1
Ann. d. Hydr. etc., XI. Jalirg. (1883), lieft X.
565
Die drei norwegischen Nordmeer-Expeditionen 1876—78.
n.')
In der Abtheilung „Meteorologi“ des grofsen Sammelwerkes der Mit
glieder der norwegischen Expedition (150 Seiten mit 13 Holzschnitten, 3 Tafeln
und 1 Karte, 1883) hat uns der Direktor des norwegischen meteorologischen
Instituts H. Mohn mit einer sehr werthvollen Monographie der täglichen
periodischen meteorologischen Vorgänge in dein norwegischen Nordmeere, diesem
für die Kenntnifs der meteorologischen Erscheinungen des Nordatlantic und von
Nord-Europa so überaus wichtigen Theile des arktischen Oceans, beschenkt.
Die an jedem Tage während der drei Expeditionen 1876, 1877 und 1878 nach
Mohn’s Organisation und unter seiner persönlichen Leitung stündlich an-
gestellten Beobachtungen erstreckten sich auf Richtung, Stärke und Geschwindig
keit des Windes, Druck, Temperatur und Feuchtigkeit der Luft, Gestalt und
Menge der Wolken, Art und Menge der Niederschläge, Richtung und Gröfse
des Seeganges, Temperatur des Wassers au der Oberfläche und endlich auf
gelegentliche Erscheinungen. Alle diese Beobachtungen sind in dem Werke
Tag für Tag systematisch in tabellarischer Form zusammengestellt. Den Tabellen
geht voran eine Beschreibung der bei den Einzelbeobachtungen angewendeten
Instrumente, deren Behandlungsweise und der Reduktion der Beobachtungen;
ihnen folgt eine Darstellung der aus diesen letzteren von Mohn hergeleiteten
Ergebnisse hinsichtlich der täglichen Periode der meteorologischen Elemente
während der Sommermonate in dem norwegischen Nordmeere.
In einem Anhänge giebt Mohn eine Beschreibung seiner interessanten
Versuche über die Bestimmung der Verdunstung des Seewassers (s. pag. 573).
Für die Bestimmung der Richtung und Stärke des Windes wandte
Mohn die Methode an, diese zunächst zu notiren, wie sie an Bord des Schiffes
selbst gefunden wurden, und dann mit Berücksichtigung der Richtung und der
Geschwindigkeit der Bewegung des Schiffes die wahre Richtung herzuleiten.
Die Richtung des Windes an Bord wurde an einem Admiralitäts-Normal-
Kompafs abgelesen. Vom Kompafs aus konnte man, das Gesicht dem Winde
zugekehrt, die Richtuug desselben auf einen halben Strich genau auf die Kompafs-
rose projiciren. Aufserdem bot der Rauch aus dem Schornstein einen Anhalt,
und am Topp des Fockmastes war 1877—78 ein Windflügel von 1,4 m Länge
angebracht. Der Winkel, den dieser mit der Längsschiffslinie bildete, konnte
leicht festgestellt werden. Bei Besprechung des Verfahrens zur Ermittelung der
von der Fahrt des Schiffes unbeeinflufsten Windrichtung kommt Molm zu dem
Resultat, dafs es bei leichtem Winde genauer ist, die wahre Richtung aus der
Richtung der kleinen Wellen, welche die Meeresfläche kräuseln, direkt zu ent
nehmen. Dies Verfahren ist immer dann sicherer, wenn die Windgeschwindig
keit geringer ist als 0,8 der Schiffsgeschwindigkeit, z. B. bei 10 Kn Fahrt für
Windstärken bis zu 3 nach der Beaufort-Skala. Die Geschwindigkeit wux’de
im Jahre 1876 an einem älteren Robinson’schen Anemometer, bei den Fahrten
1877 und 1878 an einem nach Mohn’s Angaben von M. Wiig in Christiania
] ) I. s. di«*« Annalen Heft VIII, pag. 448—453.