Reiseberichte S. M. S. „Carola“.
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Als Peilobjekt ist zum Aufdrehen im Hafen von Suva nach Osten am
besten das Stativ des grünen Hafenfeuers zu benutzen, welches zu beiden Seiten
der Laternen breite weifse Bretterscbirme hat, um das Licht auf bestimmte
Striche zu beschränken.
Die in der Br. Adm.-Karte No. 1757 (Tit. XII, No. 152a) angegebene
Peilung eines grofsen weifsen Speichers ist bei der Menge der Neubauten nicht
mehr brauchbar; auf den neuesten englischen Karten ist auch schon die Peilungs
linie nach dem Hafenfeuer angegeben.
Die Einwirkung von Ebbe und Flutb ist als Strom im Hafen kaum
bemerkbar. Ein Lotse ist nicht vorhanden, doch kommt auf Verlangen der
Hafenmeister an Bord der Kriegsschiffe. Die Kommunikation mit dem Lande
ist erst nach Besuch des Arztes gestattet, so lange ist die Quarantäne-Flagge
zu heifsen.
2. Nene Hebriden.’)
Auf der Reise von den Fiji Inseln bis zu den Neuen Hebriden wurde
stets westlicher Strom, zwischen Apia und Paoma ein solcher von 1 Sm die
Stunde konstatirt.
Am 28. Mai wurde zunächst dio NO-Spitze der Insel Ambrym angesteuert
und nach kurzem Aufenthalt sodann nach der Insel Bartolomew gedampft. Nach
dem zuerst von Osten her die Passage zwischen Bartolomew und Espiritu Santo
vergeblich gesucht war, wurde westlich längs der Südkante der ersten Insel
gesteuert und bei einbrechender Dunkelheit auf ihrer Westseite auf 20m Wasser
geankert.
Nachdem bei einem dort liegenden Arbeiterschiff Erkundigungen ein-
gezogeu waren, und von ihm das Vorhandensein einer Passage zwischen den
oben erwähnten Inseln bestätigt war, wurde am 29. Mai Morgens wegen des
ungünstigen Standes der Sonne langsam durch diese Strafse gedampft. Das
Fahrwasser führt innen an der Nordseite der Insel Bartolomew entlang und
wird durch mehrere auf der Karte nicht vorhandene kleine Inseln und Riffe
von Norden her eingeengt. Die Karte Tit. XII, No. 129 (Br. Adm.-Karte
No. 1380) ist, was den östlichen Theil der Insel Bartolomew, sowie den süd
lichsten von Espiritu Santo anbetrifft, ohne Werth. Fast alle an der Südküste
der letzteren vorhandenen Inseln fehlen in der Karte entweder gänzlich oder
sind ungenau eingetragen. Die Passage ist kurz vor ihrem Ostende durch eine
flache Insel bis auf ca 1 Sm eingeengt, und geht gerade von dieser Insel ein Riff
von Norden aus bis auf ein Drittel des Fahrwassers. Auf dem Riffe wurden
auf der flachsten Stolle 3 und 4 m Wasser gefunden. An dieser Stelle lief
der Strom während der Fluth ca 3 bis 4 Sm westlich, wogegen auf der West
seite der Insel gleichfalls während der Fluth ein leichter nördlicher Strom ge
funden wurde.
Man kann von OsteD aus durch die Passage nach der Insel Hat frei
liegen und die ganze Passage offen sehen. Kleine Ortsveränderungen aufserhalb
der Passage nach Nord oder Süd lassen dieselbe aber, der in und vor der
selben liegenden Inseln halber, schnell verschwinden.
An der engsten Stelle war wegen der ungünstigsten Beleuchtung ein
durch den starken Strom sehr erschwertes Auslothen durch die Kutter erforder
lich, da die dort häufigen Stromkabbelungen das Schätzen der Wassertiefen
unsicher machten.
Darauf wurde von ll 1 * 30“ a. m. ab nach der Insel Lepers (Aoba) ge
steuert und an der NW- und Nordseite längs gedampft. Die Nordseite der
Insel zeigt keine Riffbildung und meist steile felsige Ufer.
Die Kanoes der Eingeborenen sieht man vielfach zwischen und auf den
Felsblöcken des Ufers liegen. Die Hütten stehen meist im Busch verborgen.
Die Insel ist stellenweise plantagenartig gut bebaut, und wurden von Eingeborenen
Mangos, Tarro und Kokosnüsse angeboten. Die Eingeborenen zeigten sich nicht
so scheu, wie auf den früher besuchten Inseln und tauschten auch Waffen gegen
Tabak ein.
s ) S. „Ami. d. Hydr. etc.*, 187S, pag. 2{j und 132; ,$outh Pacific Directory“, 1877,
pag. 681—701.