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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Die drei norwegischen Nordmeer-Expeditionen 1876—78. 
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Aus dieser Zusammenstellung gebt hervor, dafs in den Sommermonaten 
dio Oberfläche des Meeres südlich vom Polarkreise etwas kälter ist als die 
Luft, während sie nördlich von diesem wärmer ist als die Luft. Pie tägliche 
Aenderung der Temperatur war an der Meeresoberfläche geringer als in der Luft. 
In einem Anhänge (a. a. 0. pag. 134—150) giebt Mohn eine Beschreibung 
der von ihm während der drei Expeditionen von 1876, 1877 und 1878 ange- 
stellten Versuche über die Verdunstung des Seewassers und der beiden dabei 
angewendeten, nach seiueD Angaben konstruirten Atmometer, welche auf dem 
Principe des Hydrometers beruhen, sowie über die bei dem Verfahren aus 
geführten Beobaehtuugsmethoden uud die verschiedenen Fehlerquellen der 
Beobachtung und deren Korrekturen. Wenn auch die erhaltenen Resultate 
nicht ganz den Erwartungen entsprachen und von den bisher für die Ver 
dunstung nach den Formeln berechneten Werthen abwicheu, so sind sie doch 
geeignet, für spätere mit besseren Apparaten und unter günstigeren Um 
ständen ausgeführte Untersuchungen über die Verdunstung des Seewassers einige 
wichtige Anhaltspunkte zu geben. 
Das Atmometer bestand aus einem Wassergefäfs in kardanischer Auf 
hängung, welches zum Schute gegen Temperaturschwankungen in einen hölzernen 
Kästen eingesetzt war. In diesem Gefäfs befand sich ein Schwimmkörper, 
welcher einen Wassern&pf von 100qcm Verdunstungsfläche trug. Der Schwimm 
körper wurde derartig abbalaucirt, dafs das Verduustungsgefäfs bis an eine 
bestimmte Marke in die umgebende Flüssigkeit eintauchte. Beide Gefäfse waren 
mit Seewasser gefüllt und hatten dann ungefähr gleiches Niveau, so dafs die 
kleine Wasserfläche, deren Verdunstung zu messen war, nicht sehr von der 
umgebenden Luft beeinflufst werden konnte. Um das Quantum des verdunsteten 
Wassers zu bestimmen, fällte mau dem Verduustungsgefäfs mittelst einer 
graduirten Bürette frisches (destillirtes) Wasser zu, bis der durch die Ver 
dunstung erleichterte Schwimmer wieder zu der bestimmten Marko hinabgesunken 
war. Die verdunstete Wassorineuge ergab sich dann aus der Ablesung an der 
Bürette. Der Apparat wurde mit einem dünnen Metalldach, von vier Eisen 
stäben getragen, gegen Regen und Staub etc. geschützt. 
Die während der drei Sommerfahrtcu angestellten Versuche (26 im Jahre 
1876, 69 im Jahre 1877 und 55 im Jahre 1878) hat Mohn tabellarisch zusammen 
gestellt und aus ihnen nachstehende Zahlenwerthe für die Verdunstung des 
Wassers des norwegischen Nordmeeres hergeleitet. 
In dem Sommer 1876 (siehe sub 1. Luftdruck) betrug die Höhe des ver 
dunsteten Wassers 42,98 mm in 273,5 Stunden oder im Durchschnitt 0,157 mm 
per Stunde — 3,77 mm in 24 Stunden. Während der Stunden des Tages (9 h a. in. 
bis 9 h p. m.) verdunsteten 56% und während der Nachtstunden (9 h p. m. bis 
9 h a. m.) 44% des Gesammtbetrages. 
In dem Sommer 1877 (siehe sub 2. Temperatur) verdunsteten 128,39 mm 
in 1191,7 Stunden oder im Durchschnitt 0,108 mm per Stunde = 2,59 mm in 
24 Stunden; die Verdunstung in den Tagstunden betrug 61%, iu den Nacht 
stunden 39%. Südlich vom Polarkreise (60°—66,5° N-Br) war die durch 
schnittliche Verdunstung iu dem warmen Strom 0,127 mm per Stunde = 3,05 mm 
in 24 Stunden; nördlich vom Polarkreise (von 67,5°—71° N-Br) war sie in dem 
selben Strome durchschnittlich 0,122 mm per Stunde ~ 2,94 min in 24 Stunden. 
In dem Polarstrom von Island bis Jan Mayen betrug dio Verdunstung 0,037 mm 
per Stunde — 0,88 mm in 24 Stunden. 
In dem Sommer 1878 (s. sub 2. Temperatur) war die VerduDstungshöhe 
47,26 mm in 713,2 Stunden oder durchschnittlich 0,067 mm per Stundo = 1,60mm 
in 24 Stunden, am Tage 65%, während der Nacht 35%. Südlich von dem 
Parallel von 75° Nord (zwischen 75° uud 80° N-Br) war die Verdunstung in dem 
warmen Strome (inkl. der Barents-See) 0,090 min die Stunde = 2,16 mm in 
24 Stunden. Zwischen 70°—75° N-Br war die Verdunstung in demselben Sti-ome 
westlich von Spitzbergen 0,052 mm per Stunde — 1,24 mm in 24 Stunden. Der 
warme Strom zwischen 70°—80° N-Br zeigte hiernach im Durchschnitt eine 
Verdunstung von 0,070 per Stunde = 1,68 mm in 24 Stunden. In dem Polar 
strome westlich von Spitzbergen war die Verdunstung 0,046 mm per Stunde 
r= 1,11 mm in 24 Stunden. 
Ann. 3- Hy3r. etc., 1883, lieft X. 
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