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Kleine hydrographische Notizen.
dein Horizont war die Luft ganz holl. Ak die Wolke näher kam, konnte«
wir eine wilde Bewegung innerhalb derselben deutlich erkennen. Der Weg,
den die Wolke nahm, w ar auf der Oberfläche des Meeres gekennzeichnet, indem
sie das Wasser aufsog. Wir befanden uns mit dem Schiff etwa 5 Minuten in
diesem Gischtstreifen, wobei der Wind aus NW bis Stärke 11 zunahm. Ak
die Böe das Schiff passirt hatte, wurde es windstill. Die Wolke «fand nun
als eine dicke Masse von SO bis SW am Himmel, und cs schossen in derselben
Blitze garbenartig von einem Endo zum andern bin und her, ohne dafs wir
indefs Donner hörten. Im NO befand sieh ebenfalls ein Gewitter, während im
NW die Luft ganz klar war.
10. Strom Verhältnisse im Juli 1883 auf der Reise von Bahia
nacli Santos. Auf einer Reise von Bahia nach Sanios (unter Segel) wurden
von S. M. S. „Olga“, Korv.-Kapt. Freiherr von Seckendorff, Stromverhältukse
gefunden, welche der Annahme eines beständigen südlich setzenden Stromes
{Brasilien - Strom) in jener Gegend wider sprechen und eine vorherrschende
Abhängigkeit der Strömung von der Windrichtung zur Zeit der Beobachtung
erkennen lassen. 1 ) Diese Daten sind in folgender Tabelle zusammenge.-te 111.
Datum
Breite
Länge
Wind
Strom
1883
Süd
West
Richtung Stärke
Richtung
Stärke
Juli 3
14° 33,7'
36° 43£'
SSE 3—5
N 62° W
21r0 Sm
- 4
14° 50,4'
37° 17.9'
SE 2—5
N 66° VV
20,3,
, 5
15° 5,5'
37° 17,7'
SzE 4
N 59° VV
12.0 ,
. c
15° 34,9'
37° 6,8'
ESE 4
N 69° W
17,0 ,
, 7
17° 4b'
37° 20,0'
ESE , 4
N49° W
7,0 ,
, 8
18° 49,4'
37° 28,8'
SE ! 4
S 67° W
5,0 „
, 9
20° 26,9'
38° 8,8'
ESE 4
S 17° VV
19,0 »
, 10
21° 46,9'
39^ 19,8'
Stille —
N 59° W
17,0 .
. H
22° 19.8'
39° 33,5'
SEzE 3
S 37° W
8.4 »
„ 12
23" 14,4'
40® 50,8'
ESE 3
N 25° W
19,3 ,
. 13
23° 41,9'
42° 23,9'
EzN 4
N 10° W
11,2 .
, 14
24° 100'
45° 12'
WzN 2
S 41° W
12-0 „
11. (D. S.) Treibeis im südöstlichen Theil des Südatlanlischeu
Oceans.*) Kapitän W. van der Vring vom Schiff „Fürst Bismarck“ meldet:
Um 9 Uhr Morgens den 28. September 1882 sahen wir einen grofsen Eisberg,
den wir um 10 Uhr auf 43" 11' S-ßr und 8° 41' O-Lg nebst vielen kleinen
Eisschollen in einem Abstande von 2 Sro passirten. Dio Temperatur der Meeres
oberfläche sank von 9,9° C. um 8 Uhr auf 9,4° 0. um 10 Uhr. Um 3 Uhr
Nachmittags passirten wir in 43° 27' S-ßr und 9° 14' O-Lg abermals einen
grofsen Eisberg und von 6 Uhr bis 7 Uhr Abends, zwischen 43" 34' S-Br in
9° 37' O-Lg und 43° 37' S-Br in 9° 44' 0 Lg viele Eisschollen. Die beob
achtete Temperatur der Meeresoberfläche war um 12 Uhr Mittags auf 43“ 19'
S-ßr und 8° 52' O-Lg 9,4° C., um 4 Uhr Nachmittags in 43° 30' S-Br und
9° 20' O-Lg 9,6° 0. und um 8 Uhr Abends in 43" 39' 8-Br und 9° 52'
O-Lg 9,4° 0.
12. (D. S.) Flaschenpost, Durch Vermittelung des Herrn W. 0. van
Romondt, Gouverneur der Insel Sb Martin (Westindieu), ist der Seewarte eiu
Flaschenpostzeltel zugeg&nge», welcher von der Deutschen Bark „Suaheli“,
Kapt. G. F. G. Frühling, auf der Reise von Hamburg nach Zanzibar, am
17. September 1882 auf 20° 5' N-Br und 24° 32' W-Lg über Bord geworfen
und am 18. Juni 1883 an der Ostküste der Insel St. Martin, auf 18° 3' N-Br
und C>3° 1' W-Lg durch den Herrn Cannegieler aufgefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen bat die Flasche in 274 'Tagen
2186 Sm nach W ’/<S zurückgelegt.
9 »South America Pilot“, Part i, pag. 12, und „South Atlantic Ocean Directory* vou
Findlay, 1875, pag. 115.
-) Siele auch den Bericht von Kapt. K. Jost in Heft VI S. 393.
Bedruckt und in Kommission bei E. S. Müller & Sohn.
Königliche Hoi’buchhandhrog.
Kochstrafse CS/70.