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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Kleine hydrographische Notizen. 
Kleine hydrographische Notizen. 1 ) 
1. Uebcr das Ansteuern der Insel San Sebastian (Brasilien) 
und die Ansiedelung Villa nova da Princeza berichtet der Kommandant 
S. M. Kbt. „Albatro/s“, Korv.-Kapt. von Pawelsz, welcher im Juli d. J. von 
Rio aus diese Insel besucht hat, Nachstehendes. 
„Will man das Nordende der Insel San Sebastian anlaufen, so dürfte es 
unter allen Umständeu das Beste sein, die /Jtm'os-Insel anzusteuern, da diese 
luselgruppe sich unverkennbar und scharf präsentirt, während San Sebastian bis 
in ganz naher Entfernung sich von dem dahinter liegenden hohen Lande schlecht 
abhebt und dieses aufserdem, wie alles hohe Land au der brasilianischen 
Küste, meistens in den Wolken und im Dunst verschwindet. Die Rwsfos-lnscln 
wurden in ca 2Sm Abstand passirt und dabei gefunden, dafs die bisherigen 
Angaben der Karte und der Segel-Anweisungen 2 ), betreffend die Inselgruppe, 
unrichtig sind; es faud sich, dafs die ganze Inselgruppe aus zwei Inseln besteht, 
einer grofsen Insel mit drei Hügeln und einer kleinen, südlich vor derselben 
liegend, welche als ein grofser Fels bezeichnet werden kann. Die drei Hügel 
der größeren fallen bis dicht über das Wasser ab und erscheinen daher, von 
Weitem gesehen, als drei einzelne Inseln; die Hügel selbst sind 100 bis 
150 m hoch. 
Nach dem Passiren der Bastos-Insclu bieten die Inseln Vittoria und Poreos 
sohr gute Orientiruugsmarken; die kleine nördlich der Insel Vittoria auf der 
Br. Adm. Karte No 530 (Tit. VIII No. 6<>) angegebene Insel konnte nicht 
aufgefunden werden. 
Das schliofsliche Ansteuern der Insel San Sebastiati bot keine Schwierig 
keiten; die nördliche Spitze der Insel markiit sich, nachdem die Insel Vittoria 
passirt ist, sehr scharf und hebt sich unverkennbar vou dem dahinter liegenden 
Hachen Lande ab; zur Vermeidung der sich längs dem Festlando erstreckenden 
Untiefe wurde in '/. Sm Abstand längs der Insel gesteuert und am 17. Juli um 
4 h p. in. vor Villa nova da Princeza, auf 22 in Wasser, geankert. 
Ungefähr 1 Sm von der Nordspitze der Insel entfernt wurde das Hand- 
lotli in Gebrauch genommen; bis zum Ankerplatz wurden die Tiefen durchgängig 
bedeutend geringer gefunden, als in der Br. Adm. Karte No. 543 (Tit.Vlll No. 66) 
angegeben ist; dieselben sollten au der Küste 16, 26 bis 35m betragen, jedoch 
zeigte das Loth nur 7,16 bis 22 in. Die betreffende Karte erwies sich auch im 
Ucbrigeu als unrichtig, da alle Peilungen sehr ungenaue Resultate ergaben. 
Man liegt mit dem Schiffe ca 3 Kblg von der Stadt auf 14 bis 20 in, 
Sandgrund, sehr gut, da der Wind am Tage fast immer längs der Küste weht 
(NNO—SSW). Der Strom folgt der Windrichtung und läuft gewöhulich '/* bis 
i Sm, bei stärkerem Winde 2 bis 3 Sm. Wie schon vorher erwähnt ist, haben 
die Wassertiefen ira Kanal abgenommen und sich sehr verändert. Die Bank an 
der Westseite hat sich ebenfalls verändert und erstreckt sich nicht mehr soweit 
in don Kanal hinein, so dafs das Fahrwasser im Ganzen genommen jetzt 
breiter ist. 
Die Ansiedelung Villa nova da Princeza, vou den Einwohnern Villa bella 
da Princeza genannt, ist eine Kolonie von 50 bis 00 niedrigen, regelmäßig auf 
geführten Stein- und Lehmhäusorn mit flachen Dächern, sowie einer katholischen 
Kirche und einem Begräbnifsplatz und gewährt am Fufso der mit frischem Griiu 
beleckten Berge einen recht freundlichen Anblick. 
Die Zahl der Einwohner beziffert sich mit dcu Ansiedlern von Armafao, 
sowie den auf den übrigen Theilcu der Insel zerstreut Wohnenden auf mehr 
als 9000, welche hohe Zahl wohl darauf zurückzuführen sein dürfte, dafs die 
Ufer der Insel beinahe vollständig bebaut und die einzelnen Wohnhäuser bezw. 
Häuserkomplcxc oft kaum 30 m von einander entfernt liegen. 
Die Einwohner beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Kaffeebau und der 
Zuckerrohrpflanzung. Eine an dem von Morro do isbareiros hcruuter kommenden 
Flusse erbaute Mühle besorgt die Verarbeitung dos Zuckerrohrs. 
l) I)io mit (!>. S.) bezeichneten Notizen sind tun der Ik'uts'hoi So.irailc eingeseudet. 
'0 Yergl. „South America Pilot*, Part 1 1871, pag. 139.
	        
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