, „Elena“ dagegen au dessen Westseite, und erscheint
es nicht unwahrscheinlich, dafs zwischen den Positionen dieser Schiffe ein noch
höherer Luftdruck herrschte, als wie die vorher angegebenen. Bei „Elena“,
die damals fast an jedem Tage Eisberge sah, hielt dieser ungewöhnliche Baro
meterstand mehrere Tage hindurch an, so dafs während vier Tagen ein mittlerer
Stand von 779,2 mm beobachtet wurde. Vergleicht man gegen diesen Werth
den aufserordentlich niedrigen an den 13 zwischen dem 5. bis 17. Februar
liegenden Tagen beobachteten Mittelwerth, welcher nicht mehr als 730,5 mm
betrug, und vergleicht den damals erreichten niedrigsten Druck von 702,3 mm
mit dem 19 Tage später beobachteten höchsten Stand von 785,3 mm, so mufs
man staunen, ob solcher, wohl in keinem anderen Meerestlieile möglichen,
Schwankungen. Die Reise der, eine ungewöhnlich hoch nördliche Route ver
folgenden „Elena“ wurde später durch die aufserordentliche Häufigkeit des
Treibeises besonders verlängert, und gelang es erst am 2, April, den Hafen von
New- York zu erreichen. Um dahin von Fair Island ab zu gelangen, waren
59 mühevolle Tage erforderlich gewesen. Während dieser Zeit hatte man:
30° W-Lg in 61,5° N-Br am 4. März, 50° W-Lg in 44,3“ N-Br am 24. März,
60° W-Lg in 42° N-Br am 27. März und 70° W-Lg in 40,8° N-Br am 1. April
überschritten. Der Mitsegler „Olbers“, welcher am 20. Februar iu Sicht von
Fair Island gelangt war, ankerte in der Bai von New-York am 27. März, uud
„Diamant“, welcher Fair Island am 21. Februar erblickte, erreichte New- York
am 28. März.
Von New-York aus trat „Elena“ am 2. Mai die Rückreise nach Hamburg
an. Während dieser traf sie östliche Winde, die während der Ausreise so
schmerzlich vermifst worden waren, in ungewöhnlicher Häufigkeit an. Unter
den 30 Tagen, welche erforderlich waren, um von New- York aus den Kanal
zu erreichen, befanden sich nicht weniger als 16, an denen Ostwind von kürzerer
oder längerer Dauer beobachtet wurde. Die Bark kreuzte: 70“ W-Lg in 37,8°
N-Br am 6. Mai, 60° W-Lg in 38,5“ N-Br am 10. Mai, 50° W-Lg in 41° N-Br