Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Juni 1883.
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2. Reise der eisernen Altonaer Hark „Okeia“, Ka|>t. H. W. B. Nissen.
Am 1. September 1881, nur 3 Tage nach dem Antritt einer Reise von
Hamburg nach Valparaiso, befand sich die Bark „Okeia* in Sicht von Lizard.
An demselben Tage stand dort damals auch das eiserne Bremer Vollschiff
„Hermann*, und segelten später beide Schiffe bei umlaufenden Winden süd
wärts. „Hermann* wurde von denselben gleich anfangs mehr begünstigt als
„Ohia“ und gewann daher einen Vorsprung gegen die Bark. Als diese letztere
am 16. September in der Nähe von 28,8° N-Br und 22,2° W-Lg den Passat
aDtraf, stand das Vollschift' gleichzeitig schon in 27,2° N-Br und 22,9° W-Lg.
Im Gebiete dieses, auch bei „Okeia“ nur bis nach 19° N-Br regelmäfsig auf
tretenden Windes konnte die Bark das Verlorene wieder vollständig einholen;
denn als sie am 24. September in 11,8° N-Br und 27,7° W-Lg den Stillengürtel
betrat, war gleichzeitig „Hermann’s* Schiffsort 12,3° N-Br in 26,6° W-Lg. Be
ständiger Südwestmonsnn wurde von „Okeia* nur für kurze Zeit beobachtet,
ebenso wie es „Hermann* gethan hatte. Die angetroffeno Mallung kam jedoch
vorherrschend aus südwestlicher Richtung und ebenso war auch die Strömung
durchweg eine östlicho. Am 2. Oktober, 8 Stunden später, als es von „Hermann*
in 4,9° N-Br und 18,2° W-Lg geschehen war, wurde „Okeia* in 5,5° N-Br und
22,7° W-Lg über St-B.-Bug gelegt. Da die Bark aber später auch noch jene
vom Vollscliiffe beobachteten Südwinde autraf, mufstc sie auf ihrer westlicheren
Route bedeutend längere Zeit wieder über B. B.-ßug segeln, als es das Voll
schift' that. Aus diesem Grunde blieb sie noch etwas mehr zurück und konnte
den Aequator in 28,2° W-Lg erst am 8. Oktober, einen Tag später als es von
„Hermann“ in 24,8° W-Lg geschehen war, erreichen. „Okeia* hatte die
zwischen Lizard und Liuie liegende Strecke in 37 Tagen zurückgelegt und auf
derselben: 40° N-Br in 14,5° W-Lg am 9. September, 30° N-Br in 21,9° W-Lg
am 15. September, 20° N-Br in 25,8° W-Lg am 20. September und 10° N-Br
in 27° W-Lg am 27. September gekreuzt.
Im Südatlantischen Ocean wurde „Okeia 11 bis nach 22° S-Br in 37° W-Lg
vom frischen Passat begünstigt, ln der Nähe dieses Punktes veränderte sich
der Wind am 17. Oktober, bei einem höchsten Barometoistände von 766,3 mm,
nach NE, um sich mehrere Tage lang in diesem Viertel zu halteu. Am 21. Oktober
drehte der Wind unweit 28° S-Br in 43,5° W-Lg, bei auf 755,8mm gesunkenem
Luftdrucke und indem es im SW blitzte, in rascher Weise durch N, W und S
zurück nnoh SR. Anfangs stürmisch ans dpr letzteren Blehtnng wehend, vor
änderte er sich bald wieder weiter nach links, und als das gleichzeitig steigende
Barometer mit 768,2 mm seinen höchsten Stand erreicht hatte, war die Wind
richtung wieder N geworden. Indem der für einen Tag stürmisch aus N
wehende Wind seine Drehung dann noch weiter fortsetzte, trat er am 25. Oktober,
in etwa 35° S-Br und 49° W-Lg, in orkanartiger Stärke auf. Während dieses
Sturmes, der ein regelrecht verlaufender Pampero zu sein schien, wurde der
niedrigste Luftdruck von 750,6 min etwa gleichzeitig mit dem Umlaufen des
Windes von W nach SW beobachtet. Nachdem der Sturm sich gemäfsigt hatte,
folgten keine weiteren Drehungen des Windes nach links, sondern derselbe
wehte nun für läDgere Zeit beständig aus südlicher und südwestlicher Richtung.
Er verhinderte dadurch den Verlauf der Reise bedeutend. Südlich von 40° S-Br
waren die Verhältnisse wieder etwas günstiger, so dafs man bis zum 8. November
nach 50° S-Br in 65,5° W-Lg gelangen konnte. Der 8. November war der
31. bis dahin in südlicher Breite verbrachte Tag. Während dieser Zeit hatte
man: 10° S-Br in 33,7° W-Lg am 12. Oktober, 20° S-Br. in 36,1° W-Lg am
16. Oktober, 30° S-Br in 46° W-Lg am 23. Oktober und 40 S-Br in 53° W-Lg
am 31. Oktober überschritten. Der Mitsegler „Hermann* war nach 20° S-ßr
in 32,4° W-Lg am 15. Oktober gelangt.
Am 11. November umsegelte „Okeia* die Ostspitze der Sf«aie«-Insel.
Der frische Nordwind bei dem dasselbe geschah, veränderte sich am nächsten
Tage nach NE und begleitete die Bark, bis sie zur Länge des Kap Horn ge
langt war. Westlich von derselben wurden vorherrschend aus nördlicher und
westlicher Richtung wehende Winde angetroffen, bei denen es verhältnifsmäfsig
leicht war, Länge gut zu machen, aber sehr schwor fiel, nach NW hin vor-
zuriieken. Südliche und südwestliche Winde, die in der Nähe des Kap Horn